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DVD-Besprechung - Les Misérables

Story:
Jean Valjean (Liam Neeson) wird nach 19 Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen und arbeitet sich unter falschem Namen zum Bürgermeister einer kleinen Stadt hoch. Er lernt Fantine (Uma Thurman) kennen, sorgt jedoch, ohne dies je beabsichtigt zu haben, zum Teil mit dafür, dass sie sehr bald stirbt. An ihrem Sterbebett verspricht er, dass er sich um ihre uneheliche Tochter Cosette (Claire Danes) kümmern wird und ihr ein Leben ohne große Sorgen ermöglicht. Doch die Einhaltung dieses Versprechens ist nicht sehr leicht, da der ehemalige Gefängniswärter Javert (Geoffrey Rush) den ehemaligen Häftling, der sich mit Hilfe einer falschen Identität hochgearbeitet hat, wiedererkennt.

Meinung zum Film:
Der dänische Regisseur Bille August konnte das erste Mal mit seinem Drama "Pelle, der Eroberer", das nach einem Roman von Martin Andersen Nexø gedreht wurde, auf sich aufmerksam machen und untermauerte anschließend seinen Ruf als einer der Fähigsten seiner Gilde, wenn es um die Verfilmung von ernsten literarischen Stoffen geht. Dies gelang ihm vor allem durch die Adaptionen von Isabel Allendes "Das Geisterhaus" und Peter Høegs "Fräulein Smillas Gespür für Schnee". 1998 wagte sich der Regisseur an eine literarische Vorlage, die zu den bekanntesten und bedeutetsten Werken der literarischen Geschichte zählt: Victor Hugos "Les Misérables".

Die Rolle des tragischen Helden Jean Valjean wird durch Liam Neeson verkörpert, der für seine Darstellung des Oskar Schindler in "Schindlers Liste" mit einer Oscar-Nominierung bedacht wurde und zum Zeitpunkt des Drehs schon ein Renommee als Darsteller ernster Charaktere genoss. Mit dem Australier Geoffrey Rush ("Fluch der Karibik") stand ihm ein gestandener Theaterschauspieler in der Rolle des Inspector Javert gegenüber, der ihm in darstellerischer Hinsicht auf Augenhöhe begegnete. Valjeans Schützling Cosette wird von Claire Danes gespielt, die mit ihrer Darstellung der Julia in "Romeo & Julia" an der Seite von Leonardo DiCaprio den Durchbruch schaffte und anschließend unter anderem auch in der Literaturverfilmung von "The Hours" zu sehen war. Die Besetzung der Kernrollen mit Darstellern und Darstellerinnen, die sich im ernsten Fach bereits beweisen konnten, war eine gute Entscheidung und ist sicherlich einer der Schlüssel dafür, dass die Umsetzung des Romans gut gelingen konnte. Vielleicht etwas unkonventionell wurde die Rolle der Fantine mit Uma Thurman besetzt, die bis dato vor allem durch ihren Auftritt als Tanzpartnerin von John Travolta in "Pulp Fiction" auf sich aufmerksam machte, sich anschließend in dem bonbonbunten "Batman & Robin" als Poison Ivy ebenfalls nicht unbedingt als ernsthafte Darstellerin empfahl. Doch sie legt als Fantine eine weitestgehend gute Darstellung hin, kann aber die Zweifel nicht verfliegen lassen, dass es weitaus passendere Darstellerinnen für die Rolle gegeben hätte.

Wenn es so etwas wie eine kleine Kritik an der Verfilmung gibt, dann höchstens im direkten Vergleich zur Vorlage. Denn die moralische Entwicklung Valjeans gerät ähnlich in den Hintergrund, wie die erbärmlichen Lebensumstände der Menschen im damaligen Frankreich. Bille August hat sich entschieden, alles auf eine mehr auf Personen bezogene Story herunterzubrechen, da es in der Laufzeit eines Spielfilms schlichtweg nicht möglich wäre, allen Aspekten des Buches gerecht zu werden. So präsentierte er eine tragische Liebesgeschichte, anstelle der ganzen Tragik eines Volkes und den Kampf eines Mannes gegen seine Peiniger, anstelle eines symbolischen Kampfes gegen seine Dämonen und das erdrückende System. Doch die Adaption für die große und kleine Leinwand kann insgesamt als äußerst gelungen angesehen werden und macht aus dem Roman "Les Misérables" ein fesselndes und ergreifendes Filmerlebnis, das mit reichlich mitreißenden Momenten, ergreifenden Bildern und tragischen Schicksalsschlägen aufwartet und noch lange nach dem Ende im Gedächtnis des Zuschauers hängen bleibt.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen recht guten Eindruck. Die Schärfe scheint zwar durch einen Rauschfilter ein wenig gedrückt zu sein, was aber nur am Rande ausfällt. Gleiches gilt für leichte Schattenbildung an den Konturen. Nachdem der Film in den bisherigen Veröffentlichungen stets ohne englischen Ton auskommen musste, ist nun auch für O-Ton-Freunde die entsprechende Spur vorhanden. Die Verständlichkeit ist sowohl im Deutschen wie im Englischen gut gegeben und die hinteren Lautsprecher kommen in den Massenszenen und bei der Musik ebenfalls dezent zum Einsatz. Ärgerlich sind allerdings die fehlenden deutschen Untertitel.

Das Bonusmaterial ist relativ mager. Neben einem Werbefeaturette, das hauptsächlichen aus Szenen aus dem Film besteht und mit kurzen Interviewfitzeln ergänzt wurde, gibt es neben knappen Darstellerinfos noch einen knapp 15-minütigen Blick hinter die Kulissen und kurze Interviews mit den Hauptdarstellern.

Fazit:
"Les Misérables" ist eine ergreifende und mitreißende Adaption von Victor Hugos literarischem Klassiker. Dank der überwiegend erstklassigen Darsteller und einer dramaturgisch höchst ansprechenden Inszenierung vergehen die rund 2 Stunden Film wie im Flug.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,40:1
2,40:1
128:03 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Featurette
  • Interviews
  • Blick hinter die Kulissen
  • Darstellerinfos
Les Misrables - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Les Misérables
Les Misérables

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Zu den Barrikaden!


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Frankreich / UK, 1998
Regie:
Bille August
Drehbuch:
Rafael Yglesias (nach dem Roman von Victor Hugo)
Darsteller:
Liam Neeson, Geoffrey Rush, Uma Thurman, Claire Danes, Peter Vaughan, Hans Matheson, Reine Brynolfsson

Label Deutschland :
Constantin Film
Verkaufsstart Deutschland :
07.12.2006