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DVD-Besprechung - Mein Freund der Feind
Story:
Im Jahre 1943 marschiert die Deutsche Wehrmacht in Elbasan/Albanien ein und die bisherigen italienischen Besatzer müssen sich zurückziehen. Zu dieser Zeit versteckt der Händler Harun Bonata (Ndriçim Xhepa) auf seinem Hof in einem Keller einen albanischen Partisanen, einen italienischen Soldaten und einen jüdischen Uhrmacher, der ursprünglich aus Deutschland stammt. Aufgrund seiner Geschäfte mit den deutschen Besatzern ist aber auch der Versorgungsleutnant Franz (Peter Lohmeyer) regelmäßiger Gast auf Haruns Hof, was eine riskante Situation darstellt.
Meinung zum Film:
"Mein Freund der Feind" erhielt beim Sundance Filmfestival in Sarajevo im Jahr 2004 den Preis für das beste europäisches Drehbuch. Der Film stellt eine albanisch-deutsch-französische Koproduktion dar. Der Großteil des Budgets von unter einer Million Euro kommt von der deutsch-französischen Filmförderung und der Filmförderung Hamburg. Der Film beruht dabei auf Erlebnissen des Großvaters von Regisseur Xhuvani, der auch das reale Vorbild für die Hauptfigur Harun Bonata darstellt. Regisseur Gjergj Xhuvani wurde bisher vor allem durch seine Kommunismussatire "Parolen aus Stein" aus dem Jahr 2001 bekannt, die als erster albanischer Film überhaupt auf dem Filmfestival in Cannes vorgeführt wurde.
"Mein Freund der Feind" schildert das chaotische Geschehen in der Besatzungszeit aus der Sicht der albanischen Bevölkerung. Der Film beginnt mit dem Einrücken der Wehrmacht, die die Italiener vertreiben und endet mit dem Abzug der Deutschen und der Befreiung durch die albanischen Partisanen. Die Ausgangssituation des Films ist dabei äußerst vielversprechend. Im Keller des Hofes sind der albanische Partisan Qazim, der italienische Soldat Giulio und der jüdische Uhrmacher Hoakin auf engstem Raum zusammengepfercht. Neben mannigfaltigen kulturellen Unterschieden gibt es auch reichlich religiöses Konfliktpotential. Leider wird diese Spannung vom Film jedoch weder überzeugend aufbereitet noch fortlaufend zugespitzt. Das höchste der Gefühle ist dann schon, dass Qazim den Italiener beim Empfang als Faschisten beschimpft und nichts mit ihm zu tun haben will. Es kommt aber im ganzen Film zu keinem ernsthaften Konflikt zwischen den Protagonisten, auch das Potential für humorvolle Untertöne, aufgrund von auftauchenden interkulturellen Missverständnissen, wird weitestgehend verschenkt.
Andererseits existiert in dem Film die bedrohliche Situation, dass der Versorgungsoffizier Franz, gespielt von Peter Lohmeyer ("Das Wunder von Bern"), häufiger im Haus zu Gast ist. Haruns Schwägerin ist nämlich gebürtige Österreicherin. Somit findet Franz bei Harun, wo er auch sehr freundlich aufgenommen wird, Verhältnisse vor, die er mit der weit entfernten Heimat assoziiert. Diese Situation wird aber schnell entschärft, Franz hat ganz andere Interessen als das Gehöft zu durchsuchen, und als Offizier mit guten Manieren klopft er zunächst immer an, so dass es zu keinem überraschenden Zusammenstoß der potentiellen Feinde kommen kann. Erst gegen Ende entwickelt der Film eine gewisse Tragik, die sich von den, ansonsten hauptsächlich über die gesamte Spielzeit ausgebreiteten, Trivialitäten des Alltags deutlich abhebt. Letztendlich unterstreicht vor allem das Ende, dass Krieg unmenschlich ist, und dass die einfache Bevölkerung, unabhängig vom jeweils gerade installierten Besatzer, immer unter der Willkür der Herrschenden zu leiden hat, egal auf wessen Seite sie sich schlägt.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild hinterlässt, genau wie die vorliegenden Tonspuren, einen guten Eindruck ohne größere Schwächen. Eine Sache fällt allerdings sehr negativ auf. Wählt man die albanische Originaltonspur, so erlebt man, dass genau die gleichen, fremdsprachigen Stellen wie in der deutschen Fassung mit deutschen Untertiteln versehen wurden, also die italienischen Stellen, aber auch ein paar albanische. Der deutsche Offizier hingegen redet Deutsch und wird nicht untertitelt. Somit ist die albanische Tonspur sowohl für Albaner, als auch für Deutsche völlig nutzlos, zumal es keine anderen Untertitel zur Auswahl gibt.
Auf der DVD befinden sich Filmographien von Peter Lohmeyer, Nina Petri, Rinaldo Rocco und dem Koproduzenten Dirk Beinhold. Weiterhin gibt es eine Slideshow mit Musik. Im DVD-ROM-Teil finden sich ein Bildschirmschoner, Produktionsnotizen (knapp 1 Seite), das komplette deutsche Dialogbuch (82 Seiten), ein A3-Poster und ein Originalplakat zum Film, weiterhin eine Bildergalerie mit lediglich 10 Bildern, sowie abschließend einige interessante Kurzberichte von Festivals.
Fazit:
"Mein Freund der Feind" ist rein handwerklich hervorragend inszeniert und alle Darsteller wissen zu überzeugen, doch die vielversprechende Ausgangssituation wird leider weder genutzt, um das humoristische, noch das tragische Potential der Vorlage wirklich auszureizen. So erreicht der Film dann leider erst gegen Ende eine gewisse Tiefe seitens seiner Aussage, als auch bezüglich der Vielschichtigkeit der Charaktere, die er jedoch in der sonstigen Spielzeit sträflich vernachlässigt.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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84:29 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Albanisch Dolby Digital 2.0 | Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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- Filmographien
- Slideshow
- DVD-ROM-Part mit Bildschirmschoner, Produktionsnotizen, Dialogbuch deutsch, A3 Poster, Original-Plakat, Bildergalerie und Festivalberichten
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Mein Freund der Feind
I dashur armik
Ein Kriegsdrama dem es nicht gelingt, die hervorragende Grundidee angemessen umzusetzen
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Albanien/Deutschland/Frankreich, 2004 Regie: Gjergj Xhuvani Drehbuch: Dhimitër Xhuvani, Gjergj Xhuvani Darsteller: Ndriçim Xhepa, Marko Bitraku, Helidon Fino, Birce Hasko, Niko Kanxheri, Peter Lohmeyer, Nina Petri
Label :
Koch Media Entertainment
Verleihstart : 12.05.2006 Verkaufsstart : 11.08.2006
Vertrieb :
Koch Media Entertainment
Verleihstart : 12.05.2006 Verkaufsstart : 11.08.2006
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