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DVD-Besprechung - Poseidon (2-Disc-Edition)
Story:
Der riesige Luxuskreuzer "Poseidon" wird mitten in der Silvesternacht von einer riesigen Monsterwelle getroffen und umgekippt. Während der Großteil der Passagiere sich zusammen mit Captain Bradford (Andre Braugher) im abgeschotteten Ballsaal einschließt, versucht eine Gruppe unter der Leitung von Robert Ramsey (Kurt Russell) und Dylan Johns (Josh Lucas) an die Oberfläche zu gelangen, da diese nicht der Meinung sind, dass das Schiff lange dem Wasserdruck standhalten kann.
Meinung zum Film:
"Poseidon"-Regisseur Wolfgang Petersen hat sich nach seinem nicht sonderlich beliebten "Troja" an ein weiteres, großes Projekt gewagt. Diesmal nahm er sich der Grundidee des auch heute noch beliebten Katastrophenfilms "Poseidon Inferno" an, übernahm von diesem allerdings nur die Vorgabe des umgekippten Schiffes, und baute zusammen mit Drehbuchautor Mark Protosevich ("The Cell") ein komplett neues Fluchtszenario. Die heutigen Möglichkeiten der Tricktechnik und ein Budget von rund 160 Mio. US-Dollar stellten dabei einen Rahmen dar, der eine gelungene, neuerzählte Schiffskatastrophe von hoher Qualität und mit großem Unterhaltungspotential ermöglichen sollte. Doch anstatt dies zu schaffen wird nur wieder eines auf eindringliche Weise gezeigt - Geld und Tricktechnik nützen gar nichts, wenn die Menschen und die Geschichte(n) um sie herum vergessen werden.
So bleibt Kurt Russell ("Dreamer - Ein Traum wird wahr") in der Rolle eines Bürgermeisters a.D. relativ blass. Es werden Probleme in seiner Vergangenheit angedeutet, allerdings nie erklärt. Er hat einen Konflikt mit seiner Tochter Jennifer, dargestellt von Emmy Rossum (Christine aus "The Phantom of the Opera"), der aber ebenfalls nicht weiter erläutert wird. Der zweite Held im Team, Dylan Johns, dargestellt von Josh Lucas ("Stealth - Unter dem Radar"), bleibt noch mehr im Dunkeln, was der Bindung zu einer zentralen Figur nicht gerade weiterhilft. Aber auch die restlichen Protagonisten geben nicht mehr als kleine Hintergründchen von sich preis: So wurde Richard Dreyfuss ("Der weiße Hai") irgendwie enttäuscht, Jacinda Barrett ("Bridget Jones - Am Rande des Wahnsinns") reist gemeinsam mit ihrem Filmsohn Jimmy Bennett ("Firewall") auf dem Schiff, Mía Maestro ("Alias") ist als blinder Passagier auf der Reise zu ihrem kranken Bruder, Kevin Dillon ("Out for Blood") ist ein stets betrunkener Spieler und Mike Vogel ("Wo die Liebe hinfällt...") der Neu-Verlobte von Bürgermeistertochter Jennifer. Viel mehr als diese mageren Fakten werden von den Personen nicht bekannt, was eine emotionale Bindung zu ihnen schier unmöglich macht und somit die für einen Katastrophenfilm durchaus wichtige, emotionale Ebene niemals aufgebaut werden kann.
Zusätzlich zu den großen Schwächen in der Charakterisierung hält das Drehbuch noch dermaßen viele Unzulänglichkeiten bereit, dass man als Zuschauer irgendwann nur dumme Handlungen und Geschehnisse registriert und den ein oder anderen Effekt genießt, während die Geschichte immer mehr egal ist. Wenn die ersten Personen sterben, geht dies dem Publikum kaum nahe und selbst wenn eine der zentralen Figuren ihr Leben für die anderen opfert, mag dies kaum jemanden berühren. Selbst die anderen Personen im Film, die vorher bei jedem kleinen Zwischenfall in Tränen und Verzweiflung ausbrachen, scheint das Ableben gar nicht weiter zu registrieren. Warum also sollte es dem Publikum anders gehen. Es ist kaum zu glauben, welcher inhaltlicher Offenbarungseid mit "Poseidon" abgeliefert wurde. Selbst für einen B-Movie wäre die Story nicht tragbar gewesen und es wird Zeit, dass Wolfgang Petersen sich weniger auf das Budget und tolle Effekte stürzt und wieder zurück zu seinen "Das Boot"-Wurzeln kehrt. Ansonsten werden sich die Herren in Hollywood bald Gedanken darüber machen, ob sie ihre Millionen nicht auf effektivere Weise vernichten können.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen sehr guten Eindruck und bietet keinen Anlass zu Klagen. Gleiches gilt für den sehr ausgeglichenen und effektvollen Dolby-Digital-5.1-Ton, der die Effektlautsprecher sehr gut zum Einsatz bringt.
Die Extras halten interessante Hintergrundberichte bereit. "Poseidon: Ein Schiff im Tonstudio" zeigt mehr als nur die Tonproduktion und bildet gemeinsam mit "Poseidon: Auf den Kopf gestellt" und "Tagebuch eines Schiffskameraden" ein sehr interessantes Making Of, das im Grunde nicht hätte künstlich getrennt werden müssen. Es folgt noch die Dokumentation "Die Monsterwelle", in der auf das Phänomen von Monsterwellen in der Natur eingegangen wird.
Fazit:
Nicht nur die "Poseidon" erleidet Schiffbruch, sondern auch der Film selbst. Während tricktechnisch gut gearbeitet wurde, ist die Geschichte mit zahlreichen hanebüchenen Aktionen gefüllt und bietet eine Charakterisierung, die gegen 0 tendiert, wodurch die wichtige Bindung zu den Protagonisten schlichtweg fehlschlägt. Auch wenn "Poseidon Inferno" über 30 Jahre älter ist, stellt dieser doch die eindeutig bessere Adaption der Romanvorlage dar.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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94:10 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch |
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Bonusmaterial:
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- Poseidon: Ein Schiff im Tonstudio
- Poseidon: Auf den Kopf gestellt
- Tagebuch eines Schiffskameraden
- Die Monsterwelle
- US-Kinotrailer
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Poseidon
Poseidon
Nicht nur der Kreuzer im Film erleidet hier Schiffbruch
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2006 Regie: Wolfgang Petersen Drehbuch: Mark Protosevich (basierend auf dem Roman von Paul Gallico) Darsteller: Kurt Russell, Josh Lucas, Richard Dreyfuss, Jacinda Barrett, Emmy Rossum
Label :
Warner Home Video Germany
Verkaufsstart : 10.11.2006
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