 |
DVD-Besprechung - Gun - Kaliber 45
Story:
Eine silberne 45er mit edlem Perlmuttgriff ist eine gemeinsame Komponente zwischen Ereignissen, die ansonsten in keinerlei Verbindung zueinander stehen. Die Schusswaffe, die an verschiedensten Orten und bei den verschiedensten Menschen auftaucht, nimmt massiven Einfluss auf das Leben der Protagonisten und wendet ihr weiteres Schicksal zum Guten oder auch zum Schlechten.
Meinung zum Film:
Die Serie "Gun" wurde im Jahre 1997 von dem amerikanischen Fernsehsender ABC produziert. Die Idee, eine Schusswaffe als Dreh- und Angelpunkt aller Episoden zu installieren, war innovativ und die Darstellerriege der Serie war mit Hollywoodstars gespickt. Trotzdem überlebte die Serie lediglich 6 Folgen. Einer der ausführenden Produzenten der Serie war der kürzlich verstorbene Robert Altman. Seinen Durchbruch erlebte er 1970 mit der Kriegssatire "M.A.S.H.", die in Cannes die Goldene Palme gewann. 1993 wurde Altman für "Short Cuts" in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Eben dieser kann wohl auch als Referenz im Bereich der anspruchsvollen Episodenfilme betrachtet werden, insofern standen die Zeichen für "Gun" insgesamt sehr gut. Im Jahr 2006 erhielt Altman schließlich den Ehrenoscar für sein umfassendes Lebenswerk.
Inhaltlich ist das Spektrum der einzelnen Folgen breit gefächert. Die erste Folge "Zwischen den Zeilen" ist gleichzeitig auch die beste der ganzen Reihe. In dieser Folge wird deutlich, welches Konzept ursprünglich für die Serie angedacht war, bevor es von Folge zu Folge immer mehr aufgeweicht wurde und die Waffe als prägendes Storyelement immer stärker in den Hintergrund geriet. In der ersten Folge befindet sich die Waffe zunächst in den Händen eines Attentäters, geht jedoch durch mehrere Hände, und landet letztendlich zu ihrem Schutz bei einer Hausfrau. Diese Folge besitzt einen humorvollen Unterton, wofür vor allem James Gandolfini ("Die Sopranos") als leicht reizbarer und patriotischer Exil-Italiener verantwortlich ist. Aber auch die Leidenschaft spielt in dieser Folge eine große Rolle und für die erotische Komponente steht hier vor allem Rosanna Arquette ("Flug durch die Hölle"). Insgesamt bietet "Zwischen den Zeilen" den gelungensten Spannungsaufbau, die besten Plot-Twists und die innovativste und überzeugendste Einbindung der 45er in die Erzählung. Nachdem die erste Folge mehr einen Thriller darstellt, geriet die zweite Folge "Die Frauen des Präsidenten", von Altman selbst gedreht, eher zu einer grotesk anmutenden Komödie. In deren Mittelpunkt steht Randy Quaid ("Caddyshack 2") als liebestoller Präsident eines Golfclubs, sowie dessen amoröse Verstrickungen mit zahlreichen, verschiedenen Frauen. Diese Folge gibt vor allem Vollblutkomiker Randy Quaid die Möglichkeit zu einer brillanten Darstellung, in den weitere Rollen wissen aber auch Daryl Hannah ("Kill Bill Vol.1"), Jennifer Tilly ("Chucky und seine Braut"), sowie Sean Young ("Blade Runner") vollends zu überzeugen. Die dritte Folge "Liebe und Tod" schließt das Trio der sehr gelungenen, jedoch völlig unterschiedlichen Folgen ab. In dieser sehr ernsten, schon beinahe als Drama anmutenden Episode stehen die Verzweiflung, fehlende Entfaltungsmöglichkeiten junger, unverstandener Menschen, aber auch Selbstjustiz und Vorurteile im Mittelpunkt. Die zu diesem Zeitpunkt noch sehr junge Kirsten Dunst ("Gnadenlos Schön") liefert im Zusammenspiel mit ihrem kongenialen männlichen Gegenstück Johnny Whitworth ("Hell's Kitchen - Vorhof zur Hölle") eine beeindruckende Leistung ab. In einer weiteren Rolle ist Carrie Fisher (Prinzessin Leia aus "Star Wars") zu sehen. Insgesamt schwankt die sehr emotionale Episode mit überraschendem Ausgang überzeugend zwischen Hoffnung und Verdammnis hin und her.
Die Folgen 4-6 bilden den, leider eher traurigen Abschluss der Reihe. In Folge 4 "Der Held des Tages" wird ein bis dato recht unbekannter Schauspieler durch einen verhinderten Raubüberfall über Nacht zum Nationalhelden und Medienstar. Diese Folge setzt auch wieder stark auf humorige Elemente, scheitert aber größtenteils aufgrund der sehr platt vorgetragenen Komik. Das Drehbuch und die Verstrickungen wirken ebenfalls ziemlich an den Haaren herbeigezogen und die Darsteller sind in dieser Folge mit Abstand am schwächsten. Die Episode 5 "Jackpot" befasst sich mit dem Mordfall an einem japanischen Geschäftsmann, in dem die Tatwaffe jedoch zunächst unauffindbar bleibt. Martin Sheen ("Gettysburg") überzeugt hier als gewitzter Ermittler im Beinahe-Ruhestand. Leider fehlt der Geschichte jede Durchschlagskraft und bleibt ein bestenfalls durchschnittlicher Krimi, in dem vor allem die überzogene Darstellung der Mordverdächtigen am Rande des Erträglichen, und darüber hinaus, wandelt. In der letzten Folge "Pater John" erlebt man Fred Ward ("Remo - Unbewaffnet und gefährlich") in der Rolle eines Amateurdetektivs, der den Tod, bzw. die Herkunft der merkwürdigen Hinterlassenschaften seines Onkels (eine 45er, 50000 Dollar, etc.), eines Priesters, aufklären will. Die ein wenig an klassische Detektivfilme angelehnte Geschichte mit vielen Unbekannten und mysteriösen Verstrickungen leidet jedoch, trotz eines gut aufgelegten Fred Ward, vor allem an Vorhersehbarkeit, einhergehend mit Spannungsarmut, und einer äußerst gemächlichen Inszenierung. Die Auflösung am Ende weiß ebenfalls nicht so recht zu überzeugen.
Digitale Aufarbeitung:
Bis auf ein wahrnehmbares, aber nicht wirklich störendes Rauschen, ist die Bildqualität auf gutem TV-Niveau. Auch die beiden Tonspuren haben keine besonderen Schwächen.
Auf der zweiten DVD befindet sich neben dem Trailer lediglich eine Dokumentation über Robert Altman, die knapp über 50 Minuten läuft. Die Dokumentation ist in englischer Sprache gehalten, es liegen jedoch deutsche Untertitel vor. Allerdings befasst sich diese Dokumentation fast ausschließlich mit Robert Altmans Film "Vincent & Theo" von 1990, der sich mit den Brüdern van Gogh auseinandersetzt. Die Karriere und Biographie von Altman werden nur bruchstückhaft betrachtet und die meisten seiner Kommentare beziehen sich eher allgemein auf das Thema Kunst und Film, sowie auf die Frage, ob Filme Kunst sind. Für Menschen denen "Vincent & Theo" nicht bekannt ist, oder die diesen Film nicht mögen, macht die Dokumentation eigentlich wenig Sinn. Der Verkaufs-DVD soll auch ein 16-seitiges Booklet beiliegen, das zur Rezension jedoch nicht vorlag.
Fazit:
Den ersten drei Folgen von "Gun - Kaliber 45" sind die großen Ambitionen und der Anspruch der dahinterstehenden, kreativen Köpfe deutlich anzusehen und diese stellen einen sehr guten Thriller, eine überzeugende Krimi-Komödie und ein eindringliches Jugenddrama dar. Die letzten drei Folgen der Reihe hingegen fassen das eigentliche Konzept der Serie deutlich weniger eng und können leider insgesamt, auch nur für sich betrachtet, nicht überzeugen. Die Extras sind ebenfalls äußerst enttäuschend ausgefallen.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,33:1
|
6 Episoden à ca. 40 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch |
|
Bonusmaterial:
|
- Dokumentation über Robert Altman
- Trailer
|
|  |
Gun - Kaliber 45
Gun
Das Schicksal des Menschen ruht im Lauf einer Waffe
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1997 Regie: Robert Altman, Ted Demme, James Foley, u.a. Drehbuch: James Steven Sadwith Darsteller: Rosanna Arquette, Daryl Hannah, James Gandolfino, Peter Horton, Randy Quaid, Jennifer Tilly
Label :
Kinowelt
Verkaufsstart : 05.01.2007
|