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DVD-Besprechung - Firecracker
Story:
Der junge Jimmy (Jak Kendall) lebt zusammen mit seiner Familie in dem kleinen Städtchen Wamago in Kansas. Jimmy würde gerne Musiker werden. Er wird jedoch, genau wie seine Mutter, von seinem großen Bruder David (Mike Patton) nur als Weichei gehänselt und gequält. Eines Tages kommt der Jahrmarkt in die Stadt und Jimmy lernt die Sängerin Sandra (Karen Black) kennen. Er hofft bei ihrer Nummer als Musiker einsteigen und dadurch von Zuhause ausreißen zu können. Sandra, die ehemalige Freundin von David, wird jedoch selber von dem brutalen Frank (Mike Patton) gequält und misshandelt. Als David wieder mit ihr anbandeln will, ist er plötzlich spurlos verschwunden.
Meinung zum Film:
"Firecracker" gewann beim New York VisionFest 2005 den Spezialpreis der Jury, sowie die Auszeichnung für den besten Film, die beste Kameraführung und die beste Hauptdarstellerin. Beim Fantasporto 2005, einem portugiesischen Festival des fantastischen Films, wurde "Firecracker" als bester Film nominiert und gewann den Preis für die beste weibliche Hauptrolle. Und auch beim Raindance Film Festival in London 2004 wurde "Firecracker" mit dem Jurypreis für den besten Film ausgezeichnet. Der Film interpretiert sehr frei einen authentischen Kriminalfall.
"Firecracker" überzeugt zu Beginn durch seine interessante Optik. Während das Städtchen, in dem Jimmy und seine Familie leben, komplett in Schwarz-Weiß dargestellt wird, wird der Jahrmarkt mit all seinen Attraktionen komplett in den grellsten Farben gezeichnet. Der Anfang besticht mit einer faszinierenden Kamerafahrt durch die Kleinstadt. Inhaltlich möchte der junge Jimmy seinem tristen Alltag entfliehen und der Jahrmarkt ist für ihn die Verkörperung seiner Träume, von einem anderen, aufregenderen und besseren Leben. Seine Mutter wandelt, aufgrund der Misshandlungen durch seinen Bruder David, am Rande des Wahnsinns und flüchtet sich in eine übersteigerte Religiosität. Sie ist nicht in der Lage Jimmy vor den Übergriffen seines Bruders zu schützen. Sein Vater hingegen ist völlig apathisch, mit ihm ist nicht mehr zu reden. Der Jahrmarkt ist jedoch, entgegen der Vorstellungen von Jimmy, alles andere als ein phantastischer Ort. Die Sängerin Sandra lebt dort zusammen mit einigen "Freaks", z.B. einer strippenden Zwergin und einem blauhäutigen Mann, unter strenger Aufsicht von Frank (Mike Patton). Für Frank sind all diese Gestalten keine Menschen, sondern Monster, die er misshandelt und mit denen er möglichst viel Geld verdienen will. Auch wenn der Jahrmarkt durch seine farblich außergewöhnliche Gestaltung und durch einige seiner Teilnehmer zunächst ein wenig diesen Eindruck erweckt, besitzt "Firecracker" nicht wirklich eine Mysterykomponente. Der Film versucht hier einen Schein zu erwecken, den er nicht aufrechterhalten kann, auch wenn häufiger eine Schamanin zu Wort kommt, die unheilschwangere Sätze von sich gibt.
Im Grunde ist "Firecracker" ein recht simpel gestricktes Drama mit leichten Thriller-Ansätzen, das sich zum größten Teil auf seine sehr gute Kameraführung und den Kontrast von Farbe und Schwarz-Weiß verlässt. Die Thrillerelemente, vor allem in Form des ermittelnden Sheriffs, sind allerdings eher schmückendes Beiwerk und bringen die Story nicht voran. Auch das Schicksal von David liegt schon recht früh, trotz der Auslegung einer falschen Fährte, offen auf der Hand und der Kreis der Verdächtigen ist so klein, dass man in dieser Hinsicht nicht auf eine Überraschung zu hoffen braucht. Neben der innovativen Optik, deren Effekt sich jedoch schnell verläuft, hat der Film leider vor allem Schwächen. Die Story verläuft, um es vorsichtig zu sagen, äußerst träge, ohne echte Höhepunkte und stellt den Zuschauer auf eine harte Geduldsprobe. Verschlimmert wird das ganze noch durch die wenig gelungene Synchronisation, die Dialoge, die oft schlichtweg ins Leere laufen und die nicht überzeugenden Darsteller. Besonders Mike Patton ("American Hardcore"), der Sänger von Faith No More, ist in seiner Doppelrolle als David/Frank hoffnungslos überfordert und kann beiden Charakteren kein Leben einhauchen. Das angeklebte Bärtchen von Frank sorgt zudem für unfreiwillige Komik. Aber auch Karen Black ("Landhaus der toten Seelen"), die vor allem durch ihre Auftritte in B-Movies bekannt wurde, ist keine Charakterdarstellerin und scheitert an der Darstellung zweier gebrochener Frauen (Sandra/Jimmys Mutter). Besonders letztere Rolle wirkt eher peinlich, denn authentisch. Besonders nervig ist zudem die eigentlich zentrale Figur des Jimmy, die zwar über keinerlei Mimik verfügt, aber alle paar Minuten anfängt zu flennen und von einem Weinkrampf nach dem anderen geschüttelt wird.
Digitale Aufarbeitung:
Die Schärfe des Bildes ist leider nicht optimal und es kommt zu Treppchenbildung und einem leichten Rauschen. Die Farbgebung ist sehr grell, und damit alles andere als natürlich, was jedoch ein gewolltes Stilmittel ist. Die beiden Tonspuren können hingegen technisch voll überzeugen und zeichnen sich durch gute Akustik und Verständlichkeit der Dialoge aus.
Die getestete Verleih-DVD beinhaltet lediglich einen Trailer zum Film. Der mit aufgeführte Audiokommentar ist auf der DVD nicht enthalten. Die Kauf-DVD soll neben diesem Audiokommentar zusätzlich noch eine Bildergalerie und ein Making Of, mit einer Laufzeit von rund 100 Minuten, enthalten.
Fazit:
"Firecracker" versucht mit der auf künstlerisch getrimmten Optik einen Anspruch vorzugaukeln, der nicht vorhanden ist. Die Story ist äußerst flach, die Charaktere besitzen zu wenig Tiefe und ihre Darstellung wird noch durch schwache schauspielerische Leistungen zusätzlich beeinträchtigt. Für einen Thriller fehlen schlichtweg Spannung und Action, für ein Drama verbleibt der Film aber zu stark an der Oberfläche und verlässt sich nur auf seine schicke Optik und die gute Kameraführung.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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108:15 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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Firecracker
Firecracker
Ob in Schwarz-Weiß oder in Farbe, ein guter Film braucht auch ein inhaltliches Fundament
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2004 Regie: Steve Balderson Drehbuch: Steve Balderson, Clark Balderson Darsteller: Karen Black, Mike Patton, Susan Traylor, Jak Kendall, Paul Sizemore, Kathleen Wilhoite
Label :
Atomik Films
Verkaufsstart : 28.06.2007
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