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DVD-Besprechung - John Cassavetes Collection
Story:
Schatten:Ben (Ben Carruthers), Lelia (Lelia Goldoni) und Hugh (Hugh Hurd) sind Afro-Amerikaner und Geschwister. Während Hugh, der Älteste, versucht als Jazz-Sänger erfolgreich zu sein, hängt der nur schwach pigmentierte Ben den ganzen Tag mit seinen weißen Freunden herum und versucht Frauen aufzureißen. Lelia hingegen, ebenfalls nur schwach pigmentiert, verliebt sich in einen Weißen, als der jedoch ihre Familie kennen lernt, ist er geschockt und will sie verlassen.
Gesichter:Die Ehe von Richard (John Marley) und Maria Forst (Linn Carlyn) ist zerrüttet. Nach einer heftigen Auseinandersetzung zwischen beiden verbringt Richard die Nacht mit dem Callgirl Jeannie (Gena Rowlands), während Maria den Aufreißer Chet (Seymour Cassel) mit nach Hause bringt. Am Morgen danach treffen beide wieder aufeinander.
Eine Frau unter Einfluss: Nick (Peter Falk) und Mabel Longhetti (Gena Rowlands) sind verheiratet und haben drei Kinder. Während Nick beinahe rund um die Uhr als Vorarbeiter schuftet, muss Mabel die Kinder und das Haus hüten. Mabels Geisteszustand ist jedoch äußerst labil, sie ist starken Stimmungsschwankungen unterworfen und hypernervös. Unter Druck flüchtet sie sich in kindlich anmutende Verhaltensmuster und wird dabei so emotional, dass sie an den Rand eines Nervenzusammenbruchs gerät.
Meinung zum Film:
John Cassavetes ("Teufelskreis Alpha") dürfte den meisten Menschen vor allem als Schauspieler bekannt sein, z.B. als Ehemann von Mia Farrow in "Rosemaries Baby" oder als eines der Mitglieder des militärischen Himmelfahrtskommandos in "Das Dreckige Dutzend". Cassavetes war jedoch auch als Regisseur sehr aktiv und gilt als Begründer der Independent-Szene in den USA. Seine Filme brachen mit den üblichen Hollywood-Konventionen. Im Mittelpunkt stehen die Darsteller, die mit vielfältigen Freiheiten ausgestattet sind und verbunden mit der sehr dynamischen Kameraführung, den Zuschauer hautnah am Geschehen teilnehmen lassen. Im Fokus steht keine eng gefasste Hintergrundgeschichte, sondern der Zuschauer wird ins kalte Wasser geworfen und Zusammenhänge und Inhalte sind erst im Kontext der Handlungen der Darsteller interpretierbar.
"Schatten" war 1959 das Regiedebüt von John Cassavetes. Es handelt sich um einen Film, der weniger eine strukturierte Geschichte entwickelt und weiterverfolgt, als vielmehr Situationen betonen und Stimmungen einfangen will. Der gesamte Film ist mit getragener Jazz-Musik unterlegt und verfügt über viele heftige, abgehackte Schnitte. Verbunden mit der Konzentration auf einzelne Situationen führt dies zu einem wenig kohärent wirkenden Gesamtwerk. Der Film wirkt tatsächlich relativ improvisiert, was auch gewollt ist, wie am Ende zu lesen ist - "The film you have just seen was an improvisation", wirklich improvisiert war er jedoch keineswegs. Es gelang zwar in wenigen Szenen, wirklich sehr gut bestimmte Stimmungen einzufangen, dazwischen herrscht aber, trotz der geringen Laufzeit, immer wieder viel Leerlauf. Die dargestellten Geschehnisse sind weder sonderlich spektakulär, noch einzigartig. Die Dialoge hingegen wirken teilweise sehr flach. Die Charaktere besitzen keine sonderliche Tiefe und bedeutungsschwangere Diskussionen werden abgebrochen oder verlaufen im Sand. Letztendlich bleibt eine mit oberflächlicher Rassismus-Kritik unterlegte Momentaufnahme dreier Geschwister, die alle mehr oder weniger vergeblich ihrem Glück hinterher jagen. "Gesichter" ist der eindeutig schwächste Film der Box. Besonders störend sind die unglaublich hektische Kameraführung, sowie die extrem albernen Dialoge. Die Hauptperson Richard Frost scheint sich für einen begnadeten Komiker zu halten und penetriert Zuschauer und Charaktere mit die Grenzen zur Peinlichkeit locker überschreitenden Kalauern, für die der Ausdruck "debil" Schmeichelei wäre. Hinzu kommt noch das häufige Grimassenschneiden und das begleitende, vulgäre Gelächter. Der Film besteht dann auch größtenteils aus diesen langatmigen Dialogen ohne Sinn und Verstand, unterlegt mit etlichen Close-Ups bis zur Unschärfe. Inhaltlich hat der Film sehr wenig zu bieten und erschöpft sich in der Darstellung der Eskapaden des Ehepaares und auch die Konfrontation am Ende kann keinerlei Dramatik mehr in den Film hineintragen. Gerade aufgrund des Dramencharakters von "Gesichter" wirkt der aufgesetzte, flache Humor extrem fehl am Platz.
Das Highlight der Box ist unbestritten "Eine Frau unter Einfluss" aus dem Jahre 1974. Dieser Film schildert ein beispielloses emotionales Chaos und thematisiert die Liebe als Destruktivkraft. Die Hauptperson Mabel liebt zu sehr, will es allen recht machen, die perfekte Mutter, Hausfrau und Gastgeberin sein, zerbricht daran jedoch psychisch. Angesichts ihrer Lebensumstände stellt sich jedoch die Frage, ob wirklich (nur) sie verrückt ist, oder nicht vielmehr ihre Umwelt, beispielsweise ihr hochgradig reizbarer und aggressiver Ehemann oder ihr verklemmter Nachbar. Gena Rowlands ("Gloria, die Gangsterbraut") bietet in der Hauptrolle ein grandioses und hochgradig emotionales Schauspiel, das vor allem von der Körpersprache her äußerst überzeugend gerät. Aber auch Peter Falk ("Columbo") nutzt die sich bietende Gelegenheit, um ganz groß, zwischen unterdrückter Verzweiflung und überschäumender Wut aufzuspielen. Leider zerstört die quälend langsame Erzählweise einen Großteil der interessanten Figurenkonstellation, bzw. -konfrontation, sowie der imposanten schauspielerischen Leistungen. Es mangelt vor allem an einer Zuspitzung der Ereignisse hin zu einem, oder auch mehreren Höhepunkten, und auch die komplette Ausblendung der Hintergrundgeschichte und Motivation der Hauptakteure schadet dem Film.
Digitale Aufarbeitung:
"Schatten" verfügt über ein stark verrauschtes, sehr körniges Bild, auch Beschädigungen, Verschmutzungen und leichte Jump-Cuts sind vorhanden, was wohl dem schlechten Ausgangsmaterial geschuldet ist. "Gesichter" präsentiert sich noch grobkörniger und auch das Bildrauschen ist hier noch etwas heftiger. "Eine Frau unter Einfluss" präsentiert sich hingegen deutlich verbessert und besitzt lediglich noch ein leichtes Bildrauschen. Beide Tonspuren von "Schatten" weisen ein leichtes Rauschen auf und auch "Gesichter", das nur in englischer Sprachfassung mit wahlweise deutschen Untertiteln vorliegt, rauscht relativ stark. "Eine Frau unter Einfluss" hingegen klingt wiederum deutlich verbessert.
Als Extra gibt es lediglich ein sehr interessantes, in Schwarz-Weiß gehaltenes, 24-seitiges Booklet.
Fazit:
Die Box ist für Fans von John Cassavetes sicherlich eine absolute Empfehlung. Allen anderen wird jedoch zunächst die nicht DVD-gerechte Qualität von "Schatten" und "Gesichter" übel aufstoßen, weiterhin auch das Fehlen von Extras auf der DVD. Während "Schatten" vor allem als Frühwerk interessant ist, kann "Gesichter" überhaupt nicht überzeugen. "Eine Frau unter Einfluss" dürfte hingegen auch Nicht-Kenner von Cassavetes am ehesten ansprechen, hat aber auch einige Schwächen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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78:33/124:36/140:28 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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Schatten / Gesichter / Eine Frau unter Einfluss
Shadows / Faces / A woman under the influence
Für Cassavetes-Fans ein Muss, für den Otto-Normal-Verbraucher eher nicht!
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1959/1968/1974 Regie: John Cassavetes Drehbuch: John Cassavetes Darsteller: Gena Rowlands, Peter Falk, John Marley, Fred Draper, Ben Carruthers, Leila Goldoni
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 15.12.2006
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