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DVD-Besprechung - Olga
Story:
Olga Benário (Camila Morgado) ist, ganz anders als andere Frauen in den
dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts, an Politik interessiert und
der Kommunismus zieht sie an. Sie liefert sich Straßenschlachten mit
Nazis und wird schließlich von der kommunistischen Partei aufgenommen.
Einer ihrer ersten Aufträge führt sie nach Brasilien. Sie und Luis
Carlos Prestes (Caco Ciocler) werden als Ehepaar in das unter der
Diktatur Getúlio Vargas (Osmar Prado) stehende Land eingeschleust. Doch
dann verlieben sich die Beiden ineinander.
Meinung zum Film:
Die besten Geschichten erzählt das Leben, das ist eine Maxime, die
meistens für Verfilmungen steht, die in der Realität fußen, oder die
eine reale Geschichte erzählen. Und was könnte dramatischer sein, als
eine Liebesgeschichte, die kein gutes Ende zu nehmen droht? Olga
Benário ist eine historisch belegte Frau, auch wenn sie vielleicht in
Vergessenheit geraten wäre, wenn da nicht die Liaison mit Prestes
gewesen wäre. Denn als Kommunistin und Jüdin hatte sie in
Nazi-Deutschland eine sehr geringe Lebenserwartung, was sich zum
Schluss als richtig erweisen sollte, als sie nach Deutschland
deportiert und schließlich vergast wurde. Nun war Prestes einer DER
Helden in Brasilien, die es gewagt hatten, gegen Diktator Vargas
vorzugehen. Prestes hatte bereits 1922 eine Rebellion gegen die
Oligarchen des Landes angeführt, die zwar fehlschlug, aber ihm den
Titel „Ritter der Hoffnung einbrachte. Und so blieb auch Olgas
Geschichte nicht verborgen, zumal sie auch noch zusammen mit Prestes
eine Tochter hatte.
Der Film „Olga“ hat natürlich, wie jeder Film über eine Person
der Zeitgeschichte, damit zu kämpfen, worauf man sich am Besten
konzentrieren sollte. Man kann in knapp eineinhalb Stunden nicht die
komplette Lebensgeschichte einer Person erzählen, muss zwangsläufig
abstrahieren und kürzen. Hinzu kommt noch, dass nicht die komplette
Geschichte von Olga Benário bekannt ist, das manches nur auf
Hören-Sagen beruht. Insgesamt ist dies also keine leichte Aufgabe
gewesen und man hat sich in diesem Film dafür entschieden, die Jugend
von Olga und ihren Aufenthalt in Moskau, wo sie Prestes kennen lernte,
stark gekürzt darzustellen. Die eigentliche Geschichte beginnt mit der
Überfahrt nach Brasilien. Das ist durchaus als Nachteil anzusehen, da
die eigentliche Motivation Olgas, die sie dazu verleitet, überhaupt
nach Moskau zu gehen, an der versuchten Revolution teilzunehmen und sie
zur bekennenden Kommunistin macht, nur schwach angerissen wird. Dadurch
fehlt aber ein wichtiger Teil bei der Charakterisierung Olgas und dem
Zuschauer wird nicht genau klar, warum aus einem gutbürgerlichen
Mädchen eine überzeugte Kommunistin geworden ist. Allerdings ist es so,
dass der Film in Deutschland nur in einer gestrafften Version
erschienen ist und eine endgültige Beurteilung, ob er auch in der
ursprünglichen Langfassung zu sehr auf der Liebesgeschichte zwischen
Prestes und Benário basiert, dadurch nicht möglich ist.
Man hat sich allerdings sichtlich bemüht, die damalige Zeit
akkurat auferstehen zu lassen. Die Ausstattung ist stimmig, es gibt
einige sehr gut inszenierte Massenszenen und auch die Aufmachung der
Charaktere ist sehr gut herausgearbeitet worden. Filmisch gesehen ist
Olga nicht gerade ein Meisterwerk und der Film basiert vor allem auf
sehr ruhigen Kamerabewegungen und einer insgesamt zurückhaltenden
Inszenierung. Den Darstellern wird viel Raum zugestanden, die Gefühle
ihrer Charaktere zu entwickeln. Besonders Camila Morgado („Um só
Coracao“) dominiert in dieser Hinsicht die Leinwand und beweist
mehrfach Mut zur Hässlichkeit, besonders bei den Szenen im KZ, in denen
sie sich die Haare hat abscheren lassen. Regisseur Jayme Monjardim
(„América“), der bis dahin nur fürs Fernsehen tätig war, zeigt sie
immer wieder in Großaufnahmen und besonders hier sticht die
hervorragende Darstellung der bis dahin noch recht unbekannten
Darstellerin heraus. Monjardim hat außerdem eine hervorragende
Castingarbeit geleistet. Nicht nur, dass er sehr gute Schauspieler
angeworben hat, er hat sie auch noch vom Aussehen her sehr gut
zugeordnet.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild wirkt nicht gerade lebendig, die Farben sind sehr gedeckt.
Aber das ist von den Filmemachern so gewollt und somit ist das Bild
originalgetreu übertragen worden. Der Ton ist in Ordnung und liegt
sowohl in Dolby Digital 5.1, als auch auf dts (nur in Deutsch) vor. Der
Surround-Sound stellt sich aber nur in den Massenszenen als Vorteil
heraus, bei den ruhigeren Charakterszenen gibt es naturgemäß kaum
Effekte zu bewundern.
Bei den Special Features gibt es ein ca. 25-minütiges Making
Of zu sehen. Hier muss man wirklich gut zuschauen, denn natürlich wird
hier in Portugiesisch gesprochen und die Untertitel sind ein Muss. Der
Inhalt könnte interessanter sein und beschränkt sich größtenteils auf
Selbstbeweihräucherung. Nur bei den Infos zur Ausstattung und zu den
Drehorten ist das Making Of halbwegs interessant. Daneben gibt es noch
Darstellerinfos zu Camila Morgado, Caco Ciocler und Fernanda
Montenegro.
Fazit:
„Olga“ ist ein guter Film über eine Person der Zeitgeschichte.
Allerdings wird zu viel Wert auf die Liebesgeschichte gelegt und die
Entwicklung der Charaktere etwas vernachlässigt. Trotzdem sollte man
diesen Film gesehen haben.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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94:55 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch DTS 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
Portugiesisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch für Hörgeschädigte |
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Bonusmaterial:
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- Making Of
- Darstellerinfos zu Camila Morgado, Caco Ciocler und Fernanda Montenegro
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Olga
Olga
Eine wehrhafte Frau
Autor der Besprechung:
Bernd Glasstetter
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Brasilien, 2004 Regie: Jayme Monjardim Drehbuch: Rita Buzzar Darsteller: Caco Ciocler, Camila Morgado, Edgar Amorim, Fernanda Montenegro, Osmar Prado
Label :
Constantin Film
Verkaufsstart : 08.02.2007
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