Splashpages  Home Movies  Rezensionen  Rezension  Das Fest - Premium Edition
Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

In der Datenbank befinden sich derzeit 3.899 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

DVD-Besprechung - Das Fest - Premium Edition

Story:
Der Hotelier Helge Klingenfeldt-Hansen (Henning Moritzen) begeht seinen 60. Geburtstag mit einem großen Fest auf dem familieneigenen Gut. Er lädt dazu Familienangehörige, Freunde und Verwandte ein. Die Stimmung ist jedoch nicht ungetrübt, denn unter der Oberfläche der Familienidylle brodelt es. Die Tochter des Hauses, Linda, hat vor nicht allzu langer Zeit an eben diesem Ort Selbstmord begangen und der älteste Sohn Christian (Ulrich Thomsen) trägt ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit mit sich herum. Das Fest wird die nach außen hin aufrecht erhaltene, heile Welt der Klingenfeldt-Hansens nachhaltig erschüttern.

Meinung zum Film:
"Das Fest" erhielt 1998 den Spezialpreis der Jury von Cannes und basiert auf der sogenannten Dogma-95-Philosophie. Diese beinhaltet beispielsweise den Verzicht auf Requisiten und Kulissen, Filter und Kunstlicht, sowie die ausschließliche Nutzung von Handkameras. Diese selbst auferlegten Beschränkungen fördern die Konzentration auf die wesentlichen Elemente des Filmemachens. Jede Szene stellt eine neue Herausforderung dar und die Kreativität des Regisseurs äußert sich in seiner Fähigkeit zur Improvisation. Neben dem dadurch fast zwangsläufig entstehenden, teilweise extrem körnigen Bild, das dem Verzicht auf Filter und Kunstlicht geschuldet ist, fällt bei "Das Fest" sofort die typische, unruhige Handkameraführung auf. Dadurch fühlt man sich teilweise in ein Heimvideo versetzt. Ziel dieser Maßnahmen ist es, den Zuschauer ganz nah am Geschehen zu platzieren, beinahe als wäre er selbst anwesend.

Das zentrale Element des Films ist der Kontrast zwischen fröhlicher Festtagsgesellschaft einerseits und den Vorwürfen des Kindesmissbrauchs andererseits. Zwischen der nach außen hin repräsentierten Fassade einer Vorzeigefamilie des gehobenen Bürgertums und der düsteren Realität besteht eine tiefe Kluft. Der Leitfaden der gesamten Geschichte sind drei Tischreden von Christian, deren Intensität sich langsam von Andeutungen bis hin zu einer Mordanklage steigert. Christian wird zwar zwischenzeitlich "mundtot" gemacht, ist in seiner Entschlossenheit, alles ans Licht zu zerren, aber nie auf Dauer zu stoppen. Leider schweift der Film häufiger ab. Es fehlt die Konzentration auf den Kern, das Wesentliche. Somit beschäftigt man sich häufiger mit Nebencharakteren, deren Spielzeit im Vergleich zu ihrer Bedeutung für die gesamte Geschichte zu hoch erscheint. "Das Fest" möchte dem Betrachter nämlich keine Figuren liefern, mit denen er sich identifizieren kann, oder die Hintergründe der Tat aufklären und die Ursachen aufdecken. Ziel des Films ist es, das Bild der heilen Familie komplett zu zerstören und die Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit der (Fest-)Gesellschaft darzustellen. Die scheinbare Gleichgültigkeit der Gäste gegenüber den ungeheuerlichen Vorwürfen ist der blanke Hohn, die reinste Provokation. Sie sind lediglich für kurze Zeit unangenehm berührt, nur um wenig später, die kleinste Ablenkung dankbar akzeptierend, unverdrossen weiterzuscherzen und zu schlemmen. Der Film jedoch macht es dem Zuschauer gar nicht unbedingt einfach, sich provozieren zu lassen, was eine Schwäche des Films darstellt. Die finsteren Geschehnisse aus der Vergangenheit hat der Betrachter eben nicht hautnah miterlebt, Rückblenden aus dieser Zeit, zur Illustration oder Intensivierung, gibt es ebenfalls nicht. Erschwerend tritt hinzu, dass zwischen den Geschwistern keinerlei Kommunikation über dieses Tabuthema stattfindet. Der Vater stellt Christian gegenüber der Festgesellschaft als Sonderling mit reger Phantasie dar, seine Mutter hingegen geht noch weiter, bezeichnet ihn mehr oder minder als Spinner und fordert eine öffentliche Entschuldigung von ihm. Christian wirkt dabei die ganze Zeit nachdenklich und hochkonzentriert. Er will seinen Plan in drei Akten auf jeden Fall verwirklichen. Schauspielerisch stellen Ulrich Thomsen ("Flickering Lights") und Henning Moritzen ("Deep Water") die absoluten Glanzlichter eines Films dar, der aber auch in den Nebenrollen hervorragend besetzt ist.

Leider steht am Ende des Films eben keine große Auflösung. Die Darstellung hat hier Priorität vor Erklärungsansätzen oder Ursachenforschung. Der Film verharrt somit an der Oberfläche und zerkratzt sie völlig, tiefer geht er dabei jedoch nicht. Die gesamte Gesellschaft wirkt sehr anonym, treten dann einzelne Personen hervor, so werden sie grundsätzlich negativ dargestellt. Hier geraten dann Hass, Gewalt und seelische Grausamkeiten in den Blickpunkt. Über Christian hingegen ist wenig bekannt, seine Anklagen verfolgt man zunächst mit einer gewissen Distanz, da deren Stichhaltigkeit zunächst nicht einschätzbar ist. Am Ende gibt es dann auch keinerlei Erklärungs- oder Rechtfertigungsversuche der Beteiligten (Vater/Geschwister), alles geht weiter seinen Gang. Das Fest war eine Farce, die Idylle ist zerstört, und der Zuschauer wird mit seinem flauen Gefühl alleingelassen. So nah das Geschehen auch erscheinen mag, so groß ist doch die Distanz zu den Charakteren, deren Beweggründe und Motive im Dunkeln verbleiben. Letztendlich ist der Betrachter doch nicht mehr als ein stummer Teilnehmer des Festes, peinlich berührt, aber ohne tiefere Einblicke gewonnen zu haben.

Digitale Aufarbeitung:
Die Qualität des Bildes ist aufgrund der Dogma-Philosophie teilweise einer DVD unwürdig, da dies jedoch gewollt ist, kann man Kinowelt hier keinen Vorwurf machen und es macht wenig Sinn, sich in technischen Details zu ergehen. Der Ton hingegen bietet keinerlei Anlass zur Klage.

Der Film ist schon länger von Arthaus/Kinowelt auf DVD erhältlich, erscheint nun aber in der deutlich aufgewerteten "Premium Edition". Beinhaltete die ursprüngliche DVD außer dem Film lediglich ein Interview mit Regisseur Thomas Vinterberg und das Dogma-95-Dokument in Textform, so kommt die "Premium Edition" nun sogar mit einer zusätzlichen Bonus-DVD daher. Beide DVDs sind randvoll mit Extras, so finden sich neben rund 45 Minuten Deleted Scenes, ein Making Of, ein Audiokommentar des Regisseurs, sowie zahlreiche Features über Dogma und "Das Fest" selbst. Insgesamt umfasst die Laufzeit der Extras über vier Stunden. Weiterhin ist es nun auch, anders als bei der alten Auflage, möglich, den Film auf dänisch ohne deutsche Zwangsuntertitel zu betrachten. Die Extras sind alle in englischer oder dänischer Sprache mit zuschaltbaren deutschen Untertiteln. Insgesamt ist die Ausstattung sehr reichhaltig und vollkommen zufriedenstellend!

Fazit:
"Das Fest" ist wahrlich keine einfache Kost. Der Mainstreamfreund wird bereits von der Dogma-95-Philosophie abgeschreckt, der anspruchsvollere Zuschauer hingegen weint dem verschenkten Potential einer tiefgründigeren Darstellung hinterher. Der Film will vor allem provozieren und das gelingt ihm auch bis zu einem gewissen Punkt, die zwischenmenschliche, psychologische Ebene kommt dabei aber leider zu kurz.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
100:48 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Dänisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar von Thomas Vinterberg
  • "Rukov - Ein Porträt des dänischen Erfolgsautors"
  • "Betrachtungen zur Marke Dogma und ihrem Erfolg"
  • "Der Kamerastil von Anthony Mantle"
  • "Dogma in Cannes und auf der Berlinale"
  • Making-Of
  • "Das Fest - Ein Rückblick"
  • "Der wahre Hintergrund des Films"
  • Deleted Scenes
  • Trailer
Das Fest - Premium Edition - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Das Fest
Festen

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Der schöne Schein, der trügt


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Dänemark, 1998
Regie:
Thomas Vinterberg
Drehbuch:
Thomas Vinterberg, Mogens Rukov
Darsteller:
Ulrich Thomsen, Henning Moritzen, Thomas Bo Larsen, Paprika Steen, Helle Dolleris, Birthe Neumann

Label Deutschland :
Arthaus
Verkaufsstart Deutschland :
07.07.2006