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DVD-Besprechung - Going to Pieces

Story:
Das Slasher-Genre ist für die Einen eine leichte Form des Thriller-Kinos, das auf Grund seiner simpel gestrickten Eigenarten für beste Unterhaltung sorgt. Für die Anderen stellt es jedoch nichts anderes dar als eine Ansammlung hirnloser Gewaltakte. In seiner Dokumentation berichtet Jeff McQueen von der Entstehung des Genres und lässt einige an der Entstehung der Produktionen Beteiligte zu Wort kommen.

Meinung zum Film:
Die Geburtstunde des Slasher-Genres ist für viele der 1978 in kleinen Kinos gestartete "Halloween" von Regisseur John Carpenter. 1980 übernahm Sean S. Cunningham in seinem "Freitag, der 13." die wesentlichen Motive dieses Filmes und versetzte diese mit einer grafisch ausführlichen Darstellung der Morde, womit der Slasher endgültig sein bis in die heutige Zeit bekanntes Gesicht erhielt. Jeff McQueen erinnert in seiner "Going to Pieces"-Dokumentation aber auch daran, dass bereits Alfred Hitchcock in "Psycho" einige der genreüblichen Eigenarten aufzubieten hatte und nennt auch "Peeping Tom - Augen der Angst" mit Karlheinz Böhm in der Hauptrolle als einen weiteren Grundstein. Nicht vergessen wird auch die Verkettung mit dem italienischen Giallo-Kino, das bildlich vor allem durch Marios Bavas "Bay of Blood" eingebunden wird und vor allem Dario Argentos frühe Arbeiten als sehr prägend sieht. Die Entstehung des Genres wird recht umfassend präsentiert und unter anderem durch die Urväter John Carpenter und Sean S. Cunningham auch kommentiert.

Nach dem unterwarteten Erfolg der ersten beiden Slasher, die durch den ein wenig in den Hintergrund gedrängten "Prom Night" eigentlich als Trio den Weg ebneten, wurden die Kinos Anfang der 80er regelgerecht überflutet mit immer mehr Beiträgen, die kaum einen Feiertag als Todestag ausließen und sich immer neue Motivationen für die blutigen Auftritte ihrer Gewalttäter einfallen ließen. Doch Mitte der 80er lässt das Interesse des Publikums immer mehr nach. Der Markt ist übersättigt, die Storys in den Filmen werden immer dünner und hanebüchener, die Fortsetzungen einzelner Filmreihen überbieten sich gegenseitig immer mehr, was die Zahl hinter dem Titel betrifft und zusätzlich kommt auch Kritik an der blutigen Ausweidung der Morde auf, wodurch das Genre in die gleiche Schmuddelecke wie der Porno-Film gestellt wird. Ende der 80er verschwindet der Slasher zusammen mit dem Horrofilm im Allgemeinen immer mehr von der Bildfläche. 1996 erlebt das Slasher-Genre dann aber seine Renaissance, nachdem mit "Das Schweigen der Lämmer" ein Horrorfilm den Oscar als bester Film gewinn,t und erhebt sich mit "Scream" von Wes Craven wie der Phönix aus der Asche. Die Filmstudios erkennen den Trend, dass ein breites Publikum wieder bereit für Gore auf der Leinwand ist und neben Remakes von Klassikern wie "Texas Chainsaw Massacre" und "The Hills have Eyes", schaffen es auch neue Werke wie "Saw" oder "Hostel", ein breites Publikum zu erreichen und letzten Endes Geld an den Kassen einzuspielen.

In "Going to Pieces" werden diese unterschiedlichen Epochen des Slashers sehr schön nachgezeichnet. Mit einer Mischung aus Bildern aus den verschiedensten Filmen, bei denen es in der Regel richtig blutig zugeht, in Verbindung mit Worten von Darstellern, Filmemachern, Produzenten und Kritikern erhält man ein gutes, wenn auch nur recht oberflächliches Bild der jeweiligen Zeit. Es ist erstaunlich, dass die zahlreichen höchst blutigen Ausschnitte, die in der Dokumentation zu sehen sind, es durch die FSK-Kontrolle geschafft haben, da diese es oftmals waren, die bei den präsentierten Filmen zu einer Indizierung, teils auch zu einer Beschlagnahmung führten. Im Kontext der Dokumentation erhielten sie die Freigabe "Keine Jugendfreigabe" von der FSK. Wer aktiv die erste Hochzeit des Slashers in den 80ern miterlebte, wird einiges an Erinnerungen aufleben lassen können, während Neulinge im Genre die Geschichte und die Grundsteine für dessen Faszination ein wenig verstehen lernen. Doch wer die zahlreich präsentierten Filme noch nicht gesehen hat, sollte gewarnt sein - zu fast jedem genannten Beitrag wird der Mörder demaskiert, was den Unterhaltungswert bei einem anschließenden Ansehen deutlich senkt. Was nicht erwartet werden darf, ist eine große Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt und der Faszination von Blut, Gedärmen und abgetrennten Gliedmaßen auf dem Bildschirm. Zwar gibt es die ein oder andere Meinungsäußerung zu diesem Thema, allerdings wird hier nur die Oberfläche leicht angekratzt. Doch dies sind dann auch schon die einzigen kleinen Kritikpunkte an einer für Genre-Fans fast schon unverzichtbaren Dokumentation, die vor allem durch zahlreiche Anekdoten der Beteiligten und eine sehr breite Vorstellung auch kleinerer Film zu überzeugen weiß und massig Nostalgie-Gefühle versprüht.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen guten Eindruck, lediglich die Ausschnitte aus den Filmen sind in unterschiedlicher Qualität vorhanden, was dem Sehvergnügen allerdings nicht schadet. Der deutsche Ton ist allerdings ein Problem. Bei der deutschen Synchro wurde sich sehr viel Mühe gemacht, es wurden professionelle und bekannte Sprecher verpflichtet. Allerdings ist der O-Ton in der Dolby-Digital-5.1-Fassung extrem leise gegenüber dem O-Ton abgemischt, was vor allem bei Filmausschnitten störend wirkt. Hinzu kommt, dass die im Hintergrund zu hörenden englischen Töne stark unsynchron zum Bild laufen, was irritiert und ablenkt. Dieses Problem besteht auch bei der ansonsten guten Dolby-Digital-2.0-Tonspur. Somit ist die beste Wahl, die rundum gut verständlich und stets synchrone englische Dolby-Digital-2.0-Variante. Bei Bedarf halt mit deutschen Untertiteln. Diese sind allerdings nicht sonderlich sorgsam erstellt worden, beinhalten sie doch zahlreiche, sehr leicht zu erkennende Grammatikfehler, die selbst bei einem flüchtigen Lesen schnell ins Auge fallen.

Als Extra gibt es einen Audiokommentar mit den Machern des Films, der allerdings keine deutschen Untertitel bereit hält. Besser fallen da schon die Interviews ins Auge, die insgesamt rund 30 Minuten Spielzeit bieten und in denen noch einmal Genreregisseure zu Wort kommen. Diesmal freundlicherweise inkl. optionalen deutschen Untertiteln. Es folgt noch ein kleines Ratespiel, das in "Anfänger" und "Fortgeschrittener" unterteilt ist, am Ende aber keine Gesamtauswertung bereit hält, sondern lediglich direkt nach jeder Frage eine Tafel über die richtige oder falsche Antwort bereit hält. Abschließend gibt es noch ein paar Worte von Buchautor Adam Rockoff, die auf 3 Texttafeln präsentiert werden.

Fazit:
"Going to Pieces" ist eine interessante und mit zahlreichen Anekdoten versehene Dokumentation über die Geschichte des Slasher-Genres. Mit zahlreichen Interviews und Ausschnitten aus den Filmen versehen, vergehen die knapp 90 Minuten wie Flug. Für den asynchronen deutschen Ton und die voller grammatikalischer Fehler steckenden deutschen Untertitel gibt es zwar Abzüge in der B-Note, doch sollte sich dadurch niemand vom Anschauen abhalten lassen, der Interesse am Slasher hat.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,78:1
1,78:1
88:05 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Produzentin Rachel Belofsky, Produzent Rudy Scalese und Schnittmann Michael Bohusz
  • Horror Trivia
  • Interviews mit John Dunning, Paul Lynch, Bob Clark, Joseph Stefano, Fred Walton, Stan Winston
  • Eine Nachricht von Autor Adam Rockoff
Going to Pieces - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Going to Pieces
Going to Pieces: The Rise and Fall of the Slasher Film

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Die Geschichte des Slashers präsentiert mit einer Vielzahl Anekdoten der Zeitzeugen


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2006
Regie:
Jeff McQueen
Drehbuch:
Jeff McQueen (basierend auf dem Buch von Adam Rockoff)
Darsteller:
John Carpenter, Sean S. Cunningham, Tom Savini, Wes Craven, Paul Lynch, John Dunning, Bob Clark, Fred Walton, Stan Winston, Herb Freed, Amy Holden Jones, Jeff Katz, Betsy Palmer, Felissa Rose, Rob Zombie, Joseph Zito

Label Deutschland :
Ascot Elite
Verkaufsstart Deutschland :
21.06.2007