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DVD-Besprechung - Mamma Lucia

Story:
Im Jahr 1915 lebt die italienische Einwanderin Lucia Angeluzzi (Sophia Loren) mit ihrer Familie in ärmlichen Verhältnissen in New York. Genau an dem Tag, als sie ihre amerikanische Staatsbürgerschaft erhält, stirbt ihr Mann Tony bei einem tragischen Arbeitsunfall. Zu dieser Zeit hat sie bereits 3 Kinder und damit beginnt für sie ein jahrzehntelanger Überlebenskampf immer knapp am Existenzminimum. Mit ihrer unbändigen Willenskraft gelingt es ihr jedoch ihre Familie zusammenzuhalten und diverse weitere Schicksalsschläge zu verarbeiten und sie kommt dabei ihrem großen Traum, einem Haus mit Garten auf Long Island für die ganze Familie, trotzdem immer näher.

Meinung zum Film:
"The Fortunate Pilgrim" (dt. Titel "Mamma Lucia") war das zweite Werk von Mario Puzo, entstand also noch 4 Jahre vor seinem Bestseller "Der Pate" im Jahr 1965, und war kommerziell erfolglos. Mit einem Budget von 12 Millionen Dollar wurde der von der Kritik gelobte Roman innerhalb von lediglich 10 Wochen in Jugoslawien gedreht. Es handelt sich bei dem Film um eine Co-Produktion für das Fernsehen, an dem neben Berlusconis Rete Italia und der deutschen Taurus TV GmbH auch der amerikanische Sender NBC beteiligt war. Die Verfilmung war dabei als TV-Miniserie in 3 Teilen konzipiert, deren Laufzeit, laut Presseschau sogar sechs Stunden betragen haben soll. Angesichts der Laufzeit der DVD von knapp unter 4 Stunden muss man also von einer gekürzten Fassung ausgehen.

Regisseur Stuart Cooper hat sein Zuhause später eher in B-Movie-Gefilden gefunden, bei diesem Film stand ihm jedoch eine großartige Darstellerriege zur Verfügung. So sind neben Sophia Loren ("Arabeske") in der Hauptrolle der "Mamma Lucia" u.a. auch noch John Turturro ("Barton Fink"), Annabella Sciorra ("Die Hand an der Wiege"), Edward James Olmos ("Wolfen") und Hal Holbrook ("Calahan") mit von der Partie. Die darstellerischen Leistungen im gesamten Film sind dann auch durchgehend hervorragend. Besonders überzeugt, neben Sophia Loren in der Rolle der unbeugsamen, beinahe antiken Mutterfigur, John Turturro in der Rolle ihres ältesten Sohnes und Gegenpols, sowie der am Rande des Wahnsinns, und schließlich darüber hinaus wandelnde Edward James Olmos in der Rolle des zweiten Ehemannes von Lucia. Auch das Flair dieser Zeit und die Optik der heruntergekommenen Einwandererviertel werden überzeugend eingefangen und realistisch anmutend präsentiert. Die emotionale Musikuntermalung von Lucio Dalla, gesungen von Luciano Pavarotti, untermalt den optischen Eindruck noch zusätzlich und unterstreicht die Atmosphäre des Films, die immer zwischen Hoffen und Bangen hin- und herschwankt.

Inhaltlich handelt es sich um die Geschichte einer starken Frau, die beinahe im Alleingang ihre Großfamilie durchbringen muss, deren Existenz jedoch nicht nur durch äußere Krisen, sondern immer wieder auch durch interne Konflikte vor allem in Gestalt der Konfrontation von traditionellen sizilianischen Werten personifiziert durch die Mutter, allen voran der Familie, und dem neuen, modernen, individualistischen amerikanischen Lebensgefühl, das vor allem von ihren Söhnen verkörpert wird. So zerreißt sich Lucia dann auch in ihrer Mutterliebe für die Familie, wobei sie aber selbst entscheidet, was das beste für ihre Kinder ist. Schließlich muss aber auch sie erkennen, das sie ihr Lebensziel und die intakte Familie durch ihre Starrköpfigkeit selbst in Gefahr bringt. Leider verläuft die Geschichte trotz vieler dramatischer Momente sehr ruhig und spannungsarm und lässt besonders nach dem ersten Teil stark nach. Hinzu kommen die dauernden Zeitsprünge, die auch viel zu groß ausfallen, teilweise über zehn Jahre, in dem dann z.B. aus einem Kind ein junger Mann geworden ist, den ein anderer Schauspieler verkörpert. Diese großen Sprünge führen trotz aller Einfühlsamkeit der Geschichte zu einem stark episodenhaften, abgehackten Charakter des Films, der dem dramatischen Schicksal der Familie über den Zeitraum von 35 Jahren so gar nicht gerecht wird.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild befindet sich insgesamt auf gutem TV-Niveau und weist lediglich ab und an ein leichtes Rauschen, sowie kleinere Beschädigungen auf, kann also als gelungen bezeichnet werden. Die deutsche und italienische Tonspur sind ebenfalls von guter Qualität und klar verständlich.

Die DVD enthält lediglich eine Fotogalerie, eine Biographie von Sophia Loren und einige Hintergrundinformationen zum Thema italienische Einwanderer von Oscar Handlin in Textform. Weiterhin gibt es im DVD-ROM-Teil zwei Dokumente im PDF-Format, erstens ein achtseitiges Interview mit Sophia Loren und zweitens eine "Presseschau" im Umfang von sechzehn Seiten.

Fazit:
Hervorragende Schauspieler und eine hochwertige Präsentation verbunden mit einer gelungenen musikalischen Untermalung stehen leider einer sprung- und bruchstückhaften, an Höhepunkten armen Erzählstruktur gegenüber, die bereits nach 90 Minuten enorm an Dynamik verliert und zunehmend verflacht. Für Freunde dramatischer und realistischer Stoffe mit stark emotionalem Charakter, die sich auch an einem sehr geruhsamen Verlauf nicht stören, ist der Film sicherlich trotzdem einen Blick wert!

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
229:00 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Italienisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Fotogalerie
  • Biographie Sophia Loren
  • Hintergrundinformationen von Oscar Handlin
  • DVD-ROM-Part bestehend aus einem Interview mit Sophia Loren und einer Presseschau
Mamma Lucia - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Mamma Lucia
The Fortunate Pilgrim

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein Einblick in das harte Leben italienischer Einwanderer in der Neuen Welt zu Beginn des 20. Jahrhunderts


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien/USA, 1988
Regie:
Stuart Cooper
Drehbuch:
John McGreevey, Mario Puzo
Darsteller:
Sophia Loren, John Turturro, Edward James Olmos, Annabella Sciorra, Hal Holbrook

Label Deutschland :
Kinowelt Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
08.09.2006