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DVD-Besprechung - Panzerkreuzer Potemkin (Deluxe Edition)

Story:
Am 14. Juni 1905 meutert die Besatzung des sowjetischen Panzerkreuzers Potemkin, aufgrund der unmenschlichen Arbeitsbedingungen auf dem Schiff, gegen ihre zaristischen Offiziere. Der Panzerkreuzer fährt in die Hafenstadt Odessa, wo der getötete Wakulintschuk (Aleksandr Antonov), einer der Anführer des Aufstands, aufgebahrt wird. Die Bewohner der Stadt und die Matrosen verbrüdern sich. Als jedoch die Truppen des Zaren in die Stadt einrücken kommt es zu einem Massaker auf der Hafentreppe von Odessa. Die Potemkin schlägt mit einer Salve aus ihren Geschützen zurück und läuft wieder aus. Sie wird jedoch durch das Admiralsgeschwader gestellt.

Meinung zum Film:
Der sowjetische Stummfilm "Panzerkreuzer Potemkin" aus dem Jahre 1925 gilt als Meilenstein der Filmgeschichte. Er entstand im Auftrag der russischen Staatsregierung zum 20. Jahrestag der Meuterei auf der Potemkin am 14.6. und befasst sich mit historischen Ereignissen, die der russischen Revolution von 1905 den Weg bereiteten. Diese werden jedoch historisch nicht immer korrekt wiedergegeben und die Revolution scheiterte zunächst. Die Gründe für die Revolution gegen die zaristische Herrschaft waren u.a. der verlorene Russisch-Japanische Krieg, vor allem aber Arbeitslosigkeit und soziale Probleme, die zu einer wachsenden Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung führten. Bisher lag lediglich eine gekürzte, deutschsprachige DEFA-Kinofassung des Films auf DVD vor. Er wurde jedoch für die vorliegenden Fassung in jahrelanger, mühevoller Arbeit rekonstruiert und entspricht nun der russischen Premierenfassung von 1925. Die Musik wurde in dieser Fassung von Helmut Imig neu bearbeitet. Die Rekonstruktion des Films war ein Projekt der Kulturstiftung des Bundes unter der Leitung der deutschen Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen, mit Unterstützung des Bundesarchiv-Filmarchiv (Berlin), des British Film Institute (London), des Gosfilmofond of Russia, sowie des Russischen Staatsarchivs für Literatur und Kunst (Moskau).

"Panzerkreuzer Potemkin" ist ein Drama in fünf Akten und folgt damit der Form der antiken griechischen Tragödie. Im ersten Akt, "Menschen und Würmer", bringt die Ausgabe von verfaultem Fleisch an die Matrosen das Fass zum überlaufen. Die Matrosen erheben sich deshalb im zweiten Akt, "Das Drama von Tendra" gegen ihre zarentreuen Peiniger und übernehmen das Schiff, nachdem die Deckwache den Befehl auf die eigenen Leute zu schießen verweigert. Im dritten Akt, "Der Tote ruft", läuft die Potemkin in Odessa ein und bahrt ihren gefallenen Helden auf. Die Besatzung der Potemkin und die Bevölkerung von Odessa schließen sich gegen die Herrscher zusammen. Der vierte Akt, "Die Treppe von Odessa", beinhaltet wohl eine der berühmtesten und meistkopierten Szenen der Filmgeschichte. Während sich die Bevölkerung von Odessa am Hafen und auf der Hafentreppe versammelt haben tauchen plötzlich am oberen Ende der Treppe die Truppen des Zaren auf und treiben das Volk vor sich her. Dabei wird ohne Rücksicht auf Verluste willkürlich in die Menge geschossen, auch Frauen, Kinder und Krüppel erhalten keinen Pardon.

In der erwähnten legendären Szene wird eine Mutter mit Kinderwagen erschossen, welcher sich daraufhin selbstständig macht und die gesamte Treppe hinabrollt, bevor er sich am Fuß der Treppe überschlägt und das Baby herausfällt. Diese Szene findet sich u.a. in veränderter Form in "The Untouchables" von Brian De Palma oder als Persiflage in "Die Nackte Kanone". Herausragend für die damalige Zeit war vor allem die technische Ausführung dieses Propagandafilms. Absolut revolutionär war die geniale Montagetechnik, mit einer unerhört rasant anmutenden Schnittfolge. Auch die inhaltliche Konzentration des Films auf die Masse, statt auf einzelne Stars, war etwas neuartiges. Die gelungene musikalische Untermalung dient zudem dem Film und unterstreicht noch seinen ganz eigenen, pulsierenden Rhythmus. Inhaltlich wird sehr viel Pathos geboten, was der Entstehungsgeschichte und dem damaligen politischen Klima geschuldet ist, den cineastischen Genuss aber keineswegs schmälert.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität ist für einen Film aus dem Jahre 1925 hervorragend. Kleinere Verschmutzungen, Laufstreifen und ein leichtes Rauschen sind ohne weiteres zu verschmerzen. Die neu bearbeiteten Instrumentaltonspuren sind ohne Fehl und Tadel.

Die Deluxe Edition von "Panzerkreuzer Potemkin" befindet sich in einem edlen Digibook, mit fest angebrachtem 30-seitigem Booklet. Das Booklet ist recht ausführlich ausgefallen und enthält zahlreiche interessante Informationen zum Film. Weiterhin befindet sich auf der DVD die rund 42-minütige Dokumentation "Dem Panzerkreuzer Potemkin auf der Spur" in deutscher Sprache mit zuschaltbaren russischen Untertiteln. Die äußerst ansprechende Dokumentation beschäftigt sich u.a. mit der Rekonstruktion des Films, mit den verschiedenen Schnittfassungen/Schnittauflagen, inklusive Sequenzvergleichen und der neuen musikalischen Untermalung des Films. Weiterhin befinden sich auf der DVD noch Bildergalerien, z.B. von nicht verwendeten Einstellungen.

Fazit:
"Panzerkreuzer Potemkin" ist ein Meilenstein der Filmgeschichte und erlebt mit der Deluxe Edition von Transit Film seine digitale Wiederauferstehung in Deutschland. Technisch ist die DVD über jeden Zweifel erhaben und bietet zudem sehr informative und interessante Extras. Der Film kann handwerklich auch heute noch voll überzeugen und polarisiert, trotz, oder gerade wegen, seiner einseitigen politischen Ausrichtung.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
Minuten
Sprachen / Tonformate:
Instrumental
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Instrumental
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • 30-seitiges Booklet
  • Dokumentation: "Dem Panzerkreuzer Potemkin auf der Spur"
  • Bildergalerien (Portrait Sergei Eisenstein, Arbeits-, Gruppen und Premierenbilder, Nicht verwendete Einstellungen)
Panzerkreuzer Potemkin (Deluxe Edition) - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Panzerkreuzer Potemkin
Bronenosets Potyomkin

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein Meilenstein der Filmgeschichte im aufwendig rekonstruierten Gewand


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Sowjetunion, 1925
Regie:
Sergei M. Eisenstein
Drehbuch:
Nina Agadzhanova, Nikolai Aseyev, Sergei M. Eisenstein, Sergei Tretyakov
Darsteller:
Aleksandr Antonov, Vladimir Barsky, Grigori Aleksandrov, Ivan Bobrov, Mikhail Gomorov, Aleksandr Levshin

Label Deutschland :
Transit Film
Verkaufsstart Deutschland :
16.07.2007

Vertrieb Schweiz :
Impuls Home Entertainment
Verkaufsstart Schweiz :
16.07.2007