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DVD-Besprechung - Mord im Pfarrhaus

Story:
Das Leben von Pfarrersgattin Gloria Goodfellow (Kristin Scott Thomas) ist geprägt von ihrer sexuellen Frustration, da ihr Gatte Vikar Walter Goodfellow (Rowan Atkinson) kein großes Interesse mehr an der Fleischeslust hat. Erfüllung ihrer Wünsche sucht sie beim Golflehrer Lance (Patrick Swayze), mit dem sie plant, zumindest zeitweise, nach Mexiko durchzubrennen. Doch mit dem Eintreffen der neuen Haushälterin Grace Hawkins (Maggie Smith) ändert sich so einiges und neben der Affäre ist auch das ständige Wechseln der Liebespartner von Tochter Holly (Tamsin Egerton) und das Problem von Sohn Petey (Toby Parkes) mit den Schlägern an seiner Schule schon bald Geschichte.

Meinung zum Film:
Alle Agatha-Christie-Freunde, die hinter "Mord im Pfarrhaus" eine Verfilmung des gleichnamigen Romans der Krimiautorin erwarten, werden sicherlich enttäuscht sein, dass nicht die geliebte Hobby-Detektivin Miss Marple im Film zu sehen ist. Warum der deutsche Verleih für den Originaltitel "Keeping Mum" den Namen eines Christie-Romans auswählte, ist nicht ganz nachzuvollziehen, vor allem weil der Film selbst auch nur höchst wenig mit einem Kriminalfilm gemein hat. Generell ist es aber ohnehin nicht ganz leicht, den Film überhaupt einem Genre zuzuordnen. Zum einen ist er eine tiefschwarze, britische Komödie, zum anderen aber auch ein wenig Beziehungsdrama, er besitzt eine Reihe wilden Klamauk und schlüpfriger Dialoge und letzten Endes auch ein klein wenig Kriminalfilm. Viele werden sich sicherlich die Frage stellen, wie dies alles zu einem stimmigen Film vereint werden kann. Die Antwort lautet dann auch folgerichtig - überhaupt nicht.

Regisseur Niall Johnson, der es zuvor schon mit dem Drehbuch zu "White Noise" fertig brachte, einen über weite Strecken spannenden Film durch einige müde Einfälle in seiner Wirkung deutlich abzuschwächen, hat sich für das Drehbuch zu "Mord im Pfarrhaus" Unterstützung durch Richard Russo ("Im Zwielicht") geholt, was dann aber auch nur als Ergebnis hatte, dass der Film noch weniger eine gradlinige Linie verfolgt und die im Grunde gute Grundidee durch zu viel Verschwenden der Laufzeit auf Nebenplots unnütz vergeudet. Die anfängliche Stimmung, die durch die Einführung des Charakters von Grace aufgebaut wird, ist bestens und auch das Anreißen der Probleme im Hause von Vikar Goodfellow sorgen für eine solide Basis. Doch wenn der Geistliche dann wie ein Hampelmann im Fußballtor steht, ist das nur unnütz und unpassend albern. Auch wenn seine Frau und ihr Golflehrer ständig ihre Pläne schmieden, gemeinsam in den Urlaub zu fahren, während der Golfmann doch lieber der Tochter nachsteigt, zieht sich der Film meist unnötig in die Länge und ist einfach nicht mehr lustig. Und wenn Grace dann als Höhepunkt die Fahrräder der kindlichen Schläger manipuliert und es zu einem Unglück kommt, wird sich sicherlich so manch einer fragen, ob das überhaupt noch witzig ist.

Während der Film in der ersten Hälfte noch weitestgehend unterhaltsam ist, aber auch hier nur den ein oder anderen guten Lacher zu bieten hat, flacht er in der zweiten Hälfte endgültig ab und bietet nur noch vereinzelt Unterhaltung. Hier ist es letzten Endes hauptsächlich den guten Leistungen von Grace-Hawkins-Darstellerin Maggie Smith, die den Meisten als Professor Minerva McGonagall aus den Harry-Potte-Filmen ein Begriff sein dürfte, und Kristin Scott Thomas ("Der Pferdeflüsterer") als frustrierte Geistlichen-Gattin zu verdanken, dass der Film nicht gänzlich an Reiz verliert. Patrick Swayze ("Dirty Dancing") als Golflehrer übertreibt es mit der Darstellung des immer bereiten und stets suchenden Liebhabers genauso wie Rowan Atkinson ("Mr. Bean") es nicht immer schafft, seine Gesichtszüge so weit in Schach zu halten, dass er der notwendigen Ernsthaftigkeit seiner Rolle immer gerecht werden kann. Seine Leistung fällt genauso wechselhaft aus wie der gesamte Film seinen Eindruck hinterlässt. Ein paar wirklich gelungene Dialoge, der ein oder andere gut präsentierte Witz und ein Plot, der einen guten Rahmen bietet, reichen letzten Endes aber nicht aus, um über die gesamte Laufzeit wirklich gut unterhalten zu können.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild scheint vom Kontrast viel zu steil abgemischt zu sein, wodurch die Farben jegliche Natürlichkeit vermissen lassen und sehr künstlich erscheinen. Der deutsche Ton ist klar zu verstehen doch selbst in der dts-Variante gibt es nur sehr wenig Effekte im hinteren Bereich zu vernehmen.

Als Extra gibt es ein Making Of, in dem die am Film Beteiligten zu Wort kommen und aus ihrer Sicht das Geschehen und ihre Rollen beschreiben. Es folgt ein Outtake der Szene, in der Rowan Atkinson als Torwart agiert, wobei die gesamte Szene ohnehin als einziger Outtake gewertet werden kann. Der alternative Anfang zeigt die Jugend von Grace mit leichten Variationen und wird gefolgt von zahlreichen Deleted Scenes. Abgerundet werden die Extras durch Tafeln mit Darstellerinfos.

Fazit:
"Mord im Pfarrhaus" besitzt eine gute Grundidee und mit Maggie Smith und Kristin Scott Thomas zwei wirklich passende und talentierte Darstellerin. Doch das Drehbuch schafft es nicht, aus diesen Stärken Kapital zu schlagen und verfängt sich in vielen unpassenden Einfällen und einer Gewichtung auf den falschen Szenen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
2,35:1
2,35:1
98:52 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Gagreel
  • Outtake "Walter steht im Tor"
  • Deleted Scenes
  • Alternativer Anfang
  • Darstellerinfos
Mord im Pfarrhaus - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Mord im Pfarrhaus
Keeping Mum

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Ein vielversprechender Plot, verpackt in zu ausführlichen Nebenplots mit zahlreichen dummen Einfällen


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
UK, 2005
Regie:
Niall Johnson
Drehbuch:
Niall Johnson, Richard Russo
Darsteller:
Maggie Smith, Rowan Atkinson, Kristin Scott Thomas, Maggie Smith, Patrick Swayze, Tamsin Egerton, Toby Parkes

Label Deutschland :
Constantin Film
Verkaufsstart Deutschland :
02.11.2006