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DVD-Besprechung - Ich bin ein Elefant, Madame
Story:
Im Jahre 1968 greifen die Studentenproteste auf ein Gymnasium in Bremen über. Innerhalb der Schülerschaft formiert sich ein Widerstand gegen die verfestigten, autoritären Erziehungs- und Unterrichtsmethoden. Während die Schülerschaft versucht, ernsthafte Protestaktionen ins Leben zu rufen und mit der Lehrerschaft in den Dialog zu treten, nutzt der Schüler Rull (Wolfgang Schneider) jede sich bietende Gelegenheit, um die Lehrkräfte der Schule zu provozieren. Als Rull jedoch wegen einer "Hakenkreuzschmiererei" der Schule verwiesen werden soll, solidarisieren sich die Schüler mit ihm. Rull bleibt jedoch nur sich selbst treu, weist die Hilfe zurück, und akzeptiert den Verweis.
Meinung zum Film:
"Ich bin ein Elefant, Madame" ist eine freie Adaption des Romans "Die Unberatenen von Thomas Valentin". Der Film stellt das Kinodebüt von Theaterregisseur Peter Zadek ("Die Geisel") dar, der diesen Stoff bereits drei Jahre zuvor für das Theater inszenierte. Bei seiner Kinopremiere erhielt der Film eine Altersfreigabe ab 18 Jahren und wurde in einer Sexszene entschärft. Der Film wurde bei den 19. Internationalen Filmfestspielen von Berlin mit dem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet. Außerdem gewann der Film beim 19. Deutschen Filmpreis das Filmband in Gold für die beste Regie und für den besten Nachwuchsdarsteller, Wolfgang Schneider als Rull. Peter Zadek wurde im Jahr 2002 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt und erhielt 2006 die Medaille für Kunst und Wissenschaft der Stadt Hamburg.
"Ich bin ein Elefant, Madame" verlagert den Fokus, der vor allem von Studenten und Bürgerrechtlern getragenen 68er-Bewegung, auf ein einzelnes Bremer Gymnasium, dessen Schüler die Proteste und Ideen der Bewegung aufgreifen. Die beiden sich grundsätzlich gegenüberstehenden Pole sind dabei der konservative Lehrkörper einerseits und die revolutionär eingestellte Schülerschaft auf der anderen Seite. Innerhalb der Lehrerschaft gibt es jedoch Risse und verschiedene Positionierungen, neben Ewiggestrigen, wie dem Direktor, gibt es auch progressive Kräfte, wie den Vizerektor Dr. Günther Nemitz (Heinz Baumann). Auf der Seite der Schüler nimmt Rull eine besondere Rolle ein. Sein einziges Ziel ist die Provokation, an einem Dialog mit den Lehrkräften ist er nicht interessiert. Im Gegenteil, er sabotiert sogar dementsprechende Aktionen seiner Mitschüler. Rull ist nicht bereit, sich für die Ziele einer der beiden Gruppen einspannen zu lassen und praktiziert, ohne Absprache mit den anderen Schülern, seine eigenen Formen des Protestes. Beispielsweise setzt er sich in eine Vitrine mit dem Etikett "Kiwi" und meint zu den irritierten Lehrern, "Beweisen sie mir mal objektiv, dass ich kein Kiwi bin!". Der Schlusspunkt, den Rull setzt, sorgt jedoch für eine ungleich größere Aufmerksamkeit. Er malt ein großes Hakenkreuz an eine Wand des Schulgebäudes. Als ihm deshalb der Rausschmiss droht, solidarisieren sich die Schüler mit ihm und drohen den Lehrern mit Schulstreik. Rull gibt die Veranstaltung jedoch durch sein eigenes Verhalten der Lächerlichkeit preis.
"Ich bin ein Elefant, Madame" ist vor allem das Zeitzeugnis einer sehr lebendigen und aufgeheizten Epoche. Während inhaltlich autoritäre Strukturen in Frage gestellt werden, bewegt sich der Film auch inszenatorisch auf äußerst progressiven Pfaden. Entstanden ist dabei ein Popgemälde mit teils surreal anmutender Bildsprache und wilden Montagen einzelner Szenen, deren Komposition nicht immer kohärent wirkt. Unterlegt wird das ganze durch schmissige Musik von Velvet Underground und Andy Warhol. Der Film arbeitet immer wieder mit Texteinblendungen, Szenenwechsel werden oft durch einen weißen Bildschirm und die Schulklingel eingeleitet. Die Diskrepanz der inhaltlich hochtrabenden und tiefgründigen Gesellschaftskritik der Schüler einerseits und ihren eher spielerisch-naiven, konkreten Protestaktionen ist dabei offenkundig. Am Ende mixt Regisseur Peter Zadek Film und Wirklichkeit, wenn er, anlässlich der Hakenkreuzschmierereien, reale Interviews mit Passanten in den Film integriert.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild weist ein stärkeres Rauschen auf, kann aber insgesamt in Anbetracht des Alters des Films durchaus überzeugen. Die Verständlichkeit der deutschen Tonspur wird ein wenig durch ihren blechernen und dumpfen Klang beeinträchtigt und ist somit nicht immer optimal.
Die DVD enthält einen Trailer zum Film, eine Fotogalerie, den Werberatschlag und ein rund 32 Minuten dauerndes Interview mit dem Regisseur Peter Zadek. In diesem interessanten Interview äußert sich Zadek zu seinem eigenen Werdegang, zu den Arbeiten an dem Film "Ich bin ein Elefant, Madame" und den damaligen Verhältnissen. Abgerundet werden die Extras im DVD-ROM-Teil durch das 15-seitige Presseheft im PDF-Format.
Fazit:
"Ich bin ein Elefant, Madame" ist vor allem ein Spiegel seiner Entstehungszeit. Handwerklich bewegt sich der Film dabei abseits normaler Sehgewohnheiten und ist sehr gewöhnungsbedürftig, zumal der Inhalt klar gegenüber der Form zurückstecken muss. Der Film zehrt aber vor allem von dem immensen Kontrast zwischen den verfestigten, steifen und völlig unreflektierten Lehrmethoden und den äußerst lebendig vorgetragenen, ideologisch aufgeheizten Protestäußerungen einer Generation, die sich in dieser Gesellschaft vollkommen übergangen fühlte.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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95:09 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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- Interview mit Regisseur Peter Zadek
- Trailer
- Fotogalerie
- Werberatschlag
- Presseheft (DVD-ROM)
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Ich bin ein Elefant, Madame
Ich bin ein Elefant, Madame
Die Schule als Verfestigung überkommener, autoritärer Machterhaltungsstrukturen
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1969 Regie: Peter Zadek Drehbuch: Peter Zadek, Robert Muller, Wolfgang Menge, Thomas Valentin Darsteller: Heinz Baumann, Wolfgang Schneider, Rolf Becker, Werner Dahms, Ilja Richter, Georg M. Fischer
Label :
Arthaus
Verkaufsstart : 27.04.2007
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