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DVD-Besprechung - Pans Labyrinth (Limited Edition)

Story:
Nordspanien im Jahr 1944, der Spanische Bürgerkrieg ist seit fünf Jahren beendet, aber immer noch liefern sich Partisanen mit den Soldaten von General Francisco Franco blutige Gefechte. In dieser Situation bestellt der mit der Partisanenbekämpfung betraute Hauptmann Vidal (Sergi López) seine schwangere Frau Carmen (Ariadna Gil) und ihre Tochter Ofelia (Ivana Baquero) zu sich, weil er bei der Geburt seines Sohnes anwesend sein will. Während Vidal mit grausamen Methoden gegen die Widerstandskämpfer vorgeht entdeckt Ofelia das Tor zu einer neuen, fantastischen Welt. Ein Pan (Doug Jones) offenbart ihr sie sei die Prinzessin eines unterirdischen Königreichs, sie müsse jedoch drei Prüfungen bestehen um zu ihrem Vater, dem König, zurückzukehren.

Meinung zum Film:
"Pans Labyrinth" stellt eine Art Schwesterfilm zu "The Devil`s Backbone", ebenfalls von Regisseur Guillermo del Torro ("Hellboy"), dar. Beide Filme vermischen Realität und eine weitere, phantastische Ebene, in beiden spielen Kinder die Hauptrolle und die Geschichten werden vor dem Hintergrund des Spanischen Bürgerkriegs, bzw. seiner Spätfolgen, erzählt. Del Torro wurde nach eigener Aussage durch die Ereignisse des 11. September 2001 zu diesem Film bewogen und wollte darin die Themen Brutalität, Unschuld, Kindheit und Krieg verarbeiten. "Pans Labyrinth" gewann im Jahr 2007 drei Oscars, in den Kategorien "Beste Kamera", "Beste Ausstattung" und "Beste Maske" und das trotz seines noch relativ bescheiden anmutenden Budgets von "nur" 18 Millionen Dollar. Der Film wurde für zahllose weitere Preise nominiert, u.a. auch für den Oscar in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film", den jedoch der deutsche Film "Das Leben der Anderen", mit dem kürzlich verstorbenen Ulrich Mühe, gewann. "Pans Labyrinth" gewann jedoch u.a. noch den "Saturn Award" den "Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films" als bester internationaler Film, den BAFTA Award für den besten nicht-englischsprachigen Film, den "Critics Choice Award" der "Broadcast Film Critics Association" und Guillermo del Torro war auch für die Goldene Palme in Cannes nominiert. Insgesamt gewann der Film 55 Preise und wurde für weitere 51 nominiert.

"Pans Labyrinth" präsentiert sich als Märchen für Erwachsene, mit einem Kind in der Hauptrolle. Der Film selbst ist jedoch für Kinder völlig ungeeignet und trägt die FSK 16 wahrlich nicht zu unrecht. Er besteht aus zwei Ebenen, die nebeneinander existieren. Da ist zunächst die Realität des Jahres 1944 und des blutigen Kampfes der francotreuen Truppen unter Hauptmann Vidal gegen die Partisanen, dem dabei jedes Mittel recht ist. Die zweite Ebene ist die fantastische Welt des Pan, der Feen und weiterer phantastischer Geschöpfe, zu der nur Ofelia den Schlüssel besitzt. Während die reale Welt in all ihrer Grausamkeit für sie immer unerträglicher wird, flüchtet sie sich zunehmend in die phantastische Parallelwelt, beseelt von dem Gedanken, die reale Welt als wiedergeborene Prinzessin zu verlassen um in ihr Königreich zurückkehren zu können. Vor diesem Schritt sind jedoch drei Prüfungen zu bestehen, die ihr vom Pan gestellt werden. Der Film ist sehr phantasievoll geraten und enthält zahlreiche Reminiszenzen an andere Märchen, ins Auge fallen dabei vor allem Parallelen zu "Alice im Wunderland" und "Der Zauberer von Oz". "Pans Labyrinth" deshalb als Fantasyfilm zu bezeichnen würde jedoch zu kurz greifen, denn dominant, auch von der Spielzeit her, ist eher das Post-Bürgerkriegsdrama um den verzweifelten Kampf der Partisanen in den Wäldern und Bergen gegen den mitleidslosen faschistischen Handlanger Vidal. Der Film ist dabei in der Darstellung der Schandtaten und ihrer Brutalität extrem hart und verstörend ausgefallen. Szenen wie das Zertrümmern eines Gesichts mit einem Pistolenkolben, die Folgen brutaler Folterungen, blutige Schusswechsel, eine Amputation oder auch eine gespaltenen Wange sind wahrlich nichts für Zartbesaitete. Diese Grausamkeiten vollziehen sich vor einem Rahmen der Trostlosigkeit und Düsternis. Keiner der Erwachsenen, egal auf welcher Seite, scheint ohne Schuld oder düstere Seiten. Nur die kleine Ofelia bewahrt in dieser Welt der Hoffnungslosigkeit ihre Treue zum eigenen Gewissen.

Die Fantasywelt wird dann auch für Ofelia realer als die alltägliche Welt. Während der Film die reale Welt durchgehend in kalten, Grün-, Grau-, und Blautönen zeichnet, deren Architektur durch strenge Diagonalen und Geraden dominiert wird, schwelgt die phantastische Welt in warmen, rot-goldenen Farbtönen. Herausragendes Merkmal des Films sind einige der Geschöpfe aus dem unterirdischen Reich. Allen voran der "Pan" selbst, der eigentlich ein "Faun" ist, und der "Pale Man", die beide vom maskierten Doug Jones ("Hellboy"), einem Experten auf diesem Gebiet, verkörpert werden. Das Design dieser Geschöpfe ist wirklich atemberaubend und wurde in altbewährter Machart, sprich mit handgemachten Masken, Make-Up, etc., erstellt. Lediglich bestimmte Elemente dieser Figuren wurden nachträglich am Computer teilanimiert und dieser Verzicht auf seelenlose CGI-Effekte, gibt dem Film seinen ganz eigenen, märchenhaften Look. Die Geschöpfe wirken jedoch nicht immer nur friedlich und liebenswert, hier bleibt del Torro dem Horrorgenre treu. Die Feen sind Fleischfresser, der "Pale Man" würde sich vom Design her auch in einem Teil aus der "Resident Evil"-Reihe wohlfühlen und auch der Pan wirkt ein wenig einschüchternd. Wenn man dem Film Schwächen ankreiden will, dann sind das der manchmal ein wenig zu sehr in den Hintergrund tretende Fantasyteil, sowie die nicht immer gelungene Synthese beider Welten, die für die Erwachsenen eh unsichtbar bleibt. In Szenen ohne Mitwirkung von Ofelia geht der Bezug doch teilweise etwas verloren und beide Ebenen stehen sich doch recht unversöhnlich gegenüber. Die schauspielerischen Leistungen sind insgesamt sehr ansprechend, herausragend ist hier vor allem Sergi López ("Kleine schmutzige Tricks") in der Rolle des Hauptmanns Vidal. Ivana Baquero, in der Rolle der "Ofelia", hat sicherlich eine große schauspielerische Karriere vor sich und spielt durchaus überzeugend, trotzdem fällt ihre Leistung gegenüber der von López und der überwältigenden Optik der Fantasygeschöpfe, ein wenig ab.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität des Films bewegt sich auf einem sehr hohen Niveau, Schärfe, Kontrast und Farbgebung können voll überzeugen. Die Verständlichkeit der Dialoge ist bei allen Tonspuren zu jeder Zeit gegeben und die reichhaltigen Effekte vermitteln einen gelungenen Raumklang.

Auf der ersten DVD der Limited Edition, die der Single-DVD entspricht, befinden sich der detaillierte und interessante Audiokommentar von Regisseur Guillermo del Torro, sowie der Kinotrailer. Im DVD-ROM-Bereich der ersten DVD befindet sich die Featurette "Die Kraft des Mythos", mit einer Laufzeit von rund 14 Minuten, in der sich der Regisseur zur Bedeutung von Mythen und deren Einflüssen auf seinen Film äußert. Weiterhin befindet sich in diesem Bereich ein "Online Bonus", geht man von diesem Menüpunkt aus online und registriert sich auf der Zielhomepage werden u.a. ein Gewinnspiel und diverse Chats freigeschaltet. Weiterhin liegen der Limited Edition zwei Bonus-DVDs bei. Auf der ersten Bonus-DVD befindet sich die "Filmdokumentation" mit einer Laufzeit von etwa 45 Minuten. Unter dem Menüpunkt "Das Set-Design" finden sich sechs Unterpunkte mit einer Laufzeit von beinahe 34 Minuten, in denen umfangreiche Infos und Details zur Entstehung der verschiedenen Locations des Films vermittelt werden. Im Bereich "Hinter der Kamera", mit einer Laufzeit von etwas mehr als 60 Minuten finden sich Beiträge zur Entstehung des Filmskripts, bzw. der Entwicklung vom Skript bis zur fertigen Szene, sowie Informationen zur Kameraführung/Beleuchtung des Films, der musikalischen Untermalung und der Arbeit an den Filmkulissen. Der letzte Punkt, "Die Figuren", mit einer addierten Gesamtlaufzeit der Unterpunkte von rund 66 Minuten, beschäftigt sich ausführlich mit der Entstehung der Kostüme und Masken der vorkommenden Fantasy-Geschöpfe. Auf der dritten DVD befinden sich das Produktionstagebuch von Guillermo del Torro mit einer Gesamtlaufzeit von etwas mehr als 12 Minuten, "Featurettes" mit einer Gesamtlaufzeit von 42 Minuten, die sich u.a. wiederum mit den Kostümen der Fantasy-Geschöpfe, oder den im Film verwendeten Farben und Formen befassen. Im "Storyboard-Film-Vergleich", mit einer Laufzeit von insgesamt knapp über 10 Minuten, finden sich mehrere Split-Screen, bzw. Triple-Screen-Aufnahmen, die Storyboard und das fertige Ergebnis im Film gegenüberstellen. Unter dem Punkt "Bilder und Zeichnungen" finden sich diverse animierte Comics mit einer Laufzeit von rund 11 Minuten. Im Bereich "Die Musik" finden sich lediglich oberflächliche Informationen zum Soundtrack, die in weniger als 8 Minuten abgehandelt werden. Der Punkt "Die Marketing-Kampagne" umfasst den US-Teaser, den US-Kinotrailer und 7 TV-Spots. Das letzte Extra auf der dritten DVD ist ein fast 50-minütiger Mitschnitt der "Charly-Rose-Show", in der Gastgeber Charly Rose die drei befreundeten, mexikanischen Regisseure Guillermo del Torro, Alejandro González Iñárritu und Alfonso Cuarón zu der Arbeit an ihren Filmen befragt. Die Limited Edition soll in einem aufwendigen Lederschuber ausgeliefert werden und zusätzlich noch ein 100-seitiges Buch mit Storyboards und Produktionsskizzen enthalten, das jedoch nicht vorlag.

Fazit:
"Pans Labyrinth" ist ein sehr fantasievoller Film, mit vielen dramatischen Momenten, der aber von großer Düsternis und Brutalität durchzogen ist, und von daher nicht jedermanns Sache sein dürfte. Die Optik und Effekte des Films sind ebenso wie die Kameraführung auf höchstem Niveau und auch inhaltlich bietet der Film eine interessante, innovative Geschichte mit viel Spannung. Die einzigen wirklichen Kritikpunkte sind der ein wenig zurückgedrängte Fantasyanteil, sowie die nicht immer gelungene Verknüpfung der beiden Welten.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
114:03 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Spanisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar von Regisseur Guillermo del Torro
  • Kinotrailer
  • Featurette "Die Kraft des Mythos"
  • Online Bonus
  • Filmdokumentation
  • Das Set-Design
  • Hinter den Kulissen
  • Die Figuren
  • Guillermo del Torros Produktionstagebuch
  • Featurettes
  • Storyboard-Film-Vergleich
  • Bilder und Zeichnungen
  • Die Musik
  • Die Marketing-Kampagne (Teaser/Trailer/TV-Spots)
  • "Die Charly-Rose-Show"
Pans Labyrinth (Limited Edition) - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Pans Labyrinth
El Laberinto del Fauno

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein sehr düsteres und brutales Märchen für Erwachsene mit einer äußerst phantasievollen Optik


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Mexiko/Spanien/USA, 2006
Regie:
Guillermo del Torro
Drehbuch:
Guillermo del Torro
Darsteller:
Ivana Baquero, Sergi López, Maribel Verdú, Doug Jones, Ariadna Gil, Álex Angulo

Label Deutschland :
Senator Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
30.07.2007

Vertrieb Schweiz :
Impuls Home Entertainment
Verkaufsstart Schweiz :
30.07.2007