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Blu-ray-Besprechung - Requiem for a Dream
Story:
Harry Goldfarb (Jared Leto) träumt von einem ruhigen Leben mit seiner Freundin Marion (Jennifer Connelly). Doch dazu fehlt es dem jungen Paar vor allem am Geld, das Harry nun zusammen mit seinem Kumpel Tyronne (Marlon Wayans) als Kleindealer mit gestrecktem Stoff verdienen möchte, ein bisschen Stoff für den Eigengebrauch inklusive. Einen Traum hat auch Harrys Mutter Sara (Ellen Burstyn). Sie möchte unbedingt einmal in der Show von Tappy Tibbons (Christopher McDonald) auftreten und auch hier scheint sich die Möglichkeit aufzutun, diesen Traum in Erfüllung gehen zu lassen. Doch da die ältere Dame sich als zu dick empfindet, nimmt sie die Hilfe eines Diätarztes in Anspruch, der sie gleich mit Pillen versorgt. Ohne es zu merken begeben sich die Goldfarbs nebst Freunden immer tiefer in einen Sumpf der Abhängigkeit, in dem sie zusehends zu versinken drohen.
Meinung zum Film:
Mit „Black Swan“ und „The Wrestler“ feierte Regisseur und Drehbuchautor Darren Aronofsky in den letzten Jahren große Erfolge. Die Filme handeln von Menschen die bereit sind alles für ihren Traum zu geben. Dafür gehen sie nicht nur bis an ihre Grenzen, sondern letztendlich darüber hinaus. Bereits 2000 beschäftige sich Aronofsky ausführlich mit Träumen von Menschen, die ihnen zum Verhängnis werden. Mit "Requiem for a Dream" hielt er gemäß dem Titel eine Totenmesse für sie ab und begrub die Zukunftshoffnungen seiner vier Protagonisten innerhalb von drei Jahreszeiten. Zu Beginn wirken ihre Situationen noch recht entspannt. Harry und Tyrone hängen vergnügt im leichten Drogenrausch ab. Mit seiner Freundin Marion zieht Harry sich auch gerne mal einen Joint durch, doch zusammen wirken sie wie ein normales glückliches, junges Paar, das die besten Jahre noch vor sich hat. Der Diätwunsch von Mutter Sara ist zwar ein wenig merkwürdig, aber sie lässt sich ihre Diät-Pillen extra von einem Mediziner verabreichen, man kann ja nicht vorsichtig genug sein. Was zu Beginn des Films jedoch noch wie leichte Unterhaltung mit kontrollierbarem Rauschmittelkonsum erscheinen mag, wird mit zunehmender Spieldauer immer mehr zu einem wirkungsvollen Schlag in den Magen des Publikums, wenn die Kontrolle über die Sucht bei den Protagonisten Schritt für Schritt verloren geht.
Es ist leicht sich in die Figuren einzufühlen, da sie trotz ihrer kleinen Macken recht durchschnittlich erscheinen. Sara Goldfarb (Ellen Burstyn / "Alice lebt hier nicht mehr") zum Beispiel ist eine ältere Dame, die seit dem Tod ihres Mannes immer mehr in eine Bedeutungslosigkeit gerät, in der die TV-Show von Tappy Tibbons (Christopher McDonald / „Faculty“) das Highlight des Tages darstellt. Es reicht bei ihr schon ein Werbeanruf mit dem Versprechen in einer TV-Show auftreten zu können, um gleich ihren sehnsüchtigen Traum kurz vor der Erfüllung zu sehen – einmal an der Seite von Tappy Tibbons vor der Kamera stehen zu können. Und damit sie in diesem großen Moment glänzen kann, will sie unbedingt in ihr rotes Kleid passen, das sie schon seit ewigen Jahren nicht mehr trug und das ihr mittlerweile auch einige Nummern zu klein ist. Vier verschiedene Pillen lässt sie sich von einem wenig sorgsamen Arzt verschreiben um schnell noch abzunehmen. Doch es geht Sara nicht schnell genug und so beginnt sie mit dem Tabletten zu experimentieren. Ähnlich dramatisch und nahe gehend wie das Schicksal von Sara ist auch das von Marion (Jennifer Connelly / "Haus aus Sand und Nebel"). Sie ist eine gewöhnliche junge Frau mit Träumen. Doch die Drogen ziehen sie zunächst unmerklich immer weiter runter und irgendwann sind keine Mittel mehr da um weitere Rauschmittel zu kaufen. Die vorhandenen Drogen wurden entweder verkauft oder selbst konsumiert. Das beim Verkauf eingenommene Geld wurde auch längst wieder ausgegeben. Harry (Jared Leto / "Fight Club") und Tyronne (Marlon Wayans / "G.I. Joe - Geheimakte Cobra") finden keinen Dealer mehr, der ihnen reinen Stoff verkauft. Und als dann frische Ware verfügbar wäre, fehlt es ihnen am Geld. Und an dieser Stelle kommt der Körper der attraktiven Marion ins Spiel, der die einzige Möglichkeit zu sein scheint noch an frischen Stoff heran zu kommen.
Neben den starken darstellerischen Leistungen sind es vor allem die verstörenden Blickwinkel, die schnellen Schnitte und der genial erdrückende Soundtrack von Clint Mansell („Black Swan“), die „Requiem for a Dream“ zu einem solch nahegehenden Erlebnis werden lassen. Die Erzählung beginnt im Sommer, wo alles noch in einem ruhigen Rahmen abläuft. Die Musik hält sich weitgehend im Hintergrund und die Bilder erinnern an einen Familienfilm. Mit dem Herbst beginnen die Charaktere aber immer mehr in eine Abhängigkeit zu verfallen. Die Schnitte werden schneller, der Soundtrack eindringlicher und die Bilder immer verstörender. Saras Unruhe durch die Appetitzügler wird durch Großaufnahmen ihres verwirrten Gesichtes, dem immer bedrohlicher wirkenden Kühlschrank und Aufnahmen im Zeitraffer auch für den Zuschauer zu einer stetig nervenaufreibenderen Situation. Im Winter sind die Figuren dann in der Talsohle angekommen. Die Bilder werden noch düsterer, der Soundtrack hängt wie eine schwere, drückende Last in der Luft und die Bildfolge gerät streckenweise zu einem wilden Stakkato aus flüchtigen Eindrücken, die keinen Raum zur Flucht mehr übrig lassen. Dadurch ist man als Zuschauer hautnah dabei, fast schon zu nah, wenn Marion sich zur Drogenbeschaffung immer weiter entwürdigen lässt. Wenn Sara mit den Folgen ihres Tablettenmissbrauchs konfrontiert wird, oder Harry erkennen muss, dass er in seinem Leben schon lange nichts mehr unter Kontrolle hat. Und auch Tyronne, der zumindest streckenweise noch einen Funken Vernunft durchschimmern lässt, muss erkennen, dass er sich zu lange gedankenlos hat mitreißen lassen. Nach aufreibenden rund 100 Minuten sitzt der Zuschauer schließlich mitgenommen vor dem Bildschirm und versucht die gerade gesehenen Eindrücke zu verarbeiten. Buch- und Co-Drehbuchautor Hubert Selby Jr. hatte bereits in "Letzte Ausfahrt Brooklyn" den Abgesang auf den amerikanischen Traum gefeiert, mit "Requiem for a Dream" trägt er diesen nun endgültig zu Grabe. Zusammen mit Regisseur Darren Aronofsky und Komponist Clint Mansell nimmt er den Zuschauern mit auf eine Reise in die tiefen Abgründe naiver Wunscherfüllungen und sorgt dabei für eine qualitativ wertvolle Achterbahnfahrt der Gefühle, inklusive einer Landung auf dem harten Boden der Realität, wie sie härter kaum ausfallen könnte.
Digitale Aufarbeitung:
Im Vergleich zur DVD ist das Bild der Blu-ray ein deutlicher Fortschritt. Die Schärfe hat sich klar gebessert, lässt für eine Blu-ray aber noch Platz nach oben. Vor allem die Tiefenschärfe lässt ein wenig zu wünschen übrig. Die Konturenschärfe fällt ein wenig schwankend aus und reicht von gutem Durchschnitt bis zu akzeptabel. Richtig gut gelungen ist die Schärfe in der Regel bei extremen Nahaufnahmen von Gesichtern, wo problemlos selbst feinste Poren zu erkennen sind. Ganz vereinzelt gibt es Überblendungen bei hellen Hintergrundflächen. Der Kontrast des Bildes passt sich der düsteren Stimmung des Films an und kommt tief und dadurch bedrückend daher. Doch Regisseur Darren Aronofsky hat gezielt Bildverfremdungen als Stilmittel eingesetzt, weswegen es sich in der Regel nicht um Probleme bei der Aufarbeitung des Bildmaterials handelt. Der deutsche Ton liegt in DTS-HD Master Audio 5.1 vor und ist durchweg gut zu verstehen. Aus den Effektlautsprechern kommt in erster Linie der Soundtrack, der die beklemmende Atmosphäre durch die Ausfüllung des Raumes wirkungsvoll unterstützt.
Näheres über die Entstehung des Films gibt es bei den Extras der Blu-ray zu erfahren. Das Making Of beschäftigt sich mit dem Treiben beim Aufbau der Kulissen, worauf in einzelnen Szenen Wert gelegt wurde und wie die Arbeit miteinander war. Erklärt werden die Bilder durch Darren Aronofsky, dessen Stimme aus dem Off wie bei einem Audiokommentar zu vernehmen ist. Weiter geht es mit einem Interview mit Buchautor Hubert Selby Jr., in dem der Autor über sein bewegtes Leben und die Figuren in seinem Buch erzählt. In „Aufbau einer Szene“ geht Darren Aranofsky dann noch weiter auf die Intentionen und seine Sichtweise der Geschehnisse im Film ein. Dabei beschränkt er sich aber nicht, wie es der Titel vielleicht suggeriert auf eine einzelne Szene, sondern es werden verschiedene Momente aus dem Film erklärt. „Tappy Tibbons“ bekommt dann noch sein eigenes Feature, in dem längere Momente aus der fiktiven TV-Show gezeigt werden. „Die Entstehung der Filmmusik“ berichtet von der Aufnahme des markanten Soundtracks auf der Skywalker-Ranch von George Lucas. Die Präsentation ist ähnlich wie beim Making Of, mit einem Kommentar von Darren Aronofsky aus dem Off. Abgerundet werden die Extras durch einen TV-Spot für den Film und neun nicht verwendete, relativ kurze Szenen, die wahlweise auch mit Audiokommentar angesehen werden können.
Fazit:
Selten zuvor hat es ein Film so eindringlich wie „Requiem for a Dream“ verstanden, den Zuschauer so tief in die Gefühlswelt und Wahrnehmung seiner Protagonisten zu ziehen und den langsamen Sturz in die Drogensucht nachvollziehbar zu präsentieren. Richtig berühmt geworden ist Regisseur Darren Aranofsky zwar erst durch seine späteren Werke „The Wrestler“ und „Black Swan“, doch sein Meisterstück hat er bereits mit diesem Film abgeliefert. Wer es noch nicht gesehen hat, sollte dies unbedingt nachholen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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101:40 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1 | Englisch DTS-HD Master Audio 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch für Hörgeschädigte |
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Bonusmaterial:
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- Making Of mit Regiekommentar
- Interview mit Autor Hubert Selby Jr.
- Aufbau einer Szene
- Tappy Tibbons
- Die Entstehung der Filmmusik
- TV Spot "Dream Quotes"
- Deleted Scenes
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Requiem for a Dream
Requiem for a Dream
Darren Aronofskys verstörendes, eindringliches und mitreißendes Meisterwerk - Ein Film, den man gesehen haben sollte!
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2000 Regie: Darren Aronofsky Drehbuch: Darren Aronofsky, Hubert Selby Jr. (nach dem Roman von Hubert Selby Jr.) Darsteller: Ellen Burstyn, Jared Leto, Jennifer Connelly, Marlon Wayans, Christopher McDonald, Louise Lasser, Marcia Jean Kurtz, Keith David
Label :
Constantin Film
Verkaufsstart : 28.04.2005
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