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DVD-Besprechung - In jenen Tagen
Story:
Im Jahre 1945, kurz nach Ende des 2. Weltkriegs, schlachten die beiden deutschen Mechaniker Karl (Erich Schellow) und Willi (Gert E. Schäfer) inmitten von Trümmern einen alten Opel Olympia aus. Währenddessen beginnt das Fahrzeug seine "Lebensgeschichte" in der Zeit von 1933 bis 1945 zu erzählen, in der es sieben verschiedene Besitzer hatte. Ausgangspunkt dieser Episoden sind dabei jeweils Gegenstände, auf die Karl und Willi während ihrer Arbeit im oder am Fahrzeug stoßen. In jeder dieser Episoden erzählt das Auto von Personen, die sich auch während der Schreckenszeit des Nationalsozialismus ihre Menschlichkeit bewahrt haben.
Meinung zum Film:
Helmut Käutners "In jenen Tagen" hebt sich vom typischen deutschen Nachkriegsfilm deutlich ab und ist einer der ersten Filme, der sich ernsthaft mit der jüngeren, düsteren deutschen Vergangenheit beschäftigte. Es sind deutliche Einflüsse des italienischen Neorealismus erkennbar, hier wie dort wird die ungeschönte Realität, das Leid, sowie die Unterdrückung unter der unmenschlichen Diktatur thematisiert. Anhand einzelner ausgewählter Episoden wird das kollektive Schicksal der Menschen unter der NS-Diktatur nachgezeichnet. Aufgrund dieser Umstände gilt "In jenen Tagen" als thematisch und filmhistorisch bedeutsam, er befindet sich u.a. im Medienkatalog der Bundeszentrale für politische Bildung und wurde mit dem Prädikat "Besonders wertvoll" ausgezeichnet.
Der Film beginnt mit einem Disput der beiden Mechaniker über die Frage, ob es überhaupt noch "Menschen" gebe und wo diese während der NS-Diktatur gewesen seien. In diesem Moment beginnt sich der Opel Olympia, für beide unhörbar, in das Gespräch einzumischen. Anhand seiner eigenen Geschichte zeigt er auf, dass es auch in dieser düsteren Zeit Menschen gegeben hat, deren Menschlichkeit stärker war als der Zeitgeist, Menschen, die sich ihre moralische Integrität auch in Zeiten tiefster Amoralität erhalten haben. Die Thematik der einzelnen Episoden verfügt dabei über eine große Bandbreite. Der Film folgt dem Schicksal eines politischen Gegners der Nationalsozialisten, der vor ihnen fliehen muss, einem Komponisten, dessen Schöpfungen plötzlich als "entartet" gelten, einem Geschäftsmann, der mit seiner jüdischen Frau in die Pogromnacht des 9. November 1938 hineingerät, dem Schicksal eines verhafteten Widerstandskämpfers und seiner Frau, oder auch einer jungen Mechanikerin, die versucht, kurz nach dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 der von "Sippenhaft" bedrohten Mutter eines der beteiligten Offiziere zur Flucht zu verhelfen.
Das Ziel von Helmut Käutner war es einerseits, die Verbrechen des Nationalsozialismus bei den Menschen in Erinnerung zu rufen, andererseits aber auch aufzuzeigen, dass zu dieser Zeit nicht alle Menschen Verbrecher waren. Es geht ihm nicht um eine Verharmlosung oder Marginalisierung der furchtbaren Geschehnisse, sondern um einen Appell an die, und an eine Würdigung der Menschlichkeit. Helmut Käutner gelingt dabei meisterlich die Gratwanderung zwischen Unterhaltung einerseits und kritischer Darstellung andererseits. Sicherlich hätte der Film 1947 bei einer ausschließlich selbstkritischen Darstellung, mit einer Betonung der sogenannten "Kollektivschuldthese", so gut wie niemanden in die Kinos gelockt, waren doch zu dieser Zeit große Teile der Bevölkerung bereits desillusioniert und perspektivlos. Die Darstellung ist dann auch lange nicht so drastisch und schonungslos wie in späteren Antikriegsfilmen oder Kriegsdramen. Es gibt keine brutalen Verhöre der SS, Konzentrationslager oder Kriegsverbrechen zu sehen, jedoch enden die einzelnen Episoden alles andere als glücklich, und oft auch mit dem Tod der Protagonisten. Sie illustrieren, wie schwerwiegend die allgegenwärtige Diktatur in das tägliche Leben der Menschen eingriff. Die Person Adolf Hitler bleibt im Film völlig außen vor, es ist lediglich einmal vom "neuen Reichskanzler" die Rede und auch die Titelwahl des Films selbst zeigt schon eine gewisse Distanz zum politischen Geschehen. So handelt es sich bei "In jenen Tagen" letztendlich um eine kritische Rückschau, die auch einen Ausblick auf eine bessere Zeit gewährt, eine Art Aufbruchsstimmung transportiert. Nicht die Systemkritik steht im Vordergrund, sondern Einzelschicksale und Menschen mit einer nicht korrumpierbaren Moral, die politische Situation verbleibt als Hintergrund. Genau an dieser Stelle kann jedoch auch kritisch angesetzt werden, da der historisch-politische Rahmen, hier der Nationalsozialismus, doch recht austauschbar erscheint und dem Unterhaltungscharakter des Films gegenüber leicht zurücktreten muss.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild weist erstaunlich wenig Verschmutzungen auf, dafür aber ein ständiges, stärkeres Rauschen. Angesichts der Tatsache, dass der Film beinahe 60 Jahre alt ist, kann man mit der gebotenen Qualität jedoch zufrieden sein. Der Ton ist gut verständlich, wird aber durch ein leichtes Hintergrundrauschen ein wenig beeinträchtigt.
Die DVD enthält lediglich eine Biographie von Helmut Käutner mit 11 Texttafeln als Extra.
Fazit:
"In jenen Tagen" beeindruckt durch wirklichkeitsnahe, ungeschminkte Einblicke in Leid und Elend während der Zeit der Diktatur des Nationalsozialismus. Der Film appelliert dabei an die Menschlichkeit und zeigt auf, dass es auch in den dunkelsten Stunden der Geschichte immer ein Licht gegeben hat, dass sich der Finsternis und Amoral in den Weg stellte, auch wenn es diese nur im Einzelfall durchdringen konnte.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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98:10 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 1.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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- Biographie von Helmut Käutner
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In jenen Tagen
In jenen Tagen
Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1947 Regie: Helmut Käutner Drehbuch: Helmut Käutner, Ernst Schnabel Darsteller: Gerd E. Schäfer, Erich Schellow, Willy Maertens, Karl John, Carl Raddatz, Hermann Speelmans
Label :
Arthaus
Verkaufsstart : 15.12.2006
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