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DVD-Besprechung - Graves End
Story:
Das kleine Dorf Graves End, benannt nach dem Millionär und Stadtoberhaupt Tarkington Alexander Graves (Eric Roberts), wirkt wie ein Magnet auf entlassene Schwerverbrecher und empfängt diese mit offenen Armen. Kurz nach ihrer Ankunft verschwinden sie jedoch spurlos, was FBI-Agent Paul Rickman (Steven Williams) auf den Plan ruft. Graves und er sind jedoch alte Bekannte. Rickman war leitender Ermittler im Fall von Graves' gekidnapptem Sohn, der von seinen Entführern letztendlich grausam getötet wurde. Er hegt daher keinen Zweifel daran, dass Graves hinter dieser Sache steckt und es sich dabei um seine Methode handelt, den Tod seines Sohnes zu rächen.
Meinung zum Film:
"Graves End" ist das Regiedebüt von James Marlowe. Der Film gilt unter Horror-Fans als Geheimtipp und gewann einige Preise. Er wurde unter anderem zum besten Film des Chicago Horror Film Festivals im April 2005, zum besten Horrorfilm des Modesto Shocker Fests 2005, und zum besten Film des Indy Horror Film Festival im Oktober 2005 gewählt.
Der Hintergrund von "Graves End" ist ein ebenso ernstes wie kontroverses Thema, nämlich die Frage, wie mit entlassenen Schwerverbrechern zu verfahren sein sollte. Das erweist sich jedoch leider schnell lediglich als Aufmacher für den Film. "Graves End" ist vielmehr ein B-Movie-Thriller mit deftigen Gewalteinlagen und etlichen Plot-Twists. Der Film beginnt relativ bedächtig und verbringt die ersten 50 Minuten vor allem mit der Einführung einiger Hauptakteure, allen voran Paul Rickman (Steven Williams), Graves (Eric Roberts), Sheriff Hooper (Daniel Roebuck), sowie eines zunächst namenlosen Psychopathen (Sky Soleil). In dieser Zeitspanne wird auch auf mehrere Rückblenden zum Entführungsfall Graves zurückgegriffen. Ansonsten geschieht in dieser Zeit herzlich wenig, doch nach etwa 50 Minuten überschlagen sich die Ereignisse. Neue Charaktere klinken sich in die Geschichte ein und verfolgen eiskalt ihre eigenen Interessen, andere lassen ihre Masken fallen und letztendlich weiß niemand mehr, wer auf wessen Seite steht. Das Potential der Hintergrundstory wird von der eigentlichen Geschichte überhaupt nicht ausgenutzt. Gesellschaftskritik wird hier nicht mal angedeutet und auch die Verantwortlichen für das Verschwinden der Ex-Knackis sind schnell auszumachen, beziehungsweise werden sie niemals in Frage gestellt. "Graves End" gewinnt seinen Reiz nicht daraus, dass Rickman das Netz um den verdächtigen Graves immer enger zieht. Vielmehr entwickelt sich die Geschichte dadurch weiter, dass zunehmend undurchschaubare Personen auftreten, die eiskalt ihre eigenen Ziele verfolgen und dabei buchstäblich über Leichen gehen. In diesen Szenen geizt der Film dann auch nicht mit Kunstblut oder expliziteren Details. Leider wirken die Effekte aufgesetzt, überflüssig explizit und handwerklich äußerst schwach umgesetzt. Besonders die Anfangsszene, in der einem ehemaligen Gefangenen der Bauch aufgeschlitzt wird und die Gedärme hervorgeholt werden, kann nicht überzeugen und wird auch noch in Rückblenden recycelt. Offensichtlich sollten diese Sequenzen bei der Story verlorenen Boden gutmachen.
Wenn der Film schließlich nach 50 Minuten richtig loslegt, kennt er kein Halten mehr. Alle paar Minuten werden Protagonisten Masken vom Gesicht gerissen und ihre Motive enthüllt, die Ereignisse überschlagen sich und auch der Bodycount erhöht sich deutlich. Leider wird so dermaßen aufs Tempo gedrückt und die Darstellung fällt so übertrieben aus, dass der Zuschauer nur noch die Augen verdrehen kann. Anstatt langsam, aber sicher die Ereignisse aufeinander zuzuspitzen, geht der Film nach der Überfalltaktik vor und erschlägt den Zuschauer mit Entwicklungen und Wandlungen der Charaktere, die man zuvor aufgrund mangelnder Details niemals erahnen konnte. Diese plötzlichen, totalen Charakteränderungen einiger Personen wirken absolut unglaubwürdig und nicht nachvollziehbar. Regelrecht grotesk verläuft der Showdown, wo man sich in bester B-Movie-Tradition blutig gegenseitig an die Kehle geht, dabei jedoch scheinbar nahezu unverwundbar ist. Ein Fenstersturz, ein Schürhaken durch den Körper, Schusswunden, alles wird weggesteckt und irgendwie kommen die Betroffenen immer wieder auf die Beine. Die gezwungen einfallsreichen Plot-Twists sind alles andere als originell und Logikfehler dürfen auch nicht fehlen. Man beachte z.B. das Rickman-Interview zu Beginn und Rickmans Rolle am Ende. Bei den Schauspielern sticht vor allem Steven Williams ("Missing in Action 2 - Die Rückkehr") heraus. Undankbarerweise wird ihm in der zweiten Hälfte des Films drehbuchtechnisch das Genick gebrochen und auch Williams Leistung kann dessen Verfehlungen nicht mehr ausgleichen. Eric Roberts ("Ambulance") hingegen spielt einschläfernd die Rolle von Graves, der sich gerne kultiviert und gelassen gibt. Er ist in dieser Rolle schlichtweg verschenkt und kann seine Stärken, das sehr emotionale Spiel, nicht abrufen. Weiterhin weiß in der Darstellerriege Daniel Roebuck ("Final Destination) als Sheriff Hooper zu überzeugen. Seine Rolle wird aber emotional ziemlich übertrieben aufgeladen, nur um dann später in das bekannte "Dicker, einfältiger Dorfsheriff ist mal wieder schlauer als alle anderen"-Klischee zu verfallen.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität der DVD ist gut, es gibt lediglich ein leichtes Bildrauschen, das aber nicht wirklich stört. Die zum Test vorliegende Presse-DVD enthält lediglich die deutsche Tonspur. Bis auf einen 10-sekündigen Tonaussetzer nach einer Laufzeit von 30:27 Minuten hat diese Tonspur keine Schwächen.
Die getestete Presse-DVD enthielt keinerlei Extras.
Fazit:
"Graves End" beginnt zu bedächtig, nur um sich dann zu überschlagen. Dabei bleiben die Glaubwürdigkeit der Charaktere und die Plausibilität der Geschichte auf der Strecke. Logikfehler und die billigen Effekte sind der Sargnagel für diesen insgesamt unterdurchschnittlichen Thriller.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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91:53 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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Graves End
Graves End
Ein B-Movie-Thriller, der leider Plot-Twists im Minutentakt mit Finesse verwechselt
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2004 Regie: James Marlowe Drehbuch: Rick Askew, James Marlowe, u.a. Darsteller: Eric Roberts, Steven Williams, Daniel Roebuck, Valerie Mikita, Fairly Tull, Sky Soleil
Label :
MC One
Verkaufsstart : 18.01.2007
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