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DVD-Besprechung - Charleys Tante

Story:
Dr. Otto Wilder (Peter Alexander) ist ein hoch angesehener Diplomat in Wien und nicht nur in Sachen Zahlen gut bewandert. Er hat außerdem ein Talent als Zauberer und Sänger. Seine ganze Kunst ist gefragt, als er seinem jüngeren Bruder aus der Patsche helfen soll und als Tante von dessen Freund Charley auftritt. Denn diese soll als Anstandsdame beim Frauenbesuch dienen...

Meinung zum Film:
Kaum ein Theaterstück hat in der deutschen Geschichte mehr Inkarnationen im Kino gefunden als "Charleys Tante". Das ultimative Verwechslungs- und Verkleidungsspiel ist schon seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein immer wieder gerne gesehener Gast in den Kinosälen oder im Fernsehen. Vor allem die Verfilmung von 1956 sollte den Deutschen im Gedächtnis bleiben, wo Heinz Rühmann ("Die Feuerzangenbowle") der Dame verschmitzt sein Gesicht lieh und eine seiner besten darstellerischen Leistungen zeigte. Erstaunlich genug, dass nur gerade einmal sieben Jahre später ein anderer Dauergast des deutschen Kinos, nämlich Peter Alexander ("Hurra, die Schule brennt") noch einmal in die Rolle schlüpfte, glaubte man doch, dass niemand Rühmanns Darstellung übertreffen könnte. Peter Alexander, Allroundtalent, Sänger, Entertainer und Schauspieler, glaubte wohl daran, was sicher auch daran lag, dass seine Erfolgsstory zum damaligen Zeitpunkt noch keinen Knick bekommen hatte und Filme mit ihm fast schon im Dreivierteltakt im Jahr in die Kinos kamen. Doch nach dem eher zweifelhaften Genuss dieses Machwerks musste man auch als eingefleischtester Fan zugeben: Hier hatte sich Herr Alexander übernommen.

Billig war der Film allemal produziert worden. Drei Schauplätze (wenn man die Straße mitzählt) waren gerade einmal vonnöten, was aber sicher nicht dem Film an sich anzukreiden war, denn immerhin war ein Theaterstück schon von jeher begrenzt, was die Auswahl der Orte anbetrifft, an denen es spielen kann. Allerdings hätte man durchaus etwas Neues wagen, dem Film mehr Tiefe geben, sich mehr vom Vorgänger mit Rühmann abheben können. Stattdessen machte man ein fast bis aufs Detail gleiches Remake. Nur leider mit dem Problem, dass Peter Alexander kaum jemand anderen zu Wort kommen ließ und so die Nebendarsteller zu Stichwortgebern disqualifizierte. Wo neben Rühmann noch eine richtige Starriege auftrat, gehörten die anderen Darsteller in diesem "Charleys Tante" eher zur zweiten Garde, wenn man einmal Maria Sebaldt ("Berliner Weiße mit Schuß") absieht. Das tat dem Film mit Sicherheit nicht besonders gut.

Peter Alexander wirkt in diesem Film auch mehr als überkandidelt, man kann sich als Zuschauer vor hirnrissigen Aktionen gar nicht richtig retten. Da werden schon einmal die Kleider der eingeladenen jungen Frauen in seiner Anwesenheit getauscht, um ein wenig Frivolität in die Szenerie zu bringen und allzu sehr werden Doppeldeutigkeiten eingebracht. Was in diesem Film dann auch besonders stört sind die Musikszenen. Es wird zu viel Wert darauf gelegt, diese irgendwie in die Handlung einzubauen und so wirkt dieses Remake von "Charleys Tante" eher wie eine Musikshow Alexanders mit ein wenig Handlung außen herum. Es bleibt jedenfalls klar: Man bleibe lieber bei der Verfilmung mit Heinz Rühmann, da wird man besser unterhalten.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist zum Teil eine wirkliche Zumutung. Es scheint ganz so, als hätte man den Film aus zwei Versionen zusammen geschnitten, einer, die besser erhalten war und einer, die schlecht erhalten war und bei der sich die Spuren der Zeit sehr deutlich zeigen. Außerdem gibt es einige Sprünge in ein paar Szenen. Ob man hier vielleicht die Szenen nicht mehr vollständig hatte? Eine gute DVD-Edition sieht da jedenfalls anders aus. Der Ton liegt in Dolby Digital 2.0 vor und ist annehmbar abgemischt worden.

Bei den Special Features finden sich Texttafeln zu Peter Alexander und Maria Sebaldt, sowie der Trailer des Films. Außerdem findet sich noch auf DVD-ROM das Original-Werbematerial zum Film in einer PDF-Datei, zum Anschauen auf dem PC.

Fazit:
Peter Alexander hätte lieber dieses Remake nicht angehen sollen. "Charleys Tante" bleibt weit hinter dem zurück, was nur sieben Jahre zuvor mit Heinz Rühmann inszeniert wurde. Wer eine Verfilmung dieses klassischen Theaterstücks sehen will, sollte sich besser die Verfilmung von 1956 ansehen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,66:1
1,66:1
84:17 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial:
  • Biografie Peter Alexander
  • Biografie Maria Sebaldt
  • Trailer
  • Original-Werbematerial auf DVD-ROM  
Charleys Tante - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Charleys Tante
Charleys Tante

Bild unseres Mitarbeiters Bernd Glasstetter
Wenn Mann sich verkleidet


Autor der Besprechung:
Bernd Glasstetter

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Österreich, 1963
Regie:
Géza von Cziffra
Drehbuch:
Gustav Kampendonk
Darsteller:
Alfred Böhm, Eike Pulwer, Fritz Eckhardt, Helli Servi, Maria Sebaldt, Marlene Rahn, Peter Alexander, Peter Vogel, Rudolf Vogel

Label Deutschland :
Kinowelt Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
19.01.2007