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DVD-Besprechung - Tschernobyl

Story:
Es geschah 1986. Etwas, was Experten mit einer sehr niedrigen Wahrscheinlichkeit eingestuft hatten, sollte am 26. April 1986 nicht nur ein Kraftwerk zerstören, sondern auch das Leben von Hunderten, wenn nicht Tausenden kosten und eine ganze Welt erschüttern: Der Super-GAU eines Atomkraftwerks. In der Ukraine in einem bis dahin für die Welt unbekannten Ort namens Tschernobyl explodierte der Block 4 des dortigen Kernkraftwerks und setzte einen gewaltigen radioaktiven Fall Out über halb Europa ab.

Meinung zum Film:
Der Super-GAU von Tschernobyl war nicht wirklich das Schlimmste, was in Sachen Radioaktivität auf der Welt vorgekommen ist, da stach die Havarie von Majak noch deutlich hervor und auch der erste Test einer H-Bombe über dem Bikini-Atoll mit dem Codenamen "Castle Bravo" dürfte auf einem ähnlichen Niveau gehandelt werden. Aber Tschernobyl (heute Tschornobyl) ist besonders im Gedächtnis der Menschen verankert, da dies der erste Unfall in der ehemaligen Sowjetunion war, der nicht durch Geheimhaltung verdeckt werden konnte und der heute zu den best-dokumentiertesten Nuklearunfällen schlechthin gehört. Zudem wurde durch diesen Unfall die Diskussion über Sinn und Unsinn der friedlichen Nutzung von Atomkraft erst richtig angestoßen und war auch Auslöser von scharfen Protesten von Umweltschützern gegen Transporte von Atommüll. Er sollte letztendlich auch der Auslöser für den angekündigten Atomausstieg Deutschlands sein, auch wenn dieser inzwischen wieder aufgeweicht wird und letzteres gilt nicht nur für Deutschland

Tschernobyl hatte über rund 20 Jahre hinweg einen Erfolg mit sich gebracht, der zwar teuer erkauft wurde, aber dessen Preis inzwischen wieder in Vergessenheit zu versinken droht: Atomare Abrüstung. Die Menschen haben gesehen und erkannt, was selbst die friedliche Nutzung der Atomenergie auslösen konnte. Was wäre nun gewesen, wenn die beiden damaligen Weltmächte ihr atomares Potenzial im Krieg eingesetzt hätten? Die Welt wäre mit Sicherheit unbewohnbar geworden. Und doch - so scheint es inzwischen - kümmert das kaum noch jemanden. Iran und Nordkorea wollen aufrüsten, der Einsatz von "schmutzigen Bomben" im Terrorkrieg ist im Gespräch - Bomben, die "nur" radioaktives Material freisetzen, aber keinen Atompilz verursachen. Manchmal scheint es, als hätte es die vergangenen 21 Jahre nicht gegeben, als wäre Tschernobyl schon wieder in Vergessenheit geraten. Und doch leiden heute noch tausende Menschen unter der Verstrahlung in Weißrussland und gewaltige Flächen werden auf Dauer unbewohnbar bleiben. Die Folgen der Katastrophe werden noch auf 100.000 Jahre hinweg zu spüren sein, erst dann wird die Radioaktivität rund um den Reaktor auf ein normales Niveau abgesunken sein. Ein unvorstellbarer Zeitraum für einen Menschen.

Die vorliegende Dokumentation behandelt das Thema Tschernobyl sehr umfassend. Natürlich ist der Großteil des Films auf die Dokumentation der eigentlichen Katastrophe und deren unmittelbaren Folgen ausgerichtet. Minutiös wird die Arbeit der so genannten Liquidatoren aufgezeichnet, zum Teil noch nie gesendetes Filmmaterial ist zu sehen. Das Opfer, das viele Menschen gebracht haben, um eine noch größere Explosion zu vermeiden, die ganz Europa unbewohnbar gemacht hätte, wird ebenso gezeigt, wie das Opfer, das die evakuierten Menschen gebracht haben. Darüber hinaus wird aber auch ein tiefer Einblick in die Verhüllungsversuche gewährt, die unternommen wurden, obwohl die Katastrophe ein großes öffentliches Interesse hervor rief. Selbst in Frankreich wollte man der Bevölkerung weismachen, dass eine Gefahr nicht bestünde, was aufzeigt, dass Propaganda und Desinformation nicht nur in der Sowjetunion herrschten. Die Dokumentation bringt viele unbekannte Details zu Tage, die so auch im Internet nicht ganz einfach zu finden sind. Vielleicht sollte man diese Dokumentation einmal den Mullahs im Iran und dem Herrscher in Nordkorea zeigen und vielleicht würde man damit mehr erreichen als mit aller Diplomatie.

Digitale Aufarbeitung:
Das Archivmaterial ist natürlich von sehr schlechter Qualität, zum Teil auch deswegen, weil es radioaktiv verstrahlt ist. Deswegen ist es sehr schwierig zu einem Gesamturteil über das Bild zu kommen. Die neuen Sequenzen jedenfalls sehen sehr gut aus und entsprechend darf die Gesamtqualität als gut eingestuft werden. Der Ton liegt nur in Dolby Digital 2.0 vor, was aber bei einer Dokumentation in Ordnung ist.

Auf Special Features muss man bei dieser Dokumentation komplett verzichten. Alleine das Booklet ist erwähnenswert. Es sammelt noch einmal zahlreiche Informationen. Allerdings wäre hier eine Endredaktion nicht schlecht gewesen, denn ein Absatz wird fast haargenau zweimal abgedruckt.

Fazit:
"Tschernobyl!" ist eine Dokumentation, die man sich kaufen muss. Diese Katastrophe sollte im kollektiven Gedächtnis gehalten werden. Das Material wurde gut und umfassend dargestellt und zeigt eine differenzierte und kritische Berichterstattung über den Vorfall.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
92:58 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • -
Tschernobyl - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Tschernobyl!
Tschernobyl!

Bild unseres Mitarbeiters Bernd Glasstetter
Der Super-GAU schlechthin


Autor der Besprechung:
Bernd Glasstetter

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2006
Regie:
-
Drehbuch:
-
Darsteller:
-

Label Deutschland :
Discovery Channel
Verkaufsstart Deutschland :
23.03.2007