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DVD-Besprechung - Die Odyssee

Story:
Nach erfolgreicher Schlacht bekommt der listige Heerführer Odysseus (Bekim Fehmiu) den Zorn der Götter zu spüren, als diese ihn auf der Heimfahrt auf eine Odyssee schicken. Auf dieser heißt es unter anderem, sich gegen Zyklopen, der Zauberin Zirze und dem verführerischen Gesang der Sirenen zu wiedersetzen und schlussendlich in die Unterwelt hinabzusteigen, um dort die Gunst der Götter zurückzuerlangen. Doch das Martyrium ist damit noch nicht ganz beendet, da sich in seiner langen Abwesenheit einiges in seinem Heim verändert hat, das dem Held überhaupt nicht gefallen kann.

Meinung zum Film:
"Die Odyssee" von Homer ist eine der frühesten Epen der Weltliteratur, bei der sich die Gelehrten noch heute darüber streiten, ob sie wirklich aus der Feder eines Mannes stammen, oder ob sich hinter dem Namen "Homer" nicht in Wirklichkeit mehrere Dichter verbargen. Unumstritten ist es jedoch, dass es sich bei der "Odyssee" um eines der ältesten und einflussreichsten Werken der abendländischen Literatur handelt. Es gibt viele Verfilmungen des Epos, die oftmals aber nur Fragmente der Geschichte nutzten. Ganz anders ist dies bei der vorliegenden Verfilmung, die sich sehr eng an das Homersche Werk hält und weithin als eine der besten Umsetzungen gilt. Mit einer Gesamtlaufzeit von knapp über 6 Stunden widmet sich die Deutsch/Italienische/Französische/Jugoslawische-Co-Produktion allen Aspekten um die Taten König Odysseus' und kann vor allem durch seine fantastischen Aufnahmen glänzen, die fast ausschließlich in Naturkulissen entstanden sind. Die Mini-Serie stellte gleichzeitig auch die erste große internationale TV-Co-Produktion dar, in der eine gewisse Barbara Gregorini ihren ersten Auftritt hatte. Miss Gregorini erreichte einige Jahre später unter dem Künstlernamen Barbara Bach einen großen Bekanntheitsgrad, als sie an der Seite von Roger Moore in "Der Spion, der mich liebte" ihren Auftritt als Bond-Girl hatte.

Der Star von der Odyssee ist sie in der Rolle der Nausicaa allerdings noch nicht. Dieser Part geht zum größten Teil an Odysseus-Darsteller Bekim Fehmiu ("Schwarzer Sonntag"), der in höchst ansprechender Weise den nachdenklichen, smarten Heldentyp verkörpert, den viele auch in der literarischen Figur sehen. Damit weicht er deutlich von den vielen muskelbepackten Kraftpaketen ab, als denen der Held in vielen "Schwert & Sandalen"-Variationen gezeigt wird. Und auch alle anderen Darsteller können ihre Rollen bestens herüberbringen und Ausfälle gibt es in dieser Hinsicht keine zu vermelden. Im großen ist es sicherlich die Authentizität, welche "Die Odyssee" in jeder Szene ausstrahlt, die ihr so viel Anerkennung brachte. Es kommt niemals der Verdacht auf, dass es sich bei der Kleidung oder der Bauten um Nachbildungen aus dem 20. Jahrhundert handelt. Es hat stellenweise fast den Eindruck, als würde dem Zuschauer der Blick in eine lang vergangene, mystische Zeit gewährt, die es letzten Endes noch nicht einmal gab. Was heutzutage durch CGIs perfekt durchgestylt und in Hochglanz präsentiert wird, erscheint hier noch staubig, eckig und kantig - und dadurch natürlich - was zum einnehmenden Charme des Werkes zu einem sehr großen Teil beiträgt.

Was nicht von der "Odyssee" erwartet werden sollte, ist ein actiongeladenes Fantasy-Spektakel, wie man es von vielen anderen Verfilmungen kennt. Die Mini-Serie konzentriert sich auf die Charaktere, ihre Sorgen und Probleme. Dadurch gerät des Tempo des Filmes teilweise ein wenig ins stocken, wird aber niemals langatmig. Es gibt immer genug zu sehen, was zu faszinieren weiß und natürlich gibt es auch spannende Momente, wie der Kampf gegen den Zyklopen. Hier kann dann vor allem Altmeister Carlos Rambaldi ("E.T.", "Alien") sein ganzes Können aufweisen, der sich zusammen mit dem italienischen Kult-Regisseur Mario Bava ("Blutige Seide") um die Spezial-Effekte und Masken im Film kümmerte. Mario Bava ließ es sich darüber hinaus auch nicht nehmen, selbst bei der Episode "Polyphemus" Regie zu führen. So entstand der Kampf zwischen Odysseus und dem Zyklopen unter seiner Regie, und sein Sohn Lamberto Bava ("Dämonen") assistierte ihm dabei. So trugen die auch heute noch populären italienischen Regisseure einen kleinen Teil dazu bei, dass mit "Die Odyssee" ein Film geschaffen wurde, der die Stärken von Homers "Odyssee" sehr gut auf den Bildschirm überträgt und nicht zu einem inhaltlich verzehrtem Action- und Effekt-Spektakel geriet, wie die jüngst erschiene "Troja"-Verfilmung von Wolfgang Petersen.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist für eine TV-Produktion aus dem Jahre 1969 sehr gut gelungen. Es fehlt zwar ab und an ein wenig an Schärfe, dafür gibt es aber kräftige Farben, kein allzu starkes Rauschen und kaum nennenswerte Defekte. Der deutsche Ton ist ohne Fehler, kann aber erwartungsgemäß keine Räumlichkeit bieten.

Als Extra gibt es die Dokumentation "Die phantastische Reise des Odysseus", die über Interviews, dem Besuchen von Originalschauplätzen, einem Blick auf Homer und seine Epen und geschichtlichen Hintergründen einen sehr interessanten Blick auf die Entstehung des Filmes wirft

Fazit:
"Die Odyssee" ist eine sehr authentisch dargestellte und sehr nah an Homers Werk liegende Abenteuergeschichte, die trotz seiner über 6 Stunden Laufzeit durchgehend zu unterhalten weiß. Freunde von klassischen Helden-Epen kommen an der DVD definitiv nicht vorbei.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
368:35 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Italienisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Dokumentation "Die Phantastische Reise des Odysseus"
Die Odyssee - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Odyssee
L'Odyssea

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Eines der größten Helden-Epen in einer wunderbaren filmischen Umsetzung


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Italien / Jugoslawien, 1968
Regie:
Franco Rossi, Piero Schivazappa, Mario Bava
Drehbuch:
Giampiero Bona, Vittorio Bonicelli, Fabio Carpi, Luciano Codignola, Mario Prosperi, Franco Rossi, Renzo Russo
Darsteller:
Bekim Fehmiu, Irene Papas, Michèle Breton, Fausto Tozzi, Renaud Verley, Barbara Bach, Samson Burke, Rolf Boysen, Sergio Ferrero

Label Deutschland :
Colosseo Film
Verkaufsstart Deutschland :
24.08.2006