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DVD-Besprechung - Poirot - Eine Familie steht unter Verdacht

Story:
England, 1917. Der sich auf Genesungsurlaub befindliche Lieutenant Hastings (Hugh Fraser) wird von seinem alten Freund John Cavendish (David Rintoul) auf dessen Familienanwesen eingeladen. Hier müssen beide eines Nachts mit ansehen, wie Mutter Emily Ingelthorpe (Gillian Barge) an einer Vergiftung stirbt. Da sich Hastings alter belgischer Freund, der Meisterdetektiv Hercule Poirot (David Suchet) in der Nähe aufhält, bittet er ihn bei der Lösung des Falls behilflich zu sein.

Meinung zum Film:
1917 wurde die 26-jährige Krankenschwester Agatha Christie zum Schreiben eines Romans inspiriert, nachdem in der Krankenhausapotheke eine größere Menge Arsen verschwunden war. Dabei herausgekommen ist die Geschichte um eine ältere Dame, die in ihrem Zimmer vergiftet wird und die Lösung des Falls scheint von Beginn an offensichtlich zu sein. Doch nicht in der Welt der späteren First-Lady des Kriminalromans, die mit dem belgischen Meisterdetektiv Hercule Poirot gleich in ihrem ersten Werk einen Charakter einführte, der neben Sherlock Holmes zu den bekanntesten Meistern seines Fachs gehört. Es dauerte jedoch fast 4 Jahre, bevor Agatha Christie einen Herausgeber für ihren Erstling mit dem Namen "The Mysterious Affair at Styles" fand und so startete ihre steile Karriere als gefeierte Krimiautorin erst 1920, und dies auch erstmals nur in den USA. Ihre englischen Landsmännern mussten auf eine Veröffentlichung bis 1921 warten. In Deutschland erschien der Roman unter dem Titel "Das fehlende Glied in der Kette".

In der BBC-Serie "Poirot" wurde Agatha Christies Erstlingswerk gebührend geehrt und in einer Doppelfolge ausgestrahlt, die als Überbrückung zwischen der 2. und der 3. Staffel diente. Im Gegensatz zu den anderen Folgen spielten die Ereignisse dieser Episode rund 15 Jahre früher, was auch Poirot anzusehen ist, da Darsteller David Suchet unter anderem auf die Auspolsterungen, die er ansonsten zu tragen pflegte, verzichtete. Der ausgeprägte Ordnungssinn von Poirot kommt aber zum Glück nicht abhanden und so versucht er unter anderem einer Ladenbesitzerin klar zu machen, dass es doch eine feine Sache wäre, Waren gemäß ihren Herkunftsländern von Ost nach West zu sortieren, worauf er allerdings nur die Bemerkung erntet, dass alles von einem benachbarten Großhändler komme. Er bringt des Weiterem auch seine große Liebe zu New York zum Ausdruck, da hier alle "Streets" rechtwinklig zu den "Avenues" angeordnet sind und dazu auch noch alles fein säuberlich durchnummeriert sei. Hercule Poirot wie er leibt und lebt und wie ihn die Fans der Romane über die Jahre liebgewonnen haben.

Die rund 105 Minuten der Doppelfolge werden nebenbei auch dazu genutzt, die Geschichte von Poirot und Hastings zu erzählen. In der Serie ist es schon zur Gewohnheit geworden, dass sich die beiden kennen und auf ihre eigene Weise schätzen, in dieser Folge wird ausnahmsweise gezeigt, wie sie gemeinsam ihren ersten Fall lösen und es wird erzählt, wie sich die beiden Freunde zum ersten mal trafen. Der Fall selbst ist ebenfalls sehr interessant aufgebaut und die Lösung des Mordes sorgt für eine kleine Überraschung. Bemerkenswert ist auch wieder die Ausstattung der Kulissen, die den Zuschauer mitten in eine altenglische Kleinstadt ziehen, in der zahlreiche Oldtimer durch die holprigen Straßen fahren und wo die Häuser noch durch einen alten, rustikalen Baustil geprägt sind. Liebhaber der TV-Serie werden sich in dieser Folge in Spielfilmlänge recht schnell heimisch fühlen und die schrullige Art ihres geliebten Meisterermittlers von der ersten bis zur letzten Sekunde genießen können. Der einzige Wermutstropfen ist die Frage, warum der Film nicht Bestandteil einer Serien-Box ist und als Einzeltitel zum Vollwert-Preis verkauft wird.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen durchschnittlichen Eindruck. Etwas störend fällt vor allem das teils starke Rauschen ins Gewicht und auch die Farben erscheinen stellenweise ein wenig blass. Der Ton ist klar zu verstehen und kommt ohne nennenswerte Schwächen aus der Vorderfront.

Extras gibt es auf der DVD selbst keine, dafür liegt ein Faltblatt mit sehr interessanten Hintergrundinformationen bei.

Fazit:
Die Doppelfolge "Eine Familie steht unter Verdacht" bietet die gewohnt gute und stilvolle Unterhaltung der Poirot-Serie und wird trotz ihrer 105 Minuten Laufzeit niemals langatmig. Poirot- und Krimi-Freunde können bedenkenlos zugreifen und sich so das Warten auf die 2. Poirot-Collection ein wenig erleichtern.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,33:1
1,33:1
104:35 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Faltblatt mit Hintergrundinformationen
Poirot - Eine Familie steht unter Verdacht - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Poirot - Eine Familie steht unter Verdacht
Poirot - The Mysterious Affair at Styles

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Ein gelungener Krimi basierend auf dem ersten Roman Agatha Christies


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
UK, 1990
Regie:
Ross Devenish
Drehbuch:
Clive Exton (nach dem Roman von Agatha Christie)
Darsteller:
David Suchet, Hugh Fraser, Philip Jackson, Gillian Barge, David Rintoul, Beatie Edney, Michael Cronin, Anthony Calf, Joanna McCallum, Allie Byrne

Label Deutschland :
Polyband
Verkaufsstart Deutschland :
29.08.2006