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DVD-Besprechung - Nackt unter Leder

Story:
Rebecca (Marianne Faithfull) hat kürzlich geheiratet. Ihre Ehe beginnt sie aber bereits nach kurzer Zeit zu langweilen, so steigt sie eines Tages in ihre Lederkluft und macht sich mit ihrem Motorrad auf den Weg nach Heidelberg zu ihrem Liebhaber Daniel (Alain Delon). Auf der Fahrt verfällt Rebecca in Tagträume und erinnert sich daran zurück, wie sie Daniel kennen gelernt hat.

Meinung zum Film:
"Nackt unter Leder" basiert auf dem, wegen seiner freizügigen sexuellen Darstellung in den 60ern als Skandalroman angesehenen, "La Motocyclette" von André Pieyre De Mandiargue. Regie bei "Nackt unter Leder" führte Jack Cardiff ("Cassidy, der Rebell"), der als Regisseur keine wirklich großen Erfolge erzielen konnte, jedoch als einer der besten Kameraleute Großbritanniens galt. Der Film kam bei den Zuschauern nicht an, feierte lediglich in Großbritannien bescheidene Erfolge, und wurde von den Kritikern verrissen. In den USA erhielt der Film sogar ein X-Rating und musste einige heftige Schnitte über sich ergehen lassen.

Als Skandalfilm würde "Nackt unter Leder" nach heutigem Stand der Dinge wohl niemand mehr bezeichnen. Es gibt äußerst wenig freizügige Szenen, da wird heute schon im Vorabendprogramm weit mehr gezeigt. Hinzu kommt, dass Regisseur Jack Cardiff sich bereits im Vorfeld gegen die Zensur absichern wollte, so arbeitet er z.B. in den "Sexszenen" mit dem Wechsel von Negativ- zu Positivfilm. Das führt vor allem zu psychedelischen Farbeffekten und verfremdet die Szenen teilweise so stark, dass überhaupt nicht mehr auszumachen ist, was gerade auf dem Bildschirm passiert. Weiterhin verstärkt er das vorhandene Licht mit Scheinwerfern oder nutzt andersfarbiges Kunstlicht, was diese Szenen ebenfalls dem Realismus enthebt. Aufgrund dieser Qualität der freizügigeren Szenen und deren geringer Anzahl ist es unsinnig, den Film als Softporno zu bezeichnen, auch erotisch ist der Film zu keiner Zeit. In eine richtige Schublade lässt er sich aber eh nicht einordnen. Für einen Liebesfilm fehlt schlichtweg die Romantik, so ist zwar Rebecca Daniel in gewisser Weise verfallen, Daniel erwidert diese Liebe aber nicht, er bevorzugt die "freie Liebe". Das bedeutet für ihn Liebe ohne Verpflichtungen und Begehren ohne Liebe. Ein Roadmovie ist er aber auch nicht, zwar spielt das Motorrad eine wichtige Rolle und es gibt auch viele Außenaufnahmen mit der Fahrt des Motorrads, das Motorrad selbst ist aber nur Mittel zum Zweck und die Aufnahmen von der Fahrt sind sehr unspektakulär. Besonders misslungen sind die Fahrsequenzen, die Rebecca, oder auch Rebecca und Daniel, frontal auf ihrem Motorrad zeigen, welches offensichtlich vor einer Leinwand gefilmt wurde. Für ein Drama fehlt dem Film einerseits der Tiefgang andererseits die Schwermütigkeit, denn Rebecca grinst den Großteil des Films lediglich wie ein Honigkuchenpferd und genießt die Fahrt auf ihrem Motorrad. Auch von einer Komödie kann man eigentlich nicht sprechen. Lediglich die Versuche, obszöne Formulierungen und frivoles Gedankengut einzuflechten, wirken aus heutiger Sicht teilweise unfreiwillig komisch, beispielsweise wenn Rebecca ihr Motorrad als Zuhälter Daniels bezeichnet und sich selbst als seine Hure.

Die Story des Films erscheint auf den ersten Blick sehr eindimensional und genauso stellt sie sich auch dar. Das Werk besteht größtenteils aus Rückblenden und Tagträumen. Teilweise fällt es dadurch schwer, sich zwischen den Zeitebenen zu orientieren, da die Inhalte dieser Sequenzen aber meist oberflächlich, austauschbar und unstrukturiert erscheinen, bereitet dieses Symptom dem Zuschauer nicht wirklich Probleme. Die Figur der Rebecca ist vom Alltag angeödet. Sie versucht sich aus ihrer, als Sklaverei empfundenen Ehe zu lösen und ihre Freiheit zu verwirklichen. Statt Freiheit zu finden gerät sie aber nur in neue Abhängigkeiten, nämlich in die von Daniel. Die Liebe, die sie sucht, findet sie nicht. Daniel beflügelt und befriedigt lediglich ihre Leidenschaft.

Digitale Aufarbeitung:
Dem Bild merkt man das Alter des Films deutlich an. Vor allem zu Beginn ist es völlig verrauscht und auch Beschädigungen sind reichlich vorhanden. Weiterhin erscheint es oft etwas matschig, so dass Details verloren gehen. Die Bildqualität wird zwar mit zunehmender Spieldauer besser, mehr als gute VHS-Qualität bekommt man aber nie geboten. Sowohl die deutsche, als auch die englische Tonspur sind gut verständlich, die deutsche Variante ist aber deutlich kräftiger ausgefallen.

Als Extras gibt es auf der DVD lediglich den Trailer zum Film. Dafür liegt aber ein achtseitiges, farbiges Booklet von Michael Ranze bei, das einige interessante Anekdoten zum Film und den daran Beteiligten zu bieten hat.

Fazit:
"Nackt unter Leder" ist ein völlig harmloser, uninspirierter und langatmiger Film ohne Höhepunkte. Die Schauspieler haben keine Möglichkeit, sich auszuzeichnen und die Story ist dünn wie ein Blatt Papier. Zu den inhaltlichen Mängeln tritt auch noch die bescheidene technische Präsentation der DVD hinzu, so dass man den Streifen eigetnlich niemandem empfehlen kann.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
87:28 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Englisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Booklet
Nackt unter Leder - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Nackt unter Leder
Girl on a Motorcycle

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Dieser Film hat einen Motorschaden


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich/Großbritannien, 1968
Regie:
Jack Cardiff
Drehbuch:
Jack Cardiff, Ronald Duncan
Darsteller:
Alain Delon, Marianne Faithfull, Roger Mutton, Marius Goring, Catherine Jourdan

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
28.09.2006