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DVD-Besprechung - L.A. Crash

Story:
Es dauert 36 Stunden, bis das Leben einer Handvoll Menschen in der Großstadt L.A. auf teils fatale Weise zusammenläuft. Im Schmelztiegel der Nationen treffen Personen verschiedenster ethnischer Herkunft und unterschiedlicher Sozialschichten aufeinander und begegnen sich mit einer Mischung aus Rassismus, Vorurteilen, Verachtung, Demütigung und Gewalt. Das Ergebnis sind tragische Ereignisse, bei denen die einen mit der Erkenntnis davon kommen, dass ein bisschen mehr Freundlichkeit und Toleranz nicht schaden kann, während andere diese Erkenntnis mit dem Leben bezahlen.

Meinung zum Film:
Dem eher als Drehbuchautor bekannten Paul Haggis ("Million Dollar Baby") ist mit seinem ersten großen Kinofilm ein bewegendes Portrait über die vielen Facetten von Rassenproblemen und Vorurteilen in amerikanischen Großstädten gelungen. Denkt man bei dem Wort Rassismus zu Beginn in der Regel daran, wie weiße Amerikaner den schwarzen Teil der Bevölkerung schlecht behandeln, ausgrenzen und Gewalt gegen sie ausübt, zeigt Haggis ein weitaus vielschichtigeres Bild dieser Thematik. Wenn ein Cop bei einer Routineuntersuchung eine wohlhabende Schwarze unsittlich berührt, wobei er offiziell nach einer Waffe sucht, ist dies genau das, was man mit dem Wort in Verbindung bringt. Aber kurze Zeit später erfährt man mögliche Gründe, warum dies geschieht, und bewertet den Moment aus einer ganz anderen Sichtweise. Es gibt auch einen schwarzen Jugendlichen im Film, der hinter jeder noch so nebensächlichen Kleinigkeit eine Rassismus-Aktion vermutet, selbst den HipHop als Musik der Unterdrücker sieht, selbst aber einen Rassenhass gegen Asiaten offen zur Schau trägt. Und auch hier gibt es dazu einen ganz anderen Blickwinkel auf das Verhalten.

Doch es geht nicht allein um Rassenunterschiede, sondern auch um den Stand der einzelnen Personen in der Gesellschaft und um Vorurteile. Der Glatzköpfige und mit einem großen Tattoo versehene Sicherheitsexperte wird von allen nur schief angesehen und bekommt zu hören, dass er ohnehin nur krumme Dinger plant, obwohl er ohne jeden Zweifel ein treusorgender und grundehrlicher Familienvater ist. Die Frau des Generalstaatsanwaltes misstraut allen Nicht-Amerikanern und selbst die eigene Hausangestellte kann ihren Vorstellungen nicht annähernd gerecht werden. Dies bringt sie auch klar in ihrem Umgang mit der Bediensteten zum Ausdruck, indem sie diese sehr herablassend und wenig freundlich behandelt. Die fast ausschließlich namhaften Darsteller der Personen sind durchweg gut aufgelegt und liefern hervorragende Arbeit ab. Allen voran Matt Dillon ("Verrückt nach Mary") als vom Leben desillusionierter Cop. In weiteren Rollen spielen Sandra Bullock ("Speed"), Don Cheadle ("Hotel Ruanda"), Jennifer Esposito ("New York Taxi"), Brendan Fraser ("Die Mumie"), Terrence Howard ("Das Tribunal"), Thandie Newton ("Riddick - Chroniken eines Kriegers"), Ryan Phillippe ("Eiskalte Engel"), Larenz Tate ("Extreme Rage"), Michael Pena ("Million Dollar Baby"), Loretta Devine ("Düstere Legenden"), Marina Sirtis ("Star Trek: The Next Generation") und Keith David ("Pitch Black - Planet der Finsternis").

Die Erzählweise des Films erinnert in seiner Sprache an den Steven-Soderbergh-Film "Traffic", bei dem ebenfalls verschiedene Aktionen grundverschiedener Menschen zu fatalen Ergebnissen im Leben anderer führen. Vor allem der Soundtrack von Mark Isham ("Sag kein Wort") ist zum verwechseln ähnlich mit dem Score von Cliff Martinez. Die Musik sorgt zu einem großen Teil bei beiden Filmen dafür, dass diese eine bedrohliche Melancholie versprüht und man von Sekunde zu Sekunde spüren kann, wie sich einzelne Situationen immer mehr zuspitzen und unwiderruflich zu einem dramatischen Ende führen. Die Aussage des Filmes ist mehr als eindeutig - hinter fast jeder Aktion einer Person steht eine Geschichte und nicht immer ist das, was man sieht auch das, was wirklich dahinter steckt. Der Film ist ein Appell dafür, im Umgang mit anderen Menschen vorsichtig zu sein, da schon kleine Unfreundlichkeiten oder geringes Fehlverhalten in der Summe zu fatalen Ergebnissen führen kann. Er sagt aber auch ganz klar aus, dass es eine Sache ist, von Toleranz zu reden, aber eine ganz andere, diese auch wirklich zu leben. Paul Higgins zeigt all dies in einer sehr gefühlvoll und sehr ergreifend erzählten Geschichte, die auch nach dem Abspann noch zu langem Grübeln verleitet.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist ordentlich, kann aber in punkto Schärfe nicht ganz überzeugen. Die Farben wirken teilweise etwas blass und es ist oftmals feines Rauschen zu erkennen. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist klar verständlich und bietet wie für Dramen, die auf Dialoge setzen üblich lediglich mit der Musik etwas Räumlichkeit.

Als Extras gibt es neben einem Audiokommentar mit Regisseur Paul Haggis, Co-Drehbuchautor Bobby Moresco und Darsteller Don Cheadle nur noch einen 10-minütigen, recht werbelastigen Blick hinter die Kulissen, ein Musikvideo zum Film und den Trailer.

Fazit:
"L.A. Crash" ist ein sehr bewegender Film, der auf berührende Art und Weise zeigt, wie kleinste Aktionen zu großen Problemen führen können, wenn Menschen zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind und mit Scheuklappen für ihre Umwelt durchs Leben gehen. Am Ende wird man noch lange nachdenken, in welchen Aktionen man einen Teil von sich selbst wiedererkannt hat und wo man selbst Potential zur eigenen Veränderung erkennt.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
108:08 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Regisseur Paul Haggis, Autor Bobby Moresco und Darsteller Don Cheadle
  • Hinter der Kulissen
  • Musikvideo "If I never see you again" von Kansascalie
  • Trailer
L.A. Crash - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
L.A. Crash
Crash

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Kleine Aktionen sind oftmals Auslöser für große Krisen


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / USA, 2004
Regie:
Paul Haggis
Drehbuch:
Paul Haggis, Bobby Moresco
Darsteller:
Sandra Bullock, Don Cheadle, Matt Dillon, Jennifer Esposito, Brendan Fraser, Terrence Howard, Chris "Ludacris" Bridges, Thandie Newton, Ryan Phillippe, Larenz Tate, Michael Pena

Label Deutschland :
Universum Film
Verkaufsstart Deutschland :
09.01.2006