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DVD-Besprechung - Nur noch 72 Stunden

Story:
Eigentlich sollte es nur ein Routinejob für Detective Daniel Madigan (Richard Widmark) und seinen Partner Rocky Bonaro (Harry Guardino) werden, als sie den Kriminellen Barney Barnesch (Steve Ihnat) zum Verhör aufs Revier holen sollten. Doch Barnesch schafft es, zu entkommen, und nimmt obendrein auch noch die Dienstwaffe von Madigan an sich. Der stets um Korrektheit bemühte Commissioner Anthony Russell (Henry Fonda) ist kein Freund des ab und an über die Stränge schlagenden Madigans und erwartet eine umgehende Festnahme des Flüchtigen innerhalb der nächsten 72 Stunden.

Meinung zum Film:
Don Siegel zählt auch heute noch zu den ganz großen Krimiregisseuren Hollywoods. Er hat sich mit dem ersten Abenteuer des legendären Dirty Harry ein Denkmal gesetzt und sich für immer mit dem Genre des harten Cops ohne Regeln verankerte. "Nur noch 72 Stunden", der im Original nach dem Namen seines Helden mit "Madigan" betitelt wurde, war nicht nur von der Namensgebung her ein Vorläufer zu der Paraderolle Clint Eastwoods, sondern lässt auch schon inhaltlich erahnen, wohin der Weg den Regisseur führen sollte. Noch unter seinem ungekürzten Vornamen Donald schuf er die Vorstufe zum coolen Cop, der alles andere als gentlemen-like, political-correct und gesetzestreu daherkommt, im Grunde aber durch seine Art, Feuer mit Feuer zu bekämpfen ans Ziel gelangt und für Recht und Ordnung sorgt.

Der vor allem durch Western bekannt gewordene Richard Widmark ("Der Garten des Bösen", "Das Urteil von Nürnberg,") geht in seiner Rolle als Cop nicht ganz so weit wie Kollege Harry Callahan ein paar Jahre später, doch merkt man auch bei ihm schon klar das Fehlen von jeglichem Respekt, wenn es ihn in der Sache weiterbringt. Ohne Zweifel liegt Richard Widmark der Part und er wirkt stellenweise wie der gnaden- und gewissenlose Kopfgeldjäger, der über Leichen geht, um an die ausgesetzte Prämie zu kommen. Ihm gegenüber steht mit Henry Fonda ("Spiel mir das Lied vom Tod", "Mein Name ist Nobody") eine weitere Größe der amerikanischen Western. Er spielt den überkorrekten Polizeichef, dem das respektlose Auftreten genauso wenig in den Kram passt wie die Tatsache, dass Madigan sich in früheren Tagen ein besseres Leben leisten konnte als er selbst. Er ist das genaue Gegenteil des Anarcho-Cops und versucht in jeder Situation, überkorrekt zu sein. Doch irgendwann muss er erkennen, dass man so nicht immer weiterkommt und dass das Leben aus mehr als nur Schwarz- und Weißtönen besteht. Letzten Endes ist es über weite Teile weniger die Suche nach dem Kriminellen, die den Mittelpunkt des Films darstellt, sondern vielmehr das unterschiedliche Verarbeiten der Situation durch zwei grundverschiedene Menschen, die am Ende aber beide die gleichen Ziele verfolgen. Jeder aber auf seine eigene Art.

Inhaltlich war der Film Ende der 60er-Jahre sicherlich ganz großes Krimi-Kino. Aus heutiger Sicht betrachtet muss man ihn ein klein wenig zurückstufen, da er in Sachen Tempo und Spannung an heutige Produktionen nicht mehr heranreichen kann und selbst gegenüber dem 3 Jahre später entstandenen ersten Teilen der "Dirty Harry"-Reihe leichte Abstufungen hinnehmen muss. Die Handlung schleppt sich zu Beginn ein wenig langsam vor sich hin, da das erste Drittel fast ausschließlich der Charakterisierung der beiden Hauptfiguren dient und erst ab dem zweiten Drittel langsam immer mehr an Fahrt aufnimmt. Der Einfluss des Film-Noir mit dem tragischen Helden, der stets im Regen steht und einen Schicksalsschlag nach dem anderen hinnehmen muss, ist deutlich zu erkennen. Doch Don Siegel mischte seinem Helden eine eigene Mischung aus Outlaw und Halbstarkem hinzu und legte somit das Fundament zu einer eigenen Richtung Cop-Thriller, den er selbst mit dem Grundstein "Dirty Harry" begründete.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild wurde recht gut aufgearbeitet. Kleinere Verschmutzungen sind zwar immer wieder zu sehen, dafür erstrahlen die Farben in satten Tönen und die Konturen werden annehmbar gut dargestellt. Der deutsche Ton in Dolby-Digital-2.0-Mono ist sauber, klingt insgesamt aber ein klein wenig zu dumpf.

Bonusmaterial gibt es gar nicht auf der DVD zu finden.

Fazit:
Wenn man an traditionellen Krimis zwischen Film-Noir und "Dirty Harry" Gefallen finden kann, ist man bei diesem Donald-Siegel-Film sicherlich bestens aufgehoben. Wenn man allerdings spannungsgeladene Action nach heutigen Maßstäben sucht, ist "Nur 72 Stunden" sicherlich nicht die Antwort auf die Frage nach einem unterhaltsamen Filmabend.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
96:42 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Französisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Italienisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Russisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Spanisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Dänisch, Deutsch, Englisch, Finnisch, Französisch, Holländisch, Italienisch, Norwegisch, Polnisch, Schwedisch, Spanisch, Tschechisch, Ungarisch
Bonusmaterial:
  • -
Nur noch 72 Stunden - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Nur noch 72 Stunden
Madigan

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Dirty Madigan


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1968
Regie:
Donald Siegel
Drehbuch:
Henri Simoun, Abraham Polonsky (nach dem Roman "The Commissioner" von Richard Dougherty)
Darsteller:
Richard Widmark, Henry Fonda, Inger Stevens, Harry Guardino, James Whitmore, Susan Clark, Michael Dunn, Don Stroud

Label Deutschland :
Universal Pictures Germany
Verkaufsstart Deutschland :
15.09.2005