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Blu-ray-Besprechung - Election

Story:
Die Triade der Wo Shing, die älteste Triade in Hongkong, steht vor der traditionellen Wahl eines neuen Oberhaupts, die alle zwei Jahre stattfindet. Die Ältesten der Triade setzen sich dabei zusammen und wählen mit einfacher Mehrheit den neuen Anführer. In diesem Jahr wetteifern der eher überlegt, sowie im Sinne der Triade handelnde Lok (Simon Yam), und der aufbrausende, machtgierige Big D (Tony Leung Ka Fai) um die Führung der Triade. Es kommt zu einer erbitterten Auseinandersetzung. Als sich ein Sieg von Lok abzeichnet, ist Big D entgegen der alten Traditionen nicht bereit, das Abstimmungsergebnis zu akzeptieren und droht mit einer Spaltung der Triade.

Meinung zum Film:
 "Election" wurde im Jahr 2005 die Ehre zuteil, im Rahmen des Filmfestivals von Cannes aufgeführt zu werden. Bei den Hong Kong Film Awards im Jahre 2006 gewann "Election" in fünf Kategorien, so erhielt der Film den Preis für die beste Regie, den besten Hauptdarsteller (Tony Leung Ka Fai), den besten Film und für das beste Drehbuch und war in sechs weiteren Kategorien nominiert. Beim Golden Horse Festival 2005 wurde der Film für das beste Drehbuch und die besten Soundeffekte ausgezeichnet und in acht weiteren Kategorien nominiert. Ein Jahr später, im Jahr 2006, erschien die Fortsetzung, "Election" stellt dabei den Prolog zu "Election 2" dar.  

"Election" ist alles andere als ein durchgestylter Gangsterfilm. Nach Helden oder spektakulären Actionsequenzen sucht man hier ebenso vergeblich wie nach Gentleman-Verbrechern. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung um die althergebrachten Traditionen der Triade Wo Shing. Um die Einheit der Triade zu gewährleisten, wird alle zwei Jahre ein neuer Anführer gewählt, durch den Rat der Ältesten, in dem jede Stimme gleich gewichtet ist. Der Sieger benötigt lediglich eine einfache Mehrheit und wird hinterher von allen einhellig akzeptiert. Big D jedoch, der bereits zwei Jahre zuvor bei der Wahl nicht zum Zuge kam, schert sich in keiner Weise um die althergebrachten Traditionen. Als er bemerkt, dass seine Chancen, gewählt zu werden, erneut nicht zum Besten stehen, entführt er einige der Ältesten, die er foltert und bedroht. Andere Mitglieder des Rates versucht er mit finanziellen Zuwendungen, also schlichtweg Bestechung, auf seine Seite zu ziehen. Dadurch entsteht auch unter den Ältesten eine intensive Diskussion über die Bedeutung althergebrachter Traditionen. Letztendlich überwiegen aber bei den Ältesten die Zweifel darüber, dass Big D im Sinne der Triade handeln würde und nicht nur seiner eigenen Machtgier folgt. Als der Sieg von Lok feststeht, weigert sich Big D jedoch, den Sieg anzuerkennen und versucht das traditionelle Herrschaftssymbol der Triade, das Drachenkopfzepter, an sich zu bringen. Ohne dieses Symbol kann der Anführer nicht bestätigt, bzw. vereidigt werden.  

Im weiteren Verlauf des Films dreht sich alles nur noch um die Jagd nach dem Zepter. Ständig werden neue Protagonisten in die Handlung eingeführt, über deren Hintergründe man beinahe nichts erfährt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass all diese Personen der Meinung sind, im Sinne der Triade zu handeln und teilweise sogar die gleichen Auftraggeber haben. So bekriegen sich Gleichgesinnte, aus Feinden werden Freunde und es ist schwierig als Zuschauer, den Überblick zu behalten. Die beiden Gegenpole Lok und Big D sitzen den Großteil des Films im Gefängnis, die Polizei erhofft sich durch diese Maßnahme ein Gleichgewicht bis zur Klärung der neuen Machtstrukturen. Beide schalten und walten jedoch problemlos aus dem Gefängnis heraus und auch Lok legt nach kürzester Zeit jede Zurückhaltung ab, um an sein Ziel zu kommen. Die Erzählweise des Films ist leider äußerst konfus geraten, obwohl die inhaltliche Aussage des Films wahrlich mehr als simpel ist. Auch in der Welt der Triaden zählen nicht länger althergebrachte Traditionen, sondern nur noch Geld und Macht, die durch Rücksichtslosigkeit und Intrigen verteidigt oder errungen werden. Die Vermittlung dieser Aussage gerät dann auch ähnlich oberflächlich wie die Darstellung der handelnden Akteure, über deren Privatleben oder Gefühle man nichts erfährt. Dadurch mangelt es dem Film auch an interessanten Charaktere und Identifikationsfiguren. Zwar ist die düstere Optik des Films durchaus als gefällig zu bezeichnen, so spektakulär und durchgestylt wie bei "Exiled" wirkt sie jedoch bei weitem nicht. Hauptmanko neben der relativ umständlich vorgetragenen, oberflächlichen Intention des Films ist vor allem die träge Erzählstruktur ohne echte Höhepunkte. Weiterhin liefert Tony Leung ("Infernal Affairs") in der Rolle des Big D eine stellenweise äußerst miese Vorstellung ab, so entsteht hier weniger der Eindruck eines Psychopathen, als vielmehr der eines verzogenen Kindes mit übersteigertem Geltungsbewusstsein.

Digitale Aufarbeitung:
Die Schärfe des Bildes ist gut, allerdings trübt der ab und an sehr steile Kontrast ein wenig den guten Eindruck. Vor allem in Szenen, in denen im Hintergrund Fenster zu sehen sind, durch die Licht einfällt, leiden unter starken Überstrahlungen der hellen Flächen. Davon abgesehen werden aber gute Bildwerte geliefert. Der deutsche Ton in DTS HD Master Audio 5.1 ist durchweg gut verständlich abgemischt, bietet in Sachen Effekte aber kaum Nennenswertes. Die zweite Tonspur ist nicht wie auf dem Cover angegeben in koreanisch enthalten, sondern in kantonesisch. Im Menü ist die Angabe korrekt.  

Die Extras der Blu-ray-Disc sind identisch mit denen der alten DVD-Veröffentlichung. Neben insgesamt 4 Trailern und Spots gibt es lediglich ein rund 7-minütiges Making Of. Hintergrundinformationen werden hierbei allerdings so gut wie nicht geliefert, vielmehr handelt es sich dabei um einen sehr werbeträchtigen Beitrag, bei dem der Regisseur und die beiden Hauptdarsteller ihre Eindrücke zum Film zum Besten geben. (MT)

Fazit:
"Election" erzählt eine relativ einfache Geschichte auf eine äußerst komplizierte und teilweise konfuse Art und Weise. Actioneinlagen müssen mit der Lupe gesucht werden und die Darstellung der Protagonisten kratzt bestenfalls nur an deren Oberfläche. Unter dem Strich bleibt ein Film mit schicker Optik, der jedoch Tiefgang und Spannung vermissen lässt, und somit mehr Schein als Sein darstellt.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
2,35:1
2,35:1
99:47 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Kantonesisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Deutscher Trailer
  • Originaltrailer  
  • 2 TV-Spots
Election - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Election
Hak seh wui

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein eher ungewöhnlicher Gangsterfilm, bei dem es an Tempo und interessanten Charakteren fehlt


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Hong Kong, 2005
Regie:
Johnnie To
Drehbuch:
Nai-Hoi Yau, Tin-Shing Yip
Darsteller:
Simon Yam, Tony Leung Ka Fai, Louis Koo, Nick Cheung, Ka Tung Lam, Siu-Fai Cheung

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
26.11.2009