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Die Welt in 10 Millionen JahrenAbgehört - Trau niemals einem CopNine

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DVD-Besprechung - Malastrana

Story:
Der amerikanische Reporter Gregory Moore (Jean Sorel) wird tot in Prag aufgefunden. Obwohl der Herzschlag ausgesetzt hat und die Mediziner den Tod feststellen, will die Leichenstarre nicht einsetzen und auch die Körpertemperatur sinkt nicht ab. Moore selbst ist bei vollem Bewusstsein, allerdings nicht in der Lage, auch nur einen einzigen Muskel zu bewegen. In seiner misslichen Lage versucht er sich zu erinnern, wie er in den jetzigen Zustand geraten ist. Er kann sich noch daran erinnern, wie er seine Verlobte Mira (Barbara Bach) suchte, die auf mysteriöse Weise bei einem Besuch in Prag verschwand.

Meinung zum Film:
Malastrana ist ein sehr alter Bezirk von Prag, in dem einige der ausschweifenden Behausungen der Reichen zu finden sind. Regisseur Aldo Lado ("The Child - Die Stadt wird zum Alptraum") siedelte in dieser Gegend seinen Thriller an, der über weite Strecken wie ein Giallo funktioniert, gegen Ende aber immer mehr zu einem Sekten-Horror wird. Bei seinen Bildern beweist der italienische Regisseur erneut seine außerordentlichen Fähigkeiten, die Gegebenheiten einer Stadt für die Stimmung zu nutzen. Zu Beginn zeigt er ein malerisches Prag durch einen langsamen Schwenk über das Panorama der Stadt. Doch umso länger der Film dauert, desto mehr weicht die beschauliche Schönheit der bedrohlichen Stimmung von engen Gassen und düster erscheinenden Ecken jenseits der bekannten Örtlichkeiten aus der ewigen Stadt.

Für reichlich gute Stimmung sorgt auch wieder einmal der träumerische Soundtrack von Ennio Morricone ("Spiel mir das Lied vom Tod"), der die gewohnte chorale Einlage zum Träumen bietet, welche diesmal im Hintergrund von einer Melodie begleitet wird, die ein wenig an die bekannten Wiener-Kaffeehaus-Klänge erinnert. Bei den Darstellern hinterlässt der Giallo-erprobte Hauptdarsteller Jean Sorel ("Nackt über Leichen") einen gewohnt guten Eindruck und harmoniert prächtig mit der noch jungen Kollegin Barbara Bach ("Der Spion, der mich liebte") und dem gebürtigen Schweizer Mario Adorf ("Milano Kaliber 9"), der seinerzeit eine Größe im Italo-Film war. In einer kleinen Nebenrolle ist auch der heutige "König von Mallorca", Jürgen Drews zu sehen, der später in dem Italo-Action-Kracher "Das Syndikat" noch einmal in einem Film mit Mario Adorf auftreten durfte und dort eine etwas tragendere Rolle als diesmal als Straßenmusikant hat.

Die Geschichte von "Malastrana" fesselt von der ersten Minute an, hat allerdings so manche Richtungsänderung zu überstehen und auch inhaltlich ist nicht alles immer ganz nachvollziehbar und erscheint stellenweise auch schon einmal etwas albern, wie etwa der Gefühlstest bei einer Tomate mittels eines Widerstandsmessers. Der Einstieg in den Film ist durch den Scheintod von Gregory Moore sehr interessant gestaltet und gemeinsam mit ihm erfährt man als Zuschauer von Szene zu Szene immer mehr von den vorgehenden Ereignissen. Unterbrochen werden diese Erinnerungen durch Untersuchungen der Ärzte und einer kurzen Bilderflut mit Erinnerungsfetzen. Umso mehr die Vergangenheit aufgerollt wird, desto mehr verwandelt sich die Geschichte von einem spannenden Giallo in einen übernatürlichen Sekten-Horror. Und dieser Stilwechsel ist dann vielleicht der einzige störende Punkt, da dieser Umschwung zwar sehr fließend und sanft durchgeführt wird, in der Nachbetrachtung aber etwas unharmonisch erscheint. Wer aber schon Lados "The Child", der auch auch unter seinem englischen Titel "Who saw her die?" bekannt ist, kennt und mag, sollte sich "Malastrana" auf gar keinen Fall entgehen lassen. Beide Filme sind in ihrer Inszenierung und dem Spannungsaufbau recht ähnlich und beide bauen eine sehr schöne Atmosphäre durch ihren jeweiligen Drehort auf.

Digitale Aufarbeitung:
Die Restaurierung des Bildes ist sehr gut gelungen und lässt keine Wünsche offen. Ein klein wenig anders sieht dies beim deutschen Ton aus, der leicht verrauscht und etwas dumpf daherkommt. Am störendsten fällt jedoch auf, dass die Musik an manchen Stellen klar vernehmlich leiert. Der englische Ton wirkt insgesamt ein wenig dumpfer, hat dafür aber nicht die anderen Makel im Klangbild.

Beim Bonusmaterial hat man sich wieder richtig Mühe gegeben. So gibt es einen Audiokommentar mit Jürgen Drews. Was sich auf den ersten Blick vielleicht wie eine Schnapsidee anhören mag, stellt sich im Ergebnis als recht interessant heraus. Der "König von Mallorca" hat so manche Anekdote über die italienische Art, Filme zu machen, seine Kollegen vom Dreh und seine Beteiligung an "Das Syndikat" parat. Den Rest der Zeit weiß er mit netten Anekdoten über sich und sein Leben zu füllen. Das knapp 30-minütige Interview mit Mario Adorf bietet weitaus mehr Möglichkeiten, über das Italo-Kino der späten 60er- und frühen 70er-Jahre zu erfahren, das Fernab des perfekt durchgeplanten und abgesicherten Filmemachen der heutigen Zeit stand. Es folgen noch der Trailer zum Film und eine Bildergalerie mit Posterartwork und Aushangfotos. Des Weiteren lieg ein 8-seitiges Booklet mit Filmbildern und einem Text von Giallo-Kenner Christian Kessler bei. Die Beiträge sollte man sich auf keinen Fall vor dem Film ansehen, bzw. anhören, da dort so mancher Spoiler zum Film enthalten ist.

Fazit:
"Malastrana" ist ein weiterer höchst atmosphärischer Film von Aldo Lado, der ähnlich unterhaltend und ansprechend ausfällt wie sein "The Child". Auch wenn der Giallo zum Ende hin immer mehr in die Stilrichtung des Sekten-Horrors wechselt, sollten Anhänger des italienischen Thriller-Genres sich in den Bezirk der ewigen Stadt entführen lassen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
92:43 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Jürgen Drews
  • Abenteuer Filme machen: Mario Adorf erzählt
  • 8-seitiges Booklet
  • Englischer Kinotrailer
  • Bildergalerie mit Werbematerial
Malastrana - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Malastrana
La corta notte delle bambole di vetro

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Ein gelungener Beitrag zum Giallo-Mystery-Kino von Regisseur Aldo Lado


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Italien / Jugoslawien, 1971
Regie:
Aldo Lado
Drehbuch:
Aldo Lado
Darsteller:
Jean Sorel, Barbara Bach, Mario Adorf, Ingrid Thulin, Fabijan Sovagovic, José Quaglio, Relja Basic

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verleihstart Deutschland :
21.04.2006
Verkaufsstart Deutschland :
21.04.2006

Vertrieb Schweiz :
Koch Media Entertainment
Verleihstart Schweiz :
21.04.2006
Verkaufsstart Schweiz :
21.04.2006