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DVD-Besprechung - Mino - Il piccolo alpino

Story:
Mino (Guido Cella) wächst in einem behüteten Elternhaus in Mailand auf. Sein Vater ist Professor und sein Onkel ein hoher Beamter in Österreich. Wohlstand und viel Liebe sind seine Welt. Doch das wird jäh auseinander gerissen, als seine Eltern augenscheinlich bei einer Lawine umkommen und Mino nur gerade eben gerettet werden kann. All dies geschieht ausgerechnet zu Beginn des ersten Weltkriegs und Mino findet sich zwischen den Fronten Österreichs und Italiens wieder. Der 14-jährige muss schnell erwachsen werden, um in diesem Krieg zu überstehen. Aber auch die Hoffnung, seine Eltern noch wieder zu sehen ist noch nicht ganz erloschen…

Meinung zum Film:
Das ZDF hatte besonders in den achtziger Jahren eine Tradition an Weihnachtsserien aufkommen lassen, die zumeist ein Publikum zwischen überspitzt ausgedrückt 8 und 80 erreichen sollten. Sowohl Kinder, als auch ältere Menschen sollten angesprochen werden. Das war ein Spagat, der nicht immer gelingen sollte, der aber auch einige Kleinode hervor brachte. „Mino – Ein Junge zwischen den Fronten“ ist eine dieser Miniserien, die für Furore sorgte und auch die Jugend ansprach. Das liegt an mehreren Dingen. Mit Sicherheit ist für die gute Ansprache bei der Jugend der Darsteller des Mino, Guido Cella, verantwortlich, der in dieser Miniserie seine einzige Rolle überhaupt spielte. Noch heute findet man in Internetforen Kommentare von heute erwachsenen Frauen, die sich Hals über Kopf in den damals 14-jährigen verliebt hatten und mehr als glücklich sind, dass diese Miniserie nun wieder angesehen werden kann. Aber auch Jungen konnten sich prima mit ihm identifizieren, denn wer würde nicht gerne heroische Abenteuer erleben?

Es kommt der Miniserie mit Sicherheit zu Gute, dass man sich auf einen kleinen Teilbereich des ersten Weltkrieges beschränkt hat. Natürlich werden auch größere Zusammenhänge leicht angeschnitten, aber im Grunde wird nur der Konflikt zwischen Österreich und Italien gezeigt. Und hier wird eine hervorragende Arbeit vollbracht. Die Drehbuchautoren zeigen die offen liegenden Konflikte zwischen Italienern und Österreichern auf, insbesondere in den Provinzen, die von Österreich gehalten werden, aber eigentlich italienisch sind. Noch heute sind solche Konflikte in Südtirol zu sehen, das im ersten Weltkrieg von Österreich getrennt wurde, aber wo immer noch bei zwei Dritteln der Bevölkerung Deutsch gesprochen wird. Neben dem Krieg ist es den Machern aber auch sehr gut gelungen die menschliche Seite zu zeigen. Sowohl bei den Soldaten, die immer wieder in Agonie verfallen, von Seiten der Bevölkerung und von Seiten der Familie Minos. Vielleicht haben sich die Macher sogar an der amerikanischen Miniserie „Fackeln im Sturm“ aus dem Jahr 1985 orientiert, denn es gibt hier einige Parallelen im Storyaufbau. Wenn sie es getan haben, haben sie es geschafft, die richtige Mischung aus Drama, Kriegsfilm und Familiengeschichte zu finden und zu transportieren.

Ein wirklich großes Problem hat diese Miniserie freilich. Natürlich wurden die Szenen alle im selben Jahr gefilmt und decken dennoch vier volle Jahre Geschichte – und auch Weltgeschichte – ab. Nun wurde Guido Cella natürlich nicht älter und musste dennoch 4 Jahre Entwicklung seiner Figur mitmachen. Rein schauspielerisch gesehen gelingt ihm das, aber das Aussehen hinkt recht stark hinterher. Sicher wäre es nicht schlecht gewesen, wenn man vom Drehbuch her einen Schnitt an-, und einen zweiten Darsteller eingesetzt hätte, um auch dessen Altersentwicklung deutlicher herauszuarbeiten. Zwischen 14 Jahren und 18 Jahren ist die körperliche Entwicklung einfach zu groß, um sie von nur einem Darsteller zeigen lassen zu können. Ansonsten jedoch zeigen sich keine weiteren groben Fehler oder Probleme. Die Ausstattung ist beeindruckend für einen Fernsehfilm. Uniformen, Kleidung, Autos und Requisiten sind hervorragend versammelt worden.

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD-Aufarbeitung des Bildes ist deutlich misslungen. Hier ist kein Anzeichen einer Restaurierung zu sehen. Sicher ist das Material inzwischen 23 Jahre alt, aber das rechtfertigt nicht, dass deutliche Flecken mitten im Bild zu sehen sind und dass das gesamte Bild sehr grobkörnig ist. Hinzu kommt noch, dass augenscheinlich eine zu hohe Kompression des Bildes stattgefunden hat, denn es sind Artefakte auf einfarbigen Flächen zu sehen. Die Farben fallen insgesamt zu blass aus, der Kontrast ist schlecht gewählt. Tontechnisch wird ausschließlich eine deutsche Tonspur in Dolby Digital 1.0 präsentiert. Das ist für eine Fernsehproduktion aber in Ordnung. Es stellt sich nur die Frage, warum man nicht auch eine italienische Originalspur mit auf die Scheibe gelegt hat. Diese wäre sicher auch interessant gewesen.

Als Special Features liegen ein Trailer, ein ausführlicher Episodenführer, sowie Biografien von Mario Adorf, Pierre Cosso und eine Filmografie von Gianfranco Albano bei. Warum Cosso dafür ausgewählt wurde, ist eine gute Frage, denn er hat nur eine kleine und recht kurze Rolle. Er ist allerdings neben Adorf einer der bekannteren Schauspieler in der Serie.

Fazit:
„Mino“ sollte man in jedem Fall einmal gesehen haben. Sie ist eine der wenigen ZDF-Weihnachtsserien, die wirklich gut und mitreißend waren. Schade nur, dass die DVD-Aufarbeitung deutlich hinter der Qualität des Films selbst hinterher hinkt.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
6 Folgen à ca. 50 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Episodenführer
  • Biografie Mario Adorf
  • Biografie Pierre Cosso
  • Filmografie Gianfranco Albano  
Mino - Il piccolo alpino - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Mino - Ein Junge zwischen den Fronten
Mino – Il piccoli alpino

Bild unseres Mitarbeiters Bernd Glasstetter
Auch Jungen können zu Soldaten werden


Autor der Besprechung:
Bernd Glasstetter

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, Italien, 1986
Regie:
Gianfranco Albano
Drehbuch:
Pietro Schivazappa, Sandro Petraglia, Stefano Rulli
Darsteller:
Barbara May, Guido Cella, Luigi Mezzanotte, Mario Adorf, Michael Heltau, Peter Boom, Pierre Cosso, Ray Lovelock, Simona Cavallari, Vittorio Amandola

Label Deutschland :
Kinowelt Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
23.03.2007