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DVD-Besprechung - Nachtschicht - Volume 4: Der Ausbruch

Story:
Die beiden Gewaltverbrecher Alfons Töfting (Florian Lukas) und Willy Nowak (Jan Josef Liefers) flüchten auf spektakuläre Weise aus der JVA Santa Fu. Töfting sinnt auf Rache an Hauptkommissar Erich Bo Erichsen (Armin Rohde), der ihn vor Jahren wegen eines Banküberfalls eingelocht hatte, und dem er außerdem die Unterschlagung der verschwundenen 500.000 Euro aus dem Bruch unterstellt. Währenddessen muss sich die neue Kriminalpsychologin des Teams, Lisa Brenner (Barbara Auer), bei ihrem ersten Einsatz direkt mit einem selbstmordgefährdeten Teenager auseinandersetzen, der sich als Willy Nowaks Tochter entpuppt.

Meinung zum Film:
Die deutsche Erstausstrahlung von "Nachtschicht - Der Ausbruch" erfolgte am 29. Januar 2007. "Der Ausbruch" ist damit die vierte, und bisher letzte Folge der Reihe nach "Amok", "Vatertag" und "Tod im Supermarkt". Die Einschaltquote der letzten Folge blieb zwar mit 5,4 Millionen Zuschauern deutlich hinter der dritten Folge zurück, war aber immer noch gut und auch besser als bei der zweiten Folge. Ob es weitere Fortsetzungen der Reihe geben wird, ist momentan nicht bekannt.

Zum vorläufigen Abschluss der Reihe "Nachtschicht" konnte ein absolut hochkarätiges Darstellerensemble gewonnen werden. Barbara Auer ("Ich bin die Andere") ersetzt in dieser Folge als Kriminalpsychologin Lisa Brenner Katharina Böhm ("Gespräch mit der Bestie"). Der Gewaltverbrecher Alfons Töfting, ist ein alter Bekannter aus der ersten Folge "Amok", und wird wiederum von Florian Lukas ("Good Bye, Lenin!") verkörpert. Sein Mitausbrecher Willy Nowak ist niemand Geringeres als Jan Josef Liefers ("Das Wunder von Lengede"), seine Ehefrau im Film, wie auch im realen Leben, ist Anna Loos ("Anatomie"). Die Rolle des Fluchthelfers Kellogs übernahm schließlich Bela B. Felsenheimer ("Edelweißpiraten") von der Band "Die Ärzte". Während die Prominenz der Darstellerriege gegenüber "Tod im Supermarkt" deutlich ausgebaut wurde, wurde andererseits der ironisch-humorige Unterton der letzten Folge mächtig zurückgefahren. So tritt zwar z.B. erneut der skurrile Apotheker aus der vorigen Folge auf, zu mehr als einem kleinen Cameo-Auftritt reicht es aber nicht. Der blutige Schusswaffeneinsatz zu Beginn und am Ende bescherte dem Film außerdem berechtigterweise eine Altersfreigabe ab 16 Jahren. "Der Ausbruch" zentriert sich besonders auf die beiden Flüchtigen Töfting und Nowak, wobei Töfting von Anfang an als vollkommener Unsympath und Psychopath präsentiert wird. Bei seiner Flucht schießt er eine Wache über den Haufen, er ist ehemaliges Mitglied einer Wehrsportgruppe und dürstet gegenüber Erichsen nach Rache. Genau entgegengesetzt wird Nowak immer stärker als Gegenpol zu Töfting, und als Sympathieträger für den Zuschauer, aufgebaut. Leider passiert das auf eine sehr plakative Art und Weise, die häufiger in Richtung Kitsch abdriftet. Beispielsweise überfährt er während ihrer waghalsigen Flucht ein Reh und besteht hinterher darauf, es anständig zu begraben, worauf beide in aller Seelenruhe eine metertiefe Grube ausheben. Danach mutiert Nowak vom Ausbrecher und Gewalttäter zum fürsorglichen Familienvater und die Anzeichen verdichten sich, dass er lediglich das Opfer einer gemeinen Intrige geworden ist.

Leider zieht sich diese im Charakter Willy Nowak angedeutete Oberflächlichkeit und Innovationslosigkeit durch die gesamte Folge. Die Skurrilität der Figuren wurde zurückgefahren, bissige Dialoge blieben auf der Strecke und das Tempo ging, trotz Actioneinlagen, eher zurück. Der Nebenplot der suizidgefährdeten Tochter, sowie ihrer familiären Verhältnisse, nimmt immer mehr Raum ein, während Töftings Aktionen gegen Erichsen immer weiter in den Hintergrund treten. So wird dann auch seitens des Drehbuchs nichts unversucht gelassen die gesamte Familie Nowak als unschuldige Opfer darzustellen und noch weitere eindimensionale "Finstermänner" in die Geschichte einzuflechten, die ihr (Familien-)Leben erst ruiniert haben. Leider bleibt die Spannung dabei größtenteils auf der Strecke und alles steuert ziemlich linear auf ein voraussehbares Happy End zu.

Digitale Aufarbeitung:
Wie auch schon bei den anderen Folgen der Serie liegt ein wahrnehmbares Bildrauschen vor, die Schärfe ist aber insgesamt zufriedenstellend. Der deutsche Ton ist ordentlich gelungen.

Das einzige Extra sind erneut die schon bekannten, äußerst kärglichen Darstellerinfos in Textform.

Fazit:
"Der Ausbruch" ist mit Abstand die schwächste Folge der "Nachtschicht"-Reihe. Originelle Akteure sucht man in dieser Folge mit der Lupe, die Story ist vorhersehbar und kitschig, das Finale wirkt völlig überzogen und Innovationen sind nicht auszumachen. So mutet "Der Ausbruch" dann auch, anders als die bisherigen Folgen, eher als typische Auftragsarbeit für das Fernsehen an, deren Qualität letztendlich glücklicherweise noch durch die überzeugende und hochkarätige Darstellerriege und die solide Inszenierung aufgefangen werden kann.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
89:21 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Darstellerinfos
Nachtschicht - Volume 4: Der Ausbruch - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Nachtschicht - Der Ausbruch
Nachtschicht - Der Ausbruch

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Hochkarätige Darsteller heben die schwächste Folge der "Nachtschicht"-Reihe gerade noch über den Durchschnitt!


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2006
Regie:
Lars Becker
Drehbuch:
Lars Becker
Darsteller:
Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Ti, Ken Duken, Jan-Josef Liefers, Florian Lukas

Label Deutschland :
Constantin Film
Verkaufsstart Deutschland :
29.03.2007