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DVD-Besprechung - Die Erste Vorstellung
Story:
Die berühmte Theaterschauspielerin Myrtle Gordon (Gena Rowlands) muss miterleben, wie vor ihren Augen eine ihrer jungen Verehrerinnen von einem Auto überfahren wird. Sie gerät in eine Krise und beginnt die Kontrolle über sich selbst zu verlieren. Weil ihr das Stück der Drehbuchautorin Sarah Goode (Joan Blondell) zu grausam erscheint und sie Probleme mit ihrem eigenen, fortgeschrittenen Alter hat, beginnt sie sogar das Stück eigenhändig zu verändern. Schließlich erscheint ihr auch noch der Geist der Toten und die Auseinandersetzungen mit Regisseur Manny Victor (Ben Gazzara) häufen sich. Kurz vor der Premiere des Stücks zeichnet sich immer stärker ein bevorstehendes Debakel ab.
Meinung zum Film:
John Cassavetes ("Eine Frau unter Einfluss") ging für "Die erste Vorstellung" ein großes persönliches Risiko ein und verschuldete sich, um diesen Film finanzieren zu können. "Die erste Vorstellung" wurde in den USA zu einem riesigen Flop und lief bei seiner Premiere lediglich ein paar Tage in Los Angeles, bevor er gänzlich von der Bildfläche verschwand. Lediglich auf Festivals und bei Sondervorstellungen in Europa lief der Film erfolgreich. Erst 1991 erfolgte der offizielle amerikanische Kinostart des Films, in Deutschland sogar erst im Jahre 2003. "Die erste Vorstellung" wurde 1978 bei den Berliner Filmfestspielen für einen Goldenen Bären nominiert und Gena Rowlands erhielt den Silbernen Bären als beste Darstellerin. Im gleichen Jahr wurden Gena Rowlands als beste Hauptdarstellerin, und Joan Blondell als beste Nebendarstellerin, für einen Golden Globe nominiert.
Myrtle Gordon ist eine große Schauspielerin, eine Diva, deren Lebensmittelpunkt stets die Theaterbühne darstellte. Sie war nie verheiratet und hat auch keine Kinder. Mit fortschreitendem Alter nimmt jedoch auch ihre Einsamkeit immer stärker zu. Sie ist sich der Anerkennung ihres Publikums und ihrer Arbeitskollegen nicht mehr sicher. Als vor ihren Augen, die lebensfrohe, junge Nancy Stein (Laura Johnson) von einem Auto überrollt wird, sieht sie deren Tod als Sinnbild ihrer eigenen, verlorenen Jugend. In ihrem aktuellen Stück, "Die zweite Frau" spielt sie ausgerechnet eine Frau, die nach und nach an ihrem eigenen Alter zerbricht. Für Myrtle überlagern sich zunehmend Realität und Darstellung, bzw. Fiktion, zumal die männliche Hauptrolle des Ehemanns auch noch ihr ehemaliger Geliebter Maurice Aarons (John Cassavetes) spielt. Myrtle revoltiert gegen das Drehbuch, genauso wie sie auch nicht bereit ist, ihren eigenen Alterungsprozess zu akzeptieren. Sie will die Rolle "alterslos" spielen, das Stück seiner Grausamkeit entheben, und sich aus dem Korsett des Alterns befreien, in das sie von der Drehbuchautorin Sarah Goode aus Frustration über ihr eigenes Schicksal gesteckt wurde. Sie beginnt das Stück in ihrem eigenen Sinne zu verändern und versucht sogar das Publikum direkt mit einzubeziehen. Diese "Revolte" führt zu Auseinandersetzungen mit dem Produzenten, der Drehbuchautorin und dem Regisseur.
Richtig prekär gestaltet sich die Angelegenheit jedoch erst, als Myrtle immer stärker den Kontakt zur Realität verliert. Die tote Nancy erscheint ihr als Geist und führt mit ihr Gespräche. Myrtle verfällt immer stärker dem Alkohol und die Erscheinungen von Nancy werden immer realer und intensiver für sie. Nancy ist "die erste Frau", von der sich Myrtle lösen muss, um "die zweite Frau" verkörpern zu können. Der Regisseur versucht in der Zwischenzeit alles, um seinen Star bei Laune zu halten. Der Druck auf seine Person erhöht sich aber stetig, da die Premiere immer näher rückt, während Myrtle seelisch immer instabiler wird und es für eine Umbesetzung der weiblichen Hauptrolle zu spät ist. Mit Myrtle steht oder fällt das Stück. Der Ausgang der Premiere erscheint dabei völlig offen. Myrtle ist mittlerweile vollkommen unberechenbar und ist vernünftigen, rationalen Argumenten nicht mehr zugänglich.
Digitale Aufarbeitung:
Der Film wurde aufwendig remastered und das sieht man dem Bild, das für seinen fast 30 Jahre hervorragend ist, auch an. Die Schärfe ist gut und die Farben sind sehr kräftig, lediglich ein minimales Bildrauschen ist erkennbar. Die deutsche Tonspur zeichnet sich durch eine gute Verständlichkeit aus, die englische Tonspur hat ihr jedoch einige Umgebungsgeräusche voraus, die bei der deutschen Tonspur unter den Tisch gefallen sind. Es gibt optionale deutsche Untertitel.
Auf der DVD selbst befinden sich keine Extras, als Beilage gibt es jedoch ein 16-seitiges Booklet von Sascha Westphal unter dem Titel "Am Ende eines einsamen Weges - Die letzten Vorstellungen des John Cassavetes". Das Booklet ist äußerst informativ und sehr interessant geschrieben. Es erläutert u.a. die Bedeutung und Position des Films für das Gesamtwerk von John Cassavetes und zieht Parallelen, bzw. Anknüpfungspunkte, zu seinen anderen Filmen.
Fazit:
John Cassavetes verknüpft in "Die erste Vorstellung" auf gelungene Weise Bühne und Realität. Die Eigenwelt des Theaterstücks wird dabei ebenso durchbrochen, wie die Distanz zum Publikum aufgehoben wird. "Die zweite Frau" wird zum Auslöser eines Selbstfindungsprozesses für Myrtle Gordon, die sich der Einsamkeit und ihren Ängsten vor dem Alter stellen, und sie kreativ überwinden muss, indem sie sich selbst auf der Bühne neu definiert. Hervorragende Darsteller und eine sehr intensive Inszenierung machen "Die erste Vorstellung" zu einem der besten Filme von John Cassavetes.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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138:09 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- 16-seitiges Booklet von Sascha Westphal
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Die Erste Vorstellung
Opening Night
Das Theater als Schnittmenge von Fiktion und Realität
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1977 Regie: John Cassavetes Drehbuch: John Cassavetes Darsteller: Gena Rowlands, John Cassavetes, Ben Gazzara, Joan Blondell, Paul Stewart, Laura Johnson
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 13.04.2007
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