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DVD-Besprechung - The Winds of War - Der Feuersturm

Story:
Victor "Pug" Henry (Robert Mitchum) ist ein typischer Marineoffizier, der zwar treu seinem Land dient, aber dessen Karriere auf dem Posten eines Captains feststeckt. Er würde gerne wieder zur See fahren, doch er wird als Militär-Attaché zum Ende der Dreißiger Jahre unter anderem nach Berlin geschickt. Er soll dort die Ereignisse beobachten, die sich an diesen Brennpunkten abspielen und berichtet unter anderem direkt dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Dabei droht seine Ehe mit seiner Frau Rhoda (Polly Bergen) zu zerbrechen. Sein Sohn Byron (Jan-Michael Vincent) verliebt sich ausgerechnet in die Jüdin Natalie Jastrow (Ali MacGraw), die ihren Onkel Aaron (John Houseman) versucht aus Italien in die USA zu schleusen. Und auch ansonsten geht in dieser Familie einiges drunter und drüber. Von den Ereignissen des bevorstehenden Krieges mitgerissen, versucht Victor dennoch alles zu kontrollieren und merkt doch, wie sehr ihm immer mehr die Kontrolle entgleitet.

Meinung zum Film:
Es gibt Romane, denen man einfach nicht mit einem normalen Film gerecht werden kann. Man würde sie regelrecht verstümmeln und so wäre es mit Sicherheit auch mit Herman Wouks "The Winds Of War" gewesen. Weit über 1.000 Seiten hatte der Autor zusammen geschrieben, als er den Roman seiner Frau zu lesen gab und doch hat er seine Geschichte in diesem Teil nicht wirklich beendet, denn sie endet kurz nach den Ereignissen in Pearl Harbor. Es ist vielleicht die einzige wirkliche Schwäche eines ansonsten unglaublich intensiven Stück Literaturs, das den Zweiten Weltkrieg in einer Intensität und einem bisher nie da gewesenen Weg beschreibt. Immerhin: Wouk führte die Geschichte weiter und 1988 wurde dann auch die Fortsetzung unter dem Titel "War and Remembrance" gedreht. Wouk hatte die Erzählung von historischen Ereignissen an das Schicksal einer Familie gebunden. Nicht einer bekannten Familie, aber einer, die trotz allem einiges mitzumischen hat. Ein Konzept, das auch und gerade bei "Fackeln im Sturm" einen ebenfalls großen Erfolg feiern würde. Aber Wouk hatte erhebliche Probleme damit seinen Stoff, den er liebte, an Hollywood oder ans Fernsehen zu verkaufen. Zu viele seiner Romane waren verfilmt und elendiglich in den Sand gesetzt worden. Und so ließ sich Wouk unglaublich viele Rechte einräumen. Er hatte immer vollen kreativen Einfluss auf die Entstehung der Verfilmung und so blieb diese Miniserie dem Original mehr als nur treu.

"The Winds Of War" war in den USA ein ähnlicher Straßenfeger, wie "Roots" oder "Die Dornenvögel". Über 54 % aller Amerikaner sahen Anfang der 80er die Ausstrahlung, das sind freilich Zahlen, von denen man heute nur noch träumen, sie aber nicht mehr erreichen kann. Kein Wunder, ist man versucht zu sagen. Mit Robert Mitchum (der fünf Jahre später die Fortsetzung mit dem Titel "War and Remembrance" drehen sollte), Ali MacGraw ("Convoy") und Peter Graves ("Mission Impossible") waren einige große Stars der damaligen Zeit mit von der Partie. Das Budget und die Ausstattung waren gigantisch, man drehte mehr als drei Jahre an dieser Miniserie, brauchte ein Jahr zum Schnitt. 1.785 Szenen auf 962 Seiten Skript wurden abgearbeitet. Ohne Zuhilfenahme von CGI-Effekten musste alles live gedreht werden, auch in Kampfszenen, von denen es reichlich gab, inklusive denen in Pearl Harbor.

Insgesamt - und das ist mithin das Wichtigste - passte bei dieser Miniserie alles zusammen. Das perfekt umgesetzte Drehbuch des Romanautors selbst, die wundervolle Regiearbeit von Dan Curtis, der ebenfalls die Fortsetzung inszenieren sollte und die darstellerische Leistung aller Schauspieler. "The Winds Of War" ist eine Miniserie, die man gesehen haben sollte, die einem den zweiten Weltkrieg kongenial nahe bringt und die durch die schiere Intensität der Erzählung, durch Ausstattung, Drehbuch und Umsetzung gefällt. Hier gibt es einfach nichts auszusetzen, auch wenn man satte 720 Minuten investieren muss, um alles gesehen zu haben. Aber die lohnen sich, um sich einen Meilenstein der amerikanischen Film- und Fernsehgeschichte nicht entgehen zu lassen.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist leider durch ein starkes Rauschen geprägt. Das stört speziell auf großformatigen Bildschirmen. Auch der Kontrast ist negativ zu beurteilen. Die Farben wirken hingegen recht gut, sehen lebendig und real aus. Der Ton liegt in Deutsch und Englisch freilich nur in Dolby Digital 2.0 vor. Der deutsche Ton wirkt durch die besser zu hörenden Hintergrundgeräusche deutlich dynamischer. Dafür passen sich hier die Stimmen nicht so gut in den Hintergrund ein. Die Kapitelanwahl hätte deutlich besser ausfallen müssen. Anstatt ein Kapitel direkt nach dem Vorspann zu setzen, liegt das erste Kapitel bei einer Spielzeit von ca. 15 Minuten. Dadurch kann man nur sehr eingeschränkt den Vorspann überspringen.

Das Bonusmaterial ist sehr umfangreich. Auf insgesamt mehr als 80 Minuten verteilen sich vier Dokumentationen. Ein Making Of erzählt Grundsätzliches über die Herstellung der Miniserie, die zum Großteil in und um Zagreb entstanden ist. In der Dokumentation "Ein Roman fürs Fernsehen" erzählt der Autor des Romans und des Screenplays Herman Wouk, wie er an die Herstellung des Drehbuchs herangegangen ist. Eine weitere Dokumentation beschäftigt sich mit der Besetzung und den Figuren und zum Schluss wird auch noch einiges über die Drehorte erzählt. Dabei kommen zum Teil Interviews von 1983 zum Einsatz, zum Teil aber auch solche, die in jüngster Zeit gedreht wurden. Schade ist nur, dass Robert Mitchum nicht zu Wort kam. Der hasste nämlich Interviews im Allgemeinen und während der Dreharbeiten im Besonderen.

Fazit:
"The Winds Of War" ist eine Miniserie, die man sich genauso wenig entgehen lassen sollte, wie "Fackeln im Sturm". Geschichte wird hier sehr lebendig und gut wiedergegeben und anhand einer Familie transparent und glaubhaft erzählt. Hier kann man den Zweiten Weltkrieg einmal nicht einfach nur aus der Sicht der Armeen, sondern aus der Sicht von menschlichen Schicksalen erleben.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
7 Episoden mit insgesamt rund 720 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Making Of "Der Feuersturm"
  • Ein Roman fürs Fernsehen
  • Besetzung und Figuren
  • Die Drehorte
The Winds of War - Der Feuersturm - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
The Winds Of War - Der Feuersturm
The Winds Of War

Bild unseres Mitarbeiters Bernd Glasstetter
Stürmische Liebe in stürmischen Zeiten


Autor der Besprechung:
Bernd Glasstetter

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1983
Regie:
Dan Curtis
Drehbuch:
Herman Wouk
Darsteller:
Topol, Ali MacGraw, David Dukes, Jan-Michael Vincent, John Houseman, Lisa Eilbacher, Peter Graves, Polly Bergen, Ralph Bellamy, Robert Mitchum

Label Deutschland :
Polyband
Verkaufsstart Deutschland :
27.07.2007