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DVD-Besprechung - Transamerica
Story:
Stanley (Felicity Huffman) nennt sich inzwischen Sabrina, kurz Bree und
steht kurz vor der entscheidenden Operation, die ihn in eine sie
verwandeln soll. Doch da holt sie/ihn eine Jugendsünde ein, in Form
eines unehelichen Sohnes, von dem Bree bisher nichts wusste. Ihre
Therapeutin rät ihr dazu, vor der Operation den Sohn zu suchen. Als sie
Toby (Kevin Zegers) findet, machen die beiden sich im Auto auf den Weg
von New York nach Kalifornien, auf der Suche nach seinem Vater, da Bree
sich ihm gegenüber nur als Frau zu erkennen gibt.
Meinung zum Film:
Es ist in den letzten Jahren ein wenig zur Gewohnheit geworden, Tabus
zu brechen und neue Wege auszuloten, wenn es um die Wiederbelebung oder
Neubetrachtung von Filmgenres geht. So wurde das Piratengenre durch
"Fluch der Karibik" erfolgreich wieder belebt, obwohl der Film eher
eine Parodie war. Mit "Brokeback Mountain" wurde der Cowboyfilm neu
definiert, auch wenn der Film ganz andere Wege ging, im wahrsten Sinne
des Wortes. Und so steht "Transamerica" in einer neuen Tradition von
Filmen, die auch kein Problem damit haben, das eigene Genre komplett
auf den Kopf zu stellen. Selten wurde das Thema einer
Geschlechtsumwandlung so eindrucks- und gleichzeitig humorvoll
dargestellt. Eigentlich ist gerade eine Geschlechtsumwandlung eine
ernste Sache. Frauen oder Männer, die ihr Geschlecht wechseln wollen,
haben laut der allgemein gültigen Definition eine Störung der
Geschlechtsidentität. Ob diese ausschließlich psychischer Natur ist,
ist umstritten und dies lässt sich auch nicht durch empirische Studien
nachweisen. Wissenschaftler vermuten, dass die Prädisposition während
der Entwicklung des Fötus ebenfalls einen Einfluss darauf hat, ob sich
später ein Mann eher als Frau, oder eine Frau eher als Mann fühlt,
unabhängig von den körperlichen Voraussetzungen. Dies ist also durchaus
ein ernstes Thema und so ist es sehr problematisch, einen lustigen Film
über dieses Thema zu machen.
Regisseur Duncan Tucker ("Mountain King") hat in seinem erst
dritten Film aber den richtigen Ton getroffen. Zum Teil humoristisch,
zum Teil dramatisch behandelt er eine Geschichte mit einfühlsamen
Szenen, die weder kitschig noch an den Haaren herbei gezogen scheint.
Die Personen in diesem Film erscheinen real und man leidet mit ihnen
mit, insbesondere mit Bree, aber auch mit Toby, ihrem Sohn. Der
Zuschauer bleibt mit der Frage zurück, was mit den Beiden wohl nach
Ablauf des Films geschieht. Ein Kunststück, das nur wenige Regisseure
hinbekommen. Natürlich trägt dazu auch die schauspielerische Leistung
insbesondere von Felicity Huffmann ("Desperate Housewives"), die auch
noch einen unglaublichen Mut zur Hässlichkeit beweist, dazu bei, dass
der Film zu einem Erfolg wird. Sie legt eine Leistung hin, die
oscarreif ist und die zu Recht mit einer ebensolchen Nominierung
belohnt wurde.
Es ist empfehlenswert, sich das amerikanische Original
anzuhören. Felicity Huffmann spricht so geschickt ihre Texte, dass man
sich als Zuschauer wirklich sehr gut vorstellen kann, dass dies eine
durch Hormone veränderte Männerstimme ist, etwas, was ihr auch nicht
sehr leicht fiel, wie sie im Bonusmaterial erläutert. Franziska
Pigulla, unter anderem die deutsche Stimme von Agent Scully in "Akte
X", gibt sich zwar sehr viel Mühe und ist ihrerseits recht überzeugend,
kann aber dennoch nicht mit der Sprachkunst von Huffmann mithalten.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist recht gut aufgearbeitet, stellenweise ist aber der
Kontrast nicht korrekt ausgesteuert, so dass schwarze Flächen einen
leicht grauen Touch haben. Die Farben wirken etwas blass, was aber
offensichtlich vom Regisseur so gewollt wurde. Der Sound liegt sowohl
in Deutsch als auch in Englisch in Dolby Digital 5.1 vor, ist in beiden
Sprachen nahezu gleich ausgesteuert, verfügt aber nur über wenige
Effekte auf den hinteren und seitlichen Lautsprechern. Bei einem
Charakterfilm ist dies freilich nicht weiter verwunderlich.
Das Bonusmaterial ist äußerst umfangreich und alleine schon
den Kauf der DVD wert. Neben einem Audiokommentar von Regisseur Duncan
Tucker, der sehr viel Aufschluss darüber gibt, wie ein Independent-Film
zu Stande kommt, und wo dieser erzählt, dass er oft genug mit
mangelnden Ressourcen in Form von Budget auskommen musste und dabei
auch nicht davor zurück schreckte, sein eigenes Elternhaus in den Film
einzubauen, sind Interviews mit Duncan Tucker, Felicity Huffman und
Kevin Zegers, Outtakes, ein Musikvideo mit Dolly Parton und ein Blick
hinter die Kulissen enthalten. Der Trailer, eine Bildergalerie und
Informationen über Cast & Crew runden das umfangreiche Angebot ab,
das auch sehr informativ ist, insbesondere im Hinblick auf die
Komplexität, eine Transfrau durch eine echte Frau darstellen zu lassen.
Fazit:
"Transamerica" ist ein Roadmovie der etwas anderen Art, der zwar die
Suche nach sich selbst wie in vielen anderen Roadmovies darstellt, aber
dies mit einer Transfrau und somit einer Bevölkerungsgruppe, die
tendenziell nicht gerade Thema eines Films ist. Ansehen sollte man sich
diesen Film alleine schon wegen der darstellerischen Leistung von
Felicity Huffmann.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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99:30 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch |
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Bonusmaterial:
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- Audiokommentar von Regisseur Duncan Tucker
- Interviews
- Outtakes
- Musikvideo Dolly Parton: "Travelin' Through"
- "Travelin' Through: Hinter den Kulissen"
- Trailer
- Bildergalerie
- Cast & Crew
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Transamerica
Transamerica
Transamerika oder Transsexuell?
Autor der Besprechung:
Bernd Glasstetter
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2005 Regie: Duncan Tucker Drehbuch: Duncan Tucker Darsteller: Burt Young, Carrie Preston, Elizabeth Pena, Felicity Huffman, Fionnula Flanagan, Graham Greene, Kevin Zegers
Label :
Universum Film
Verkaufsstart : 06.11.2006
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