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DVD-Besprechung - Havoc
Story:
Allison Lang (Anne Hathaway) bildet mit einigen anderen verwöhnten Jugendlichen reicher Eltern eine selbsternannte Gang, die "PLC". Diese Jugendlichen sind vor allem eines, tödlich gelangweilt., Mit ihrem gesamten Auftreten, vor allem ihrer Kleidung und Sprache, kopieren sie den vom Fernsehen verherrlichten Lebensstil von Gangstern aus dem Ghetto. Doch eines Tages reicht Allison das alles nicht mehr aus und sie beschließt sich einen neuen Kick zu suchen. Was läge also näher als am Leben im Ghetto hautnah teilzuhaben? Ein gefährliches Spiel beginnt.
Meinung zum Film:
Bei "Havoc" handelt es sich um eine Direct-to-DVD-Produktion. Regisseurin Barbara Kopple ist vor allem für ihre Dokumentationen bekannt, z.B. für den preisgekrönten "American Dream", für den sie 1991 sogar ihren bereits zweiten Oscar erhielt. So ganz kann sie ihr eigentliches Metier dann auch in diesem Spielfilm nicht verleugnen, was sich besonders in der Figur "Eric" (Matt O'Leary) manifestiert. Eric führt nämlich mit seiner Videokamera mehrere Interviews, vor allem mit Allison, um ihre Person genauer zu durchleuchten, wirklich handelnd greift er hingegen nicht ein.
Was gleich zum Einstieg bei Havoc positiv auffällt ist der gelungene Soundtrack. Die Musikuntermalung, u.a. mit Stücken von Cypress Hill, während des gesamten Films ist besonders für Freunde des Hip-Hop als gelungen zu bezeichnen. Die Optik des Films fällt hingegen stark ab. Der Film ist einfach viel zu durchgestylt und steril, um vor allem in den Ghettoszenen eine düstere oder gar bedrohliche Stimmung zu erzeugen, so manche deutsche Großstadt wirkt da bei weitem bedrohlicher. Der Film hält sich auch, was Gewalt- und Sexszenen angeht, extrem zurück. Es gibt hier ein paar harmlose Oben-Ohne-Szenen und ansonsten hat man Sex, wie es sich für einen anständigen Amerikaner gehört, natürlich angezogen. Der Anteil von Gewalt fällt noch viel spärlicher aus. Schiessereien oder Messerstechereien finden nicht statt, lediglich zu Beginn des Films gibt es eine miserabel choreographierte Schlägerei zwischen den "Wohlstandsgangs" zu betrachten, die in ihrer Intensität an eine harmlose Schulhofbalgerei erinnert, Blut fliesst natürlich auch nicht.
Die Einführung der PLC-Gang in die Story, vor allem die Vorstellung ihrer männlichen Mitglieder weckt böse Befürchtungen für den weiteren Filmverlauf. Es handelt sich hier um neureiche "Milchgesichter", die mit aller Macht versuchen, einen auf "Gangster" zu machen, so wird man dann in den ersten Minuten des Films mit Ausdrücken wie "verfickt", "Alter", "abgefuckt" usw. konfrontiert. Glücklicherweise enden hier dann aber schon die Parallelen zu Werken von Larry Clark und die männlichen Gangmitglieder verschwinden schon sehr früh, bis zu ihrem Auftritt am Ende des Films, aus der Geschichte. Der Einstieg in den Film kann insofern als misslungen betrachtet werden, da die Gangmitglieder in einer Weise präsentiert werden, die nur als unfreiwillig komisch bezeichnet werden kann, das peinliche Abschneiden bei der ersten Begegnung mit echten Gangstern verstärkt diesen Eindruck weiter. Dem Betrachter wird es damit schon früh unmöglich gemacht, sich mit den Charakteren des Films zu identifizieren. Allison, gespielt von Anne Hathaway ("Plötzlich Prinzessin") ist das klare Zentrum des Films. Ihre schauspielerische Leistung ist dabei durchaus anzuerkennen. Es scheint aber, sie hat diese Rolle nur gewählt, um von ihrem "Schnulzenimage" loszukommen, denn auch sie kann nicht gegen das Drehbuch des Films anspielen. Auch ihr filmisches alter Ego ist im Grunde nur ein Abziehbild, über das man fast nichts erfährt. Ihre Eltern sieht sie kaum und kommuniziert mit ihnen vor allem über angepinnte Zettel am Kühlschrank und das ganze Leben ist für sie ein Spiel, in dem sie je nach Erfordernis der Situation in eine entsprechende Rolle schlüpft, eine eigene Identität scheint ihr dabei völlig zu fehlen. Auch die Flucht in das Ghettoleben ist kein Ausbruchsversuch aus ihrer täglichen Routine, sondern nur eine Laune, die kommt und vergeht. Erstaunlicherweise grenzt sich das Leben im Ghetto von ihrem bisherigen Leben auch nicht großartig ab, auch hier dreht sich im Grunde nur alles um Party, Drogen und Sex. Am Ende erhält der Film einen dramatischen Einschlag, der aber schnell wieder aufgegeben wird, nur um in der Schlussszene, die im Off stattfindet, erneut aufgegriffen zu werden.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild der DVD ist sehr gut geworden und hat quasi keine Schwächen. Die englischen und deutschen Tonspuren sind klar verständlich und weisen ebenfalls keine Fehler oder Störungen auf.
Als Extras gibt es lediglich einen Trailer zum Film, sowie Biographien, bzw. Filmographien, von Anne Hathaway und Bijou Phillips in Textform.
Fazit:
"Havoc" fehlt wirklich alles, was man von einem Film dieser Machart erwarten würde. Die Charaktere haben keinen ausgearbeiteten Hintergrund, die Stimmung ist niemals wirklich düster oder bedrohlich und die gewählte Darstellungsweise ist absolut harmlos und kommt fast ohne Gewalt aus. Insgesamt wirkt der Film vollkommen unrealistisch, ist dabei aber in keiner Weise provokant und nie sozialkritisch, und kann somit niemandem wirklich empfohlen werden.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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81:40 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch DTS 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Trailer
- Biographien/Filmographien
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Havoc
Havoc
Die Kids in diesem Film sind tödlich gelangweilt und der Zuschauer wendet sich mit Grausen ab
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA / Deutschland, 2004 Regie: Barbara Kopple Drehbuch: Stephen Gaghan, Jessica Kaplan Darsteller: Anne Hathaway, Bijou Phillips, Michael Biehn, Freddy Rodríguez, Mike Vogel
Label :
e-m-s
Verkaufsstart : 31.08.2006
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