 |
DVD-Besprechung - Alles ist erleuchtet
Story:
Jonathan (Elijah Wood) ist in jeder Hinsicht ein ungewöhnlicher junger
Mann. Er ist ernst, er trägt eine übergroße Brille mit überdicken
Gläsern und er sammelt. Keine Briefmarken, er sammelt vielmehr lauter
Erinnerungen an seine Familie und hängt all diese Erinnerungen verpackt
in kleine Plastikbeutel an einer Wand auf. Nur von seinem Großvater,
der aus der Ukraine stammte, hat er kaum Erinnerungen und so beschließt
Jonathan dorthin zu reisen. Dort trifft er auf Alex (Eugen Hutz) und
dessen Großvater (Boris Leskin), die ihn auf seiner Reise zu dem Ort,
von dem der Großvater von Jonathan stammt, begleiten...
Meinung zum Film:
Ungewöhnlich. Ein einzelnes, einsames Wort und doch steht es in
vielerlei Hinsicht für "Alles ist erleuchtet". Drehbuch, Inszenierung,
Darsteller, Darstellung, Charaktere, all dies ist ungewöhnlich in
diesem Film. Und dabei steht "ungewöhnlich" nicht als negatives Wort
da, sondern ist voll und ganz positiv gemeint. Da wäre zunächst einmal
die Geschichte selbst, damit auch das Drehbuch, die rund um drei
wundervolle Typen angesiedelt ist, die sich durch einen besonderen
Umstand treffen und eine Reise antreten, an deren Ende sie alle ein
wenig klüger sind. Diese Art der Geschichte wird auch gerne Road Movie
genannt und wurde schon sehr oft inszeniert, mal mit mehr und mal mit
weniger Erfolg. Road Movies werden zwar meistens im Westen der USA
inszeniert, der die dafür eigentlich notwendigen Weiten aufweist, aber
im Falle von "Alles ist erleuchtet" ist es die Ukraine, die aber
ihrerseits ebenfalls unglaubliche Weiten zu zeigen hat. Hier hat
Jonathan Safran Foers schon bei der Niederschrift seines Romans die
richtige Landschaft ausgewählt.
Nun ist Regisseur Liev Schreiber nicht gerade für seine
Mitarbeit bei sensiblen Themen bekannt. "Scream 3" ist einer seiner
bekannteren Filme, in dem er als Schauspieler zu sehen war. Sein
Erstlingswerk als Regisseur zeigt aber, dass er sehr wohl sensible
Themen abdecken, ja sie gar mit Bravour meistern kann. Denn auch wenn
die Skurrilitäten des Skripts und der Charaktere durchaus für
humoristische Momente sorgen, so ist die Geschichte selbst doch eher
ein Drama. Das Drama eines jungen Mannes, der zu sehr in der
Vergangenheit lebt und sich seine Erinnerungen zu sichern versucht,
indem er sammelt. Jonathan wird dabei kongenial von Elijah Wood ("Herr
der Ringe") gespielt. Glaubte man dessen Karriere nach der
Ringe-Trilogie bereits am Ende - kaum ein Darsteller kann sich nach
solch gewaltigen Filmwerken noch einmal richtig profilieren, bestes
Beispiel ist dafür die originale "Star Wars"-Trilogie - kann er hier
eindrucksvoll beweisen, dass er sehr wohl dazu in der Lage ist, andere
Rollen aus- und mit Leben zu befüllen. Die Brillanz, mit der er
Jonathan Foer spielt, ist fast schon mit der eines Dustin Hofmann in
"Rainman" zu vergleichen. Zwar ist Jonathan kein in sich gekehrter
Autist, aber in manchen Szenen scheint nicht viel zu fehlen, um ihn
dazu zu machen.
Ihm zur Seite stehen- auch ungewöhnlich bei einem großen
Kinofilm - nur zwei weitere Charaktere. Der herrlich abgedrehte und
coole Alex, perfekt gespielt von Eugene Hutz ("Kill your Darlings") und
der stille und in sich gekehrte Großvater von Alex, der ebenfalls
brillant von Boris Leskin ("Cadillac Man") gespielt wird. Das
wundervolle Zusammenspiel zwischen diesen drei Akteuren erinnert stark
an ein Theaterstück und vermutlich ist es genau deshalb, dass der Film
so gut funktioniert. Es ist einfach kein lauter Actionfilm, sondern ein
ruhiger, nachdenklicher Film, der seine Stärken in den Dialogen und den
herausragenden darstellerischen Leistungen hat. Wer gutes Charakterkino
mit einem spannenden Ende und einer perfekt inszenierten Geschichte
sucht, ist hier mit Sicherheit nicht verkehrt.
Digitale Aufarbeitung:
Sowohl beim Bild als auch beim Ton ist dem Film eine hohe Qualität
anzusehen und -hören. Kräftige Farben, gute Kontraste und keinerlei
Schwächen zeichnen sie aus. Der Ton bietet einen satten Surround-Sound
in Dolby Digital 5.1 in Deutsch als auch in Englisch mit einigen netten
Effekten auf den seitlichen und hinteren Lautsprechern.
Als Special Features sind nicht verwendete Szenen und der
US-Kinotrailer auf der DVD enthalten. Die entfallenen Szenen haben eine
Länge von rund 15 Minuten und bieten weitere Einblicke in die
Charaktere. Bei einigen der Szenen ist es direkt schade, dass sie nicht
im Film enthalten waren. Insgesamt ist das Angebot an Special Features
recht dünn.
Fazit:
"Alles ist erleuchtet" ist ein absolut bewegend inszeniertes Road
Movie, das mit subtilem Witz und sehr skurrilen Typen glänzt. Wer etwas
zum Nachdenken und Lächeln sucht, macht mit diesem Film ganz sicher
nichts verkehrt.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,85:1
|
101:08 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch, Englisch |
|
Bonusmaterial:
|
- Nicht verwendete Szenen
- USA-Kinotrailer
|
|  |
Alles ist erleuchtet
Everything is Illuminated
Vergangenheit trifft Gegenwart
Autor der Besprechung:
Bernd Glasstetter
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2005 Regie: Liev Schreiber Drehbuch: Jonathan Safran Foer, Liev Schreiber Darsteller: Boris Leskin, Elijah Wood, Eugene Hutz
Label :
Warner Home Video Germany
Verkaufsstart : 21.04.2006
|