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DVD-Besprechung - Nordstadt

Story:
Nach einem misslungenen Einbruch kommt Gelegenheitsganove Maik Borsizky (Jörg Pohl) kurzzeitig hinter Gittern, wird aber schon bald auf Bewährung freigelassen. Doch die Welt außerhalb des Knasts sieht wenig rosig für ihn aus. Seine Ex-Freundin Melanie (Anke Rähm), mit der er ein kleines Mädchen namens Jessy (Samira Bagdad) hat, lebt nun mit Ulf (Markus Brandl) zusammen und die paar Piepen, die er mit seinem wenig erfreulichen Aushilfsjob macht, reichen bei weitem nicht für das Leben aus, das er gerne führen möchte. Es dauert nicht lange, bis Maik wieder den Versuchungen des schnellen Geldes erliegt und sich auf einmal nicht nur auf der Flucht vor der Polizei befindet, sondern zusätzlich auch noch einen Kredithai im Nacken hat.

Meinung zum Film:
Der Lüner Michael Kupczyk hat mit "Nordstadt" seinen ersten abendfüllenden Spielfilm abgeliefert. Der Film stellt die Abschlussarbeit seines Studiums an der Fachhochschule in Dortmund dar und wurde 2004 beim Kinofest in Lünen vom Publikum gefeiert. Der Titel seines Werkes beschreibt den Dortmunder Stadtteil, der am meisten für soziale Brennpunkte und Kriminalität in der Region steht. Die Figur des Maik steht dann auch als Synonym für die Probleme der Menschen in diesem Stadtteil und seine Geschichte könnte in dieser Form jeden Tag dort geschehen und ist, zumindest in übertragener Weise, bestimmt schon etliche Mal so dort vorgefallen. Doch der Film zeigt nicht in erster Linie die kriminellen Energien der Menschen, sondern vielmehr ihre Verzweiflung und den Wunsch auf ein angenehmes Leben.

Als Darsteller standen dem Filmemacher keine gestandenen Schauspieler zur Verfügung. Doch die Leistungen der Akteure sind durchweg annehmbar, teilweise sogar äußerst gut gelungen. Allen voran ist Jörg Pohl in der Rolle des Maiks zu nennen. Er bringt die Naivität seiner Figur und die Unüberlegtheit seines Handelns so gut herüber, dass man bei seinen krummen Touren Mitleid verspürt und ihn nicht gleich wegen eines Rückfalls verteufelt. Er ist nicht anders als ein noch nicht Erwachsener, der versucht, sich auf eigenen Beinen im Großstadtdschungel zu behaupten, dabei dann aber skrupellos ausgenutzt wird. Die Geschichte des Filmes ist interessant erzählt und kann größtenteils auch problemlos mit dem Gros an TV-Filmen mithalten. Als Zuschauer kommt man nicht umhin, gespannt den Weg von Maik zu verfolgen. Allerdings werden einige Handlungszweige etwas zu oberflächlich behandelt, wie etwa die familiäre Seite der Hauptperson und auch das Ende ist süßer und klebriger als die größte Zuckerwatte auf dem Jahrmarkt. Doch die dramaturgische Entwicklung und der Spannungsbogen sind insgesamt sehr gut und ansprechend herausgearbeitet.

Ein Grund für die durchweg interessante Art von "Nordstadt" ist aber zweifelsohne auch die abwechslungsreiche Inszenierung, von der sich teilweise einige B-Filme ein ganz großes Stück an Kreativität abschneiden könnten. Regisseur Kupczyk ist darauf bedacht, keine Routine in die Bilder kommen zu lassen, ist stets um interessante Blickwinkel auf das Geschehen bemüht und bringt Abwechslung in Dialoge, indem er mit wohldosierten Schnitten starre Einstellungen auf die Dialogführenden verhindert. Nachdem der Film einige Zeit nur Festivalgängern gezeigt wurde, hat er nun auch den verdienten Weg in die Heimkinos gefunden. Dadurch wird es dem interessierten Publikum erheblich erleichtert, den schicksalhaften Weg von Maik verfolgen zu können.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht keinen sehr guten Eindruck. Vor allem die starke Grobkörnigkeit, die vor allem in Nachtszenen überdeutlich zu erkennen ist, ist neben den Kammeffekten das größte Manko. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass es sich bei dem Film um eine kleine Produktion handelt und von daher nicht mit herkömmlichen Maßstäben gemessen werden kann. Der deutsche Ton in Dolby Digital 2.0 ist ohne Fehl und Tadel und erfüllt seinen Zweck.

Als Bonus gibt es zunächst einen Audiokommentar mit Regisseur Michael Kupczyk und Hauptdarsteller Jörg Pohl, die zwar beide nicht unbedingt immer ganz bierernst an die Sache herangehen, stellenweise aber recht interessantes über die Dreharbeiten zu berichten wissen. Es folgen reichlich nicht verwendete Szenen, ein Dialog in seiner ungekürzten Langfassung, Biografien zu Cast und Crew und der obligatorische Trailer.

Fazit:
"Nordstadt" ist ein gut inszenierter Film über das Erwachsenwerden eines jungen Mannes, der durch seine Naivität und sein jugendliches Gemüt auf die schiefe Bahn gerät. Abgesehen von der nicht ganz perfekten Bildqualität braucht der Film sich hinter üblicher TV-Ware keinesfalls verstecken.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
90:30 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch, Englisch, Russisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Regisseur Michael Kupczyk und Hauptdarsteller Jörg Pohl
  • Entfallene und verlängerte Szenen
  • Biografien zu Darstellern und Crew
Nordstadt - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Nordstadt
Nordstadt

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Handwerklich und dramaturgisch gut gemachter Film


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2004
Regie:
Michael Kupczyk
Drehbuch:
Michael Kupczyk, Nadine Neuneier
Darsteller:
Jörg Pohl, Anke Rähm, Vladimira Alec, Jörg Reimers, Nora Bendig, Markus Brandl, Ali Hamade, Maria Amman, Volker Helfrich, Konrad Halver, Thomas Slapa, Samira Bagdad, Markus Hammer

Label Deutschland :
LaserParadise
Verkaufsstart Deutschland :
14.12.2006