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DVD-Besprechung - Oldboy (Special Edition)

Story:
Oh Dae-Su (Choi Min-Sik) ist für 15 Jahre in einem kleinen Zimmer eingesperrt. Sein einziger Kontakt zur Außenwelt ist ein Fernsehgerät, das ihn vor der völligen Entfremdung schützt. Eines Tages wird er von seinen Peinigern auf einem Dach ausgesetzt und es beginnt eine neue Zeitrechnung für ihn, in der er herausfinden will, warum er so lange weggeschlossen war und wer ihm dies angetan hat. Unterstützung erhält er durch die Sushi-Köchin Mi-Do (Kang Hye-Jeong), die immer mehr Gefallen an dem kauzigen Oh Dae-Su findet und ihm nach besten Kräften unterstützt. Doch der Weg ist steinig und die Hintergründe reißen ihn noch weiter in Abgrund, als es die 15-jährige Gefangenschaft vermochte.

Meinung zum Film:
"Oldboy" wurde bei den 57. Filmfestspielen in Cannes eine sehr große Ehre zu Teil, als Regisseur und Drehbuchautor Park Chan-Wook den großen Preis der Jury bekam. Vorsitzender dieser Jury war niemand geringerer als Quentin Tarantino ("Pulp Fiction", "Kill Bill"), der sicherlich auch reichlich Freude an dem koreanischen Meisterwerk hatte, das in vielen Punkten an die Art Filme erinnert, die der amerikanische Kultregisseur selbst auf die großen Leinwände bringt. Schon allein die Szenen in der Gefangenschaft, in denen Oh Dae-Su mit sich selbst redet, sich die tollsten Abenteuer-Geschichten ausmalt und sich mit fortlaufender Isolation immer weiter entfremdet, sind von allererster Güte und bieten die von Tarantino gewohnte Mischung aus Humor, Comic, Gewalt, Coolness und Tragödie. Verpackt ist die Geschichte in eine filmische Präsentation, die sehr kunstvoll durch Schnitte, Einstellungen, Beleuchtung und einem stimmigen Soundtrack, der u.a. auch die Musik Vivaldis beinhaltet, zu begeistern weiß.

Der Held im Film ist eine tragische Figur, die aus der in gewisser Weise behüteten Welt der Isolation, in der er sich nur um sich selbst zu sorgen braucht, in eine ihm fremde Zivilisation entlassen wird. Diese ist dem Emigranten wider Willen eine völlig fremde geworden, in der seine über 15 Jahre gewachsenen Planspiele nicht einmal im Ansatz funktionieren wollen, da sich die Realität nicht mit den Verhaltensweisen der vereinsamten Phantasie deckt. Dargestellt wird Dae-Su eindrucksvoll von Choi Min-Sik ("Shiri"), der es gekonnt schafft, seinem Antihelden auch dann noch Würde zu verleihen, wenn die Aktionen schon fast in die Ecke von Klamauk und Slapstick gehen. Eine großartige darstellerische Leistung, durch welche der Film einen großen Teil seiner Stärke erhält. Aber auch Kang Hye-Jong als Sushi-Köchin Mi-Do trägt durch ihre liebevolle und sorgevolle Art dazu bei, dass "Oldboy" ein filmischer Genuss wurde. Last but not least muss auch die gute Leistung von Yoo Ji-Tae ("Into the mirror") als Drahtzieher im Hintergrund genannt werden, der durch seine anfangs undurchschaubare und kühle Art für reichlich Unbehagen beim Betrachter sorgt.

Man sieht dem Film aber auch den ernsten Hintergrund seines Regisseurs an, der sich zuvor mit "JSA - Joint Security Area" einen großen Namen in Korea verschaffte. Der studierte Philosoph verpackt seine coolen Sprüche und Gewaltbilder in kunstvolle Bilder und spickt sie mit einer ganzen Menge tiefsinniger Worte. Hinzu kommt ein geschickt gespannter Spannungsbogen und das gekonnte Ausnutzen der quälenden Frage, warum Oh Dae-Sue das Schicksal einer 15-jährigen Isolation erleiden musste und was seine Peiniger sich einfallen lassen, um ihm auch das Leben in Freiheit zusätzlich zur Hölle werden zu lassen. Am Ende nimmt das ganze dann ein tragisches Ausmaß, wie man es ansonsten von den großen Shakespeare-Dramen wie "King Lear" gewohnt ist. Zartere Gemüter werden durch Szenen wie das Verspeisen von lebenden Tintenfischen oder einer Zahnbehandlung á la "Marathon Man" auf eine Probe gestellt, doch sollte man auf jeden Fall diese Sekunden überstehen, da einem ansonsten ein großes Filmvergnügen auf hohem Niveau entgehen würde. Park Chan-Wook beweist, wie nahe Philosophie, Comic, Tragödie und Gewalt beieinander liegen und wie herrlich sie miteinander harmonieren, ohne dass ein Teil dabei abstrakt oder als Fremdkörper wirkt.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen guten, aber nicht unbedingt hervorragenden Eindruck. Die Farben erscheinen ein klein wenig zu matt und die Konturen insgesamt ein wenig zu weich, wodurch Details nicht unbedingt zahlreich erscheinen. Auch der Kontrast erscheint stellenweise ein wenig zu steil, wodurch manches leicht überstrahlt wird. Aber schlecht ist das Bild dadurch keineswegs. Verglichen mit anderen Produktionen aus Fernost stellt es sogar das obere Qualitätsdrittel dar. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 und dts ist klar verständlich und mit einer guter Räumlichkeit versehen. Unterschiede ist zwischen den beiden Varianten sind nicht festzustellen.

Bonusmaterial gibt es reichlich zu finden. Auf der Filmdisk befindet sich zuallererst der Audiokommentar mit dem Regisseur Park Chan-Wook und den Hauptdarstellern Choi Min-Sik, Yoo Ji-Tae und Kang Hye-Jeong, der auf Wunsch deutsch untertitelt genossen werden kann. Des Weiteren finden sich auf Disk 1 noch ein unkommentierter Blick hinter die Kulissen so wie 2 Trailer. Auf der separaten Bonusdisk findet sich eine ausführliches, in Kapitel unterteiltes Making Of, das sehr detailliert auf die Entstehung und die Hintergründe von "Oldboy" eingeht und kaum noch Fragen offen lässt. Weitere Infos bieten die ebenfalls sehr ausführlichen Interviews. Es folgen 10 entfernte Szenen, die auf Wunsch am Stück oder einzeln gesehen werden können. Das Cannes-Special wirft einen kompakten Blick auf die Erfahrung von Cast und Crew bei den Filmfestspielen. Abgerundet werden die Extras durch ein Musikvideo, eine Bildergalerie und drei zusätzlichen Trailern. Die Beiträge sind allesamt in Originalsprache, auf Wunsch mit deutschen Untertiteln zu genießen.

Fazit:
"Oldboy" ist eine ungewohnte Mischung aus Philosophie, Comic, Tragödie und Gewalt, die über die gesamte Dauer auf verschiedenen Ebenen unterhält. Spannend und nachdenklich packt der Film von der ersten Einstellung an sein Publikum und lässt es bis zum Ende nicht mehr los, wenn sich alle Fäden in einer großen Tragödie vereinen. Die digitale Umsetzung ist gut gelungen und bei einem Straßenpreis von unter 20 EURO kann man Filmfreunden nur nachhaltig zum Kauf raten.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
114:54 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Koreanisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Regisseur Park Chan-Wook und den Hauptdarstellern Choi Min-Sik, Yoo Ji-Tae und Kang Hye-Jeong
  • Bei den Dreharbeiten
  • Making Of
  • Interviews
  • Cannes Special
  • Entfernte Szenen
  • Musikvideo "Bring my love" von Starsailor
  • Bildergalerie
  • Trailer
Oldboy (Special Edition) - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Oldboy
Oldboy

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Tarantino meets Shakespeare


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Südkorea, 2003
Regie:
Park Chan-Wook
Drehbuch:
Hwang Jo-Yoon, Im Joon-Hyung, Park Chan-Wook (basierend auf dem Manga von Tsuchiya Garon und Minegishi Nobuaki)
Darsteller:
Choi Min-Sik, Yoo Ji-Tae, Kang Hye-Jeong

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
03.03.2005