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DVD-Besprechung - Die Halbstarken (Arthaus Premium)
Story:
Der 19-jährige Freddy Borchert (Horst Buchholz) ist im Berlin der 50er Jahre Anführer einer Bande von sogenannten "Halbstarken". Diese leben ohne Respekt vor den Erwachsenen in den Tag hinein und halten sich mit Diebstählen über Wasser. Als Anführer, zu dem alle aufschauen, und um seiner Freundin Sissy zu imponieren, muss sich Freddy immer wieder beweisen. Schließlich taucht sein Bruder Jan, den er länger nicht mehr gesehen hat, bei ihm auf und Freddy bezieht ihn mit in seine krummen Dinger ein. Mit seiner Bande plant Freddy den ganz großen Coup, den Überfall auf einen Transporter der Post, der all seine materiellen Wünsche auf einen Schlag befriedigen soll.
Meinung zum Film:
In den 50er Jahren rebellierte die Jugend in der BRD, vor allem geprägt durch die unfreiwillige Selbstständigkeit der ersten Nachkriegsjahre und unter dem Eindruck des einsetzenden Wirtschaftswunders. Materielle Werte gewannen an Bedeutung und die jugendliche Bevölkerung verspürte einen großen Nachholbedarf in Sachen Lebensfreude und Lebensqualität. Diese Lebensqualität wurde dabei vor allem mit dem "American way of life" gleichgesetzt. Das drückte sich u.a. im Rock`n`Roll als Form des Protestes gegen die spießige, bürgerliche Ordnung und die allgegenwärtige Langeweile aus. Aufgrund des fehlenden Verständnisses der bürgerlichen Mehrheit kam es aber auch zu pauschalen Gleichsetzungen mit kleinkriminellen Milieus. Die sogenannten "Halbstarken" übernahmen ab etwa 1955 große Teile amerikanischer Massenkultur, was sich z.B. in ihrer Bekleidung äußerte, wo Lederjacken, Jeans und die Elvis-Tolle vorherrschten. So entstand dann auch der Typus des jugendlichen Rebellen, der auf der Leinwand von amerikanischen Schauspielern, wie z.B. James Dean, aufgrund seiner Rolle in "...denn sie wissen nicht, was sie tun" und Marlon Brando für seine Rolle in "Der Wilde" prototypisch verkörpert wurden und sie zu Idolen dieser Generation machte. Auch wenn "Die Halbstarken" keine Kopie amerikanischer Vorbilder ist, sind deren Einflüsse unübersehbar. Horst Buchholz verhalf der Film zu seinem endgültigen Durchbruch und er galt fortan als "deutscher James Dean".
Die Thematik von "Die Halbstarken" kann heutzutage natürlich nicht mehr die Brisanz entfalten wie zu seiner Entstehungszeit. Und auch wenn immer wieder ein gewisser sozialpädagogischer Anspruch durchschimmert, ist der Film keineswegs eine soziale Milieustudie. Der Film nimmt zeitgenössische Vorfälle auf, verbindet sie zu einem Gesamtbild und erzählt im Grunde die Geschichte eines Verbrechens oder den Beginn einer kriminellen Karriere. Auch wenn der Film in der heutigen Zeit keineswegs naiv oder antiquiert wirkt, greifen die Erklärungsmuster für die Handlungen der "Halbstarken" doch deutlich zu kurz. Der Charakter von Freddy, gespielt von Horst Buchholz ("Das Totenschiff"), ist so vor allem durch die Erfahrungen mit seinem autoritären Vater geprägt, die ihn dann auch dazu bewegten, seine Familie hinter sich zu lassen, viel mehr erfährt man nicht über ihn.
Der Film lebt vor allem von seiner lebendigen Inszenierung und einem herausragenden Horst Buchholz, der dem Film mit seinem jugendlichen Elan eine große Dynamik verleiht. Auch kann man dem Charakter Freddy trotz seiner "Entgleisungen" niemals wirklich böse sein. Denn ab und an lässt Freddy die Maske des "Halbstarken" fallen und darunter kommt ein verunsicherter und unverstandener Jugendlicher zum Vorschein. Ihm fehlen offensichtlich geeignete Vorbilder und er ist vor allem auf der Suche nach Zuneigung und Respekt, welche ihm Zuhause versagt geblieben scheinen. Seine Freundin und der Wunsch ihr zu imponieren werden im Verlauf des Films dann auch immer mehr zu seiner inneren Triebkraft für seine Gemeinheiten und kleinkriminellen Handlungen. Seinen sozialpädagogischen Anspruch unterstreicht der Film dann mit seinem Ende, indem er deutlich macht, dass immer die Möglichkeit zur Umkehr auf den rechten Pfad des Lebens fortbesteht.
Digitale Aufarbeitung:
Bild und Ton sind für einen 50 Jahre alten Film wirklich sehr gut gelungen, es gibt lediglich vereinzelte Verschmutzungen und ein leichtes, nie störendes Hintergrundrauschen.
Diese Veröffentlichung hat ihren Namen "Special Edition" wahrlich verdient. Auf der Film-DVD befinden sich eine Fotogalerie, sowie Starinfos über Horst Buchholz und Karin Baal. Im DVD-ROM-Teil gibt es noch den Werberatschlag, bzw. zeitgenössisches Pressematerial zum Film in PDF-Form im Umfang von 11 Seiten. Auf der zweiten DVD befindet sich die rund 92-minütige Dokumentation "Horst Buchholz...Mein Papa" von Christopher Buchholz. Auch wenn diese Dokumentation nicht uninteressant ist, leidet sie doch unter einigen Schwächen. So beschränkt sich Horst Buchholz' Mitarbeit vor allem darauf, Anekdoten aus seiner erfolgreicheren Vergangenheit zum Besten zu geben, eine wirkliche Annäherung an die Person und seine Gefühlswelt findet aber nicht statt. Das liegt allerdings wohl auch an der Interviewtechnik von Christopher Buchholz. Wie er selbst gesteht versteht er seinen Vater nicht wirklich, bei wichtigen Fragen gelingt es ihm deshalb auch nicht, vernünftig nachzuhaken. Ferner scheint er mit den Feinheiten der deutschen Sprache Probleme zu haben, was die Sache weiter erschwert, so kommt es z.B. zu einer peinlichen Szene, in der er seinen Vater darauf anspricht, dass er "auf die Fresse gefallen wäre", worauf der erwidert, er habe keine Fresse, sondern ein Gesicht. Die eingebauten Szenen aus seinen Filmen ziehen die Dokumentation inhaltlich unnötig in die Länge, ohne sich wirklich inhaltlich mit den Werken auseinander zusetzen. So bleiben unter dem Strich einige interessante Äußerungen von Personen, bzw. Verwandten, die ihm nahe standen, eine Laufzeit von rund einer Stunde hätte dem Film aber bei potentiell gleichem Ertrag besser zu Gesicht gestanden. Weiterhin finden sich auf der DVD noch in der Dokumentation nicht verwendete Interviews, drei mit Horst Buchholz (rund 22 Minuten), sowie ein längeres mit Wim Wenders (rund 12 Minuten), sowie eines mit Christopher Buchholz (rund 5 Minuten). Hinzu kommt eine kleine Fotogalerie von Horst Buchholz und ein Trailer zur Dokumentation.
Fazit:
"Die Halbstarken" ist ein handwerklich gut gemachter Film mit einem überragenden Horst Buchholz. Mit seiner straffen Inszenierung und seinen liebenswerten Charakteren weiß der Film auch heute noch zu begeistern, auch wenn er naturgemäß an Aktualität verloren hat. Die Special Edition überzeugt mit einer großen Fülle an Extras und der sehr gelungenen technischen Präsentation.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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90:28 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 1.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Fotogalerie "Die Halbstarken"
- Starinfos Horst Buchholz + Karin Baal
- Werberatschlag/Pressematerial
- Dokumentarfilm "Horst Buchholz...mein Papa"
- Trailer
- Horst Buchholz im Gespräch
- Guter Rat - Gespräch mit Myriam Bru
- Wim Wenders über Horst Buchholz
- Interview mit dem Filmemacher Christopher Buchholz
- Fotogalerie Horst Buchholz
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Die Halbstarken
Die Halbstarken
Horst Buchholz großer Durchbruch, als deutscher James Dean, weiss auch heute noch gut zu unterhalten!
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1956 Regie: Georg Tressler Drehbuch: Will Tremper, Georg Tressler Darsteller: Horst Buchholz, Karin Baal, Christian Doermer, Joe Herbst, Viktoria von Ballasko
Label :
Arthaus
Verkaufsstart : 17.11.2006
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