Splashpages  Home Movies  Rezensionen  Rezension  Nummer 6 - The Prisoner
Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

In der Datenbank befinden sich derzeit 3.899 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

Blu-ray-Besprechung - Nummer 6 - The Prisoner

Story:
Ein namenloser Agent des Secret Service (Patrick McGoohan) reicht seinen Rücktritt ein. Kurz danach wird er mit Betäubungsgas außer Gefecht gesetzt und entführt. Er erwacht an einem seltsamen Ort namens "The Village". Alle Einwohner sind hier nur Nummern. Er ist fortan als Nr. 6 bekannt, die höchste Autorität vor Ort ist Nr. 2. "The Village" dient dazu, ehemals hochrangigen Geheimnisträgern ihr Wissen zu entreißen. Niemand weiß jedoch, wer vor Ort Wärter und wer Gefangener ist. Nr. 6 wird hier ständig mit neuen, raffinierten Methoden einer regelmäßig wechselnden Nr. 2 konfrontiert, die ihn dazu bewegen sollen, sein Wissen preiszugeben.

Meinung zum Film:
Patrick McGoohan war durch den Erfolg seiner Serie "Danger Man" Mitte der 60er einer der bestbezahlten Fernsehdarsteller. McGoohan war der Serie jedoch überdrüssig und wollte etwas völlig Neues machen. Gemeinsam mit George Markstein entwickelte er die außergewöhnliche Idee zu "Nummer 6". Es gelang McGoohan sich ein äußerst großzügiges Budget von 150.000 Dollar pro Folge bewilligen zu lassen, was rund 40% über dem Budget anderer Fernsehserien aus dieser Zeit lag. Weiterhin hatte er die volle künstlerische Kontrolle über die Produktion der Serie. Er schrieb Drehbücher, führte in mehreren Folgen Regie, war der Hauptdarsteller und entwarf nicht zuletzt das Ende der Reihe in völliger Eigenregie. Jede Episode ist zwar in sich geschlossen, die Folgen bauen aber aufeinander auf. Die Serie erlebte ihre Premiere 1967 auf dem englischen Sender ITV. In Deutschland erfolgte die Erstausstrahlung im Jahr 1969 im ZDF. Von den insgesamt 17 Episoden liefen vier seinerzeit jedoch niemals im deutschen Fernsehen. Dies änderte sich erst im Sommer 2010, als ARTE die 4 bisher nicht synchronisierten Episoden nachträglich und aufwendig anlässlich der chronologischen TV-Ausstrahlung auf deutsch synchronisieren ließ. So ist die Synchronstimme der „Nummer 6“ in diesen Folgen zwar eine andere, sie wurde jedoch passend gewählt. Für die Rollen wurden teilweise prominente Sprecher wie Ilja Richter verpflichtet.  

Auch wenn Nr. 6 eine gewisse Bewegungsfreiheit genießt, muss er schnell erkennen, dass er ein Gefangener ist und eine Flucht beinahe unmöglich erscheint. Die Insel ist vollgestopft mit Überwachungselektronik und Wächtern menschlichen und nichtmenschlichen Ursprungs. Auch wenn der Ort im Grunde ein überdimensionales, völlig isoliertes Gefängnis darstellt, wird von den zuständigen Autoritäten versucht, den Eindruck einer gewissen Normalität zu vermitteln. Es gibt eine lokale Zeitung, einen gewählten Stadtrat, Geschäfte des täglichen Lebens und auch "verordnete" Gemeinschaftsaktivitäten, sowie ein lokales Radio-, bzw. Fernsehprogramm. Hinter den Kulissen werden die Gefangenen, und vor allem Nr. 6, jedoch mit Hypnose, Gedankenkontrolle, Gehirnwäsche, Elektroschocks und Doppelagenten konfrontiert. Eine in beinahe jeder Folge neue Nr. 2 versucht ständig andere Hebel anzusetzen um Nr. 6 zum Reden zu bringen. Personen versuchen sein Vertrauen zu erringen, er wird isoliert und sozial ins Abseits gestellt, man versucht seine Wahrnehmung der Realität zu manipulieren und ständig wird er unfreiwilliger Teilnehmer von Experimenten mit Drogen. Nr. 6 verteidigt mit allen Mitteln seine Individualität und sein Wissen. Jede Faser seines Körpers strahlt Widerstand aus und er versucht ständig, der jeweiligen Nr. 2 mindestens einen Schritt voraus zu sein und sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Sein Wunsch nach Freiheit ist dabei übermächtig und gipfelt in immer neuen Fluchtversuchen.

Neben der "Agententhematik" bietet der Film sehr viele Science-Fiction-Elemente, vor allem in Form wissenschaftlicher Gerätschaften und Überwachungstechnologie, ferner Sozialkritik, z.B. am Bildungssystem, am Überwachungsstaat und an Systemkonformität allgemein. Und wie bei so ziemlich jeder TV-Serie gibt es mal gute und mal weniger gute Episoden, so auch bei der "Nummer 6". Gerade die letzten Folgen kurz vor dem zweiteiligen Finale werden aufgrund ihres anderen Settings (z.B. in einer Westernstadt) nicht jeden Zuschauer überzeugen, andere werden hingegen die plötzlich veränderten Rahmenbedingungen als gelungene Abwechslung dankbar annehmen. Das Finale selbst wird dann vor allem diejenigen enttäuschen, die sich erhoffen, eine klare und verständliche Antwort auf alle Fragen, die sich im Verlauf der Serie gestellt haben, zu bekommen. Diesen falschen und die Serie unnötig entzaubernden Schritt hat Patrick McGoohan aber zum Glück nicht gemacht, und so bleibt die "Nummer 6" ein Ereignis, das auch heute nichts von seiner Mystery und seiner Ausstrahlungskraft verloren hat. Unbedingt anschauen!

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild des Blu-ray-Sets kann sich mehr als sehen lassen. Die Episoden wurden offensichtlich aufwendig restauriert und mehr als angemessen ins HD-Zeitalter katapultiert. Die Schärfe kann – natürlich immer gemessen am Alter des Ausgangsmaterials - immer überzeugen. Der Kontrast sitzt an der richtigen Stelle und die Farben wirken frisch und vor allem knallig, so wie es sich für eine Produktion aus den 60-ern gehört. Ganz kleine altersbedingte Verschmutzungen muss man mit der Lupe suchen und können an einer Hand abgezählt werden. Besser wird man diese Serie garantiert nie sehen. Der deutsche Ton liegt in DTS HD Master Audio 2.0 vor. Die Dialogverständlichkeit ist gut, der Sound kommt ohne Rauschen aus.

Bei den Extras ist besonders das 36-seitige Booklet von Uwe Huber hervorzuheben, das äußerst umfassend über die Entstehungsbedingungen und die Köpfe hinter der Serie informiert, wobei auch zu jeder einzelnen Folge reichlich Details aufgeführt werden. Die Extras befinden sich nicht auf einer Blu-ray, sondern auf einer DVD - diese ist inhaltlich identisch zur alten Auflage. Highlight ist hier das sehr interessante und lebendige Interview mit dem Production Manager der Serie, Bernard Williams, das fast 26 Minuten dauert. Weiterhin gibt es alternative Fassungen der Episoden "Die Ankunft" und "Die Glocken von Big Ben" in schlechter VHS-Qualität und auf englisch ohne Untertitel. "For the Love of..." ist ein rund 6-minütiger Beitrag über Sammler von Material zu und aus der Serie. Weiterhin gibt es noch Trailer zu jeder Folge, ein textless Intro und Outro, den deutschen Vorspann, Werbe-Bumpers, den internationalen Aktenschrank und eine Bildergalerie.

Fazit:
"Nummer 6" ist eine außergewöhnliche Serie, die ihrer Zeit weit voraus war. Jede Folge hat ihren ganz eigenen Charme und einen speziellen Ansatz. Nr.6 muss sich dabei ständig neuen Attacken aus immer anderen Richtungen auf seine Person und sein Wissen erwehren. Die dadurch notwendige unbedingte, ständige Geistesgegenwärtigkeit überträgt sich auf den Zuschauer und bietet einen exzellenten Spannungsbogen. Das Blu-ray-Set ist technisch hervorragend und bietet alle Folgen dieser Serie in ungeahnt guter Bildqualität - und vollständig auf deutsch synchronisiert.  

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
17 Episoden à ca. 49 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD Master Audio 2.0
DTS-HD Master Audio 2.0
Englisch
DTS-HD Master Audio 2.0
DTS-HD Master Audio 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • 36-seitiges Booklet  
  • Alternative Versionen der Episoden "Die Ankunft" und "Die Glocken von Big Ben"
  • Interview mit Produzent Bernard Williams
  • "For the Love of..."
  • Internationaler Aktenschrank
  • Trailer zu allen Episoden
  • Textless Intro + Outro
  • Deutscher Vorspann
  • Werbe-Bumpers
  • Bildergalerie
Nummer 6 - The Prisoner - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Nummer 6
The Prisoner

Dieser Film wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet


Bild unseres Mitarbeiters Andreas Schultz
Intelligente, vielschichtige Unterhaltung, die zum Nachdenken anregt und nichts an Aktualität verloren hat


Autor der Besprechung:
Andreas Schultz

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 1967
Regie:
Patrick McGoohan, Don Chaffey, u.a.
Drehbuch:
George Markstein, David Tomblin, Patrick McGoohan, u.a.
Darsteller:
Patrick McGoohan, Kenneth Griffith, Alexis Kanner, Peter Swanwick, Leo McKern, Angelo Muscat

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
12.11.2010