 |
DVD-Besprechung - Die Patriarchin
Story:
Nach dem Unfalltod des Kaffeekönigs Gero Vandenberg (Michael König) bricht ein Kampf unter den Erben über das Kaffee-Imperium aus. Als wenn die Streitereien nicht schon genug wären, führt das Finanzamt kurze Zeit später auch noch eine Razzia in dem Unternehmen durch, da der Verdacht auf ein Schwarzgeld-Vergehen besteht. Mittendrin steht Nina Vandenberg (Iris Berben), die Ehefrau des Verstorbenen, deren Leben durch die ganzen Ereignisse auf eine harte Probe gestellt wird. Doch die ohnehin schon mit reichlich privaten Problemen belastete Frau stellt sich den Aufgaben und beginnt ihren Kampf um das Überleben der Vandenberg GmbH. Zusätzlich lastet aber auch der Druck auf ihr, dass ihr eine persönliche Beteiligung an der Veruntreuung von 49 Mio. Euro nachgesagt wird.
Meinung zum Film:
Schnell könnte man der Versuchung erliegen und sagen "Nicht schon wieder einer dieser TV-Mehrteiler über das Schicksal einer Familie". Denn nicht erst, seit die Verfilmung der Leiden der Familie Buddenbrock für hohe Einschaltquoten sorgte, sind in diese Richtung gehende Mehrteiler sehr beliebt bei den Fernsehmachern. Aber oftmals ist es auch so, dass das Ergebnis nur ein durchschnittliches Seherlebnis ohne nennenswerte Höhen und Tiefen ist. Anders sieht es jedoch bei der Patriarchin aus, die durch die undurchsichtigen Geschäftsgebaren neben der emotionalen Tragödie noch reichlich Spannung für den Zuschauer bereithält. Dadurch werden die 3 x 90 Minuten zu einer dramatischen Unterhaltung mit einem durchgehenden Spannungsaufbau.
Die größte Last des Filmes liegt auf den Schultern einer der bekanntesten und beliebtesten Schauspielerinnen, die Deutschland zu bieten hat - Iris Berben. Wenn man sie in der Rolle der vom Leben hart getroffenen Nina Vandenberg sieht, mag man gar nicht glauben, dass dies die gleiche Frau ist, die in den 80er Jahren mit der Blödel-Show "Sketchup" neben dem mittlerweile verstorbenen Dieter Krebs zu einer der beliebtesten deutschen Darstellerinnen katapultiert wurde. Und sie schaffte anschließend noch das, was viele versuchten, aber scheiterten - nämlich aus dem komödiantischen Fach in die ernste Unterhaltung zu wechseln. Mittlerweile stellt Iris Berben mit der Figur der "Rosa Roth" eine der beliebtesten Kommissarinnen im Samstagabend-Programm dar und in ihrem Regal sind eine ganze Reihe wichtiger Auszeichnungen zu finden. Und auch in der Rolle der Nina Vandenberg weiß sie zu glänzen und sorgt für die großen Momente im Film.
Inhaltlich bietet der Film eine gelungene Mischung aus Wirtschaftskrimi und Familiendrama. Die Frage, wo das ganze Geld hingebracht wurde und wie sich Nina von den Anschuldigungen freisprechen kann, sind genauso interessant umgesetzt worden wie die Frage, wie sie mit dem psychischen Druck fertig wird und ob sie darunter wieder zu trinken beginnt. Dem Zuschauer werden dabei ausreichend Personen angeboten, deren Handeln sie geistig und moralisch unterstützen, sowie eben so viele Unsympathen, die sich des Zorns des Publikums gewiss sein dürfen. Das Drehbuch hält zwar die eine oder andere nicht ganz der Realität entnommene Szene bereit und manche Charaktere erscheinen doch recht klischeehaft, aber kann dies dem insgesamt guten Eindruck des Dreiteilers nicht schaden. "Die Patriarchin" bietet gute Unterhaltung, die absolut sehenswert ist.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist für eine TV-Produktion angemessen gut gelungen. Es weist zwar eine leichte Grobkörnung auf, ist aber ansonsten ohne Makel. Der deutsche Ton im fernsehgerechten Dolby Digital 2.0-Format passt sich dem stimmigen Bild an und wird ebenfalls den Anforderungen gerecht.
Für eine TV-Produktion ist recht üppiges Bonusmaterial auf der DVD enthalten. Recht ausführliche Interviews mit einigen Künstlern vor und hinter der Kamera liefern einige Eindrücke von den Arbeiten am Film und der Bezüge dieser Personen zu den Charakteren und dem Film. Auf Texttafeln finden sich dann einige Hintergründe zu einzelnen Kreativen. Es gibt des Weiteren noch 3 Making Ofs, bei denen das eine allgemeine Bilder vom Dreh zeigt, ein anderes sich kurz den Special Effects widmet und ein letztes, vom Pay-TV Sender Premiere produziertes von den Arbeiten in Afrika berichtet. Abgerundet werden die Boni durch den TV-Trailer.
Fazit:
"Die Patriarchin" bietet spannende Unterhaltung. Mit einer Mischung aus Wirtschaftskrimi und Familiendrama kann er über seine rund 270 Minuten fesseln. Nicht zuletzt durch eine überragend agierende Iris Berben in der Rolle einer auf eine harte Probe gestellten Frau.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,66:1
|
266:21 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Keine |
|
Bonusmaterial:
|
- Interviews
- Darsteller und Crew
- Making Of
- Special Effects Making Of
- Premiere.Bericht "Setvisit in Afrika"
- TV-Trailer
|
|  |
Die Patriarchin
Die Patriarchin
Ein packender Wirtschaftskrimi mit kleinen Schwächen aber einer überragenden Iris Berben
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2004 Regie: Carlo Rola Drehbuch: Christian Schnalke Darsteller: Iris Berben, Ulrich Noethen, Christoph Waltz, Jürgen Tarrach, Nadja Bobyleva, Hans Diehl, Miguel Herz-Kestranek, Tobias Schenke, Adrian Topol, Ulrich von Dobschütz, Christoph Waltz
Label :
Concorde Film
Verkaufsstart : 17.03.2005
|