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DVD-Besprechung - Maria full of grace - Maria voll der Gnade

Story:
Maria Alvarez (Catalina Sandino Moreno) macht eine nicht ganz einfache Phase in ihrem Leben durch. Gerade hat sie ihren Job gekündigt, weil ihr die herablassende Art, mit der sie ihr Vorarbeiter behandelt, gegen den Strich ging und dann muss sie auch noch feststellen, dass sie von ihrem Freund, den sie im Grunde gar nicht liebt, schwanger ist. Ein flüchtiger Bekannter bietet ihr in dieser Zeit an, ihr einen Job zu vermitteln - als sogenanntes Maultier soll sie dabei Drogen von Kolumbien nach New York schmuggeln. An sich eine sichere Sache, da die Drogen gut verpackt verschluckt und am Zielort wieder auf natürliche Weise ausgeschieden werden. Zumindest ist das, was man Maria erzählt.

Meinung zum Film:
Jedes Jahr gibt es immer wieder eine Handvoll kleinerer Independent-Produktionen, die so manches Big-Budget-Werk in den Schatten stellen und Kritiker und Publikum gleichermaßen begeistern. Einer dieser Beiträge ist "Maria Voll der Gnade". Auf beeindruckende Weise und ohne viel Kitsch oder unnötiger Sentimentalitäten zeigt er das Schicksal einer jungen kolumbianischen Frau, die versucht, aus der Armut auszubrechen und sich ihr eigenes Leben jenseits der ausbeutenden Fabriken aufzubauen. Mit einer Mischung aus jugendlicher Naivität und Verzweiflung, gepaart mit Marias Sturheit, erleidet sie ein Schicksal, wie es sicherlich täglich jungen Frauen in Südamerika wiederfährt. Was Maria aber zu etwas besonderem macht, ist ihre Art, sich nicht einfach in ihr Schicksal zu ergeben, sondern aufrecht zu stehen und zu kämpfen.

Dargestellt wird Maria durch Catalina Sandino Moreno, die ihr schauspielerisches Debüt mit der Hauptrolle hinlegte. Ein unglaubliches Debüt, das die junge Frau mit reichlich Nominierungen und Auszeichnungen versah. Neben dem Gewinn des goldenen Bären wurde sie auch für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert. Eine Ehre, auf die manche Darstellerin ein Leben lang vergebens wartet. Doch die Ehrungen kommen nicht von ungefähr. Denn ein Großteil zum Gelingen des Films liegt an der natürlichen Ausstrahlung seiner Hauptdarstellerin. Wenn sie sich auf den Weg begibt, um die Schmuggelware aufzunehmen, läuft es einem eiskalt den Rücken herunter. Eine regelrechte Ohnmacht macht sich beim Zusehen breit, als Maria die kleinen Drogenpakete unter größter Qual schluckt. Doch im Vergleich zu dem, was noch kommt, ist dies nur ein harmloses Kinderspiel. Die Klasse von Catalina Sandino Moreno wird ganz besonders dann offenbar, wenn sie gemeinsam mit der ebenfalls debütierenden Yenny Paola Vega, welche Marias beste Freundin Blanca spielt, vor der Kamera steht. Zwischen den Leistungen liegen Welten, was sehr schnell offenbar wird.

Regisseur und Drehbuchautor Joshua Marston schafft es in seinem ersten abendfüllenden Spielfilm eindrucksvoll, die Gefühlslage und die Welt aus Sicht seiner Hauptdarstellerin für das Publikum greifbar zu machen. Man kann ihre Aktionen nachvollziehen, selbst wenn man diese nicht immer gut heißen kann. Was Marston sehr gut vermittelt, ist ein authentisch erscheinendes Bild einer durchschnittlichen Familie. Er führt vor Augen, wie gut es den meisten Menschen in unseren Längen- und Breitengraden geht und wie verwöhnt wir im Grunde sind, verglichen mit den Verhältnissen in Kolumbien. An Hand der Figur Maria, die beileibe nicht dumm ist, kann man auch erkennen, wie verzweifelte Menschen sich von skrupellosen Rauschgiftschmugglern missbrauchen lassen und für ein paar Dollar ihr Leben und ihre Zukunft aus lauter Verzweiflung aufs Spielen setzen. Vielen wird sich sicherlich am Ende die Frage stellen, inwieweit man selbst in solch eine Lage rutschen könnte, würde man selbst unter ähnlichen Bedingungen leben müssen.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild der Schweizer DVD ist vor allem hinsichtlich der Tatsache, dass es sich bei der Produktion um eine Independent-Produktion handelt, sehr gut gelungen und lässt keine Wünsche offen. Der deutsche Ton in Dolby Digital Surround ist gut abgemischt, weist aber leichte Verzerrungen in den Spitzen auf. Die Dolby-Digital-5.1-Variante ist wesentlich schlechter gelungen und viel zu leise geraten. Die Surround-Spur sollte in jedem Fall die erste Wahl beim Sehen sein.

Als Bonusmaterial gibt es einen Audiokommentar mit dem Regisseur, allerdings ohne Untertitel und von daher nur für englischsprachige Menschen von Wert. Es gibt noch ein Interview mit der Hauptdarstellerin und dem Filmemacher von der Berlinale, ebenfalls nur in englischer Sprache ohne Untertitel, so wie eine musikunterlegte Slideshow und den Trailer.

Fazit:
"Maria voll der Gnade" ist ein mitreißendes Stück Kino, das vollends in seinen Bann zieht. Hauptdarstellerin Catalina Sandino Moreno legt ein bemerkenswertes Schauspiel-Debüt hin und es ist zu einem großen Teil ihr Verdienst, dass der Film das Publikum derartig berührt.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
97:05 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
Dolby Surround
Dolby Surround
Spanisch
Dolby Surround
Dolby Surround
Untertitel:
Deutsch, Französisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Regisseur und Drehbuchautor Josh Marston
  • Interview mit Catalina Sandino Moreno und Josh Marston
  • Slideshow mit Musik
  • Kinotrailer
Maria full of grace - Maria voll der Gnade - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Maria voll der Gnade
Maria full of Grace

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Ein tief bewegendes Drama über das Schicksal einer jungen kolumbianischen Frau


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2004
Regie:
Joshua Marston
Drehbuch:
Joshua Marston
Darsteller:
Catalina Sandino Moreno, Yenny Paola Vega, Guilied Lopez, Jhon Alex Toro, Patricia Rae, Virginia Ariza, Charles Albert Patiño

Label Deutschland :
Universum Film
Verkaufsstart Deutschland :
08.11.2005