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DVD-Besprechung - Pretty Baby
Story:
Die 12-jährige Violet (Brooke Shields) wächst zu Beginn des 20. Jh. in einem Bordell in New Orleans auf. Das Bordell ist ihr Zuhause und die Prostituierten sind ihre Familie. Ihre Mutter Hattie (Susan Sarandon) träumt von der Hochzeit mit einem reichen Freier. Eines Tages taucht der Fotograf E.J. Bellocq (Keith Carradine) im Freudenhaus auf und Hattie wird zu einem seiner Lieblingsmotive. Dadurch lernt Bellocq auch Violet kennen und es entwickelt sich eine gegenseitige Anziehungskraft. Als Hattie tatsächlich heiratet und das Bordell verlässt, bleibt Violet, mittlerweile selbst eine Prostituierte, zunächst zurück und lässt sich mit Bellocq ein.
Meinung zum Film:
Der französische Regisseur Louis Malle ("Fahrstuhl zum Schafott") ging 1976 in die USA, wo er kurz darauf, nämlich 1978, mit "Pretty Baby" seinen ersten US-Spielfilm, als Produzent, Regisseur und Drehbuchschreiber in Personalunion, auf den Weg brachte. Zu dieser Zeit dominierte das Thema "Kindheit" seine Werke. "Pretty Baby" basiert auf der Lebensgeschichte des realen Fotografen Ernest James Bellocq, der tatsächlich zu dieser Zeit im Rotlichtbezirk von New Orleans künstlerisch tätig war. Nach der Vorlage seiner Bilder entstanden viele Szenen des Films. Louis Malle wurde 1978 für "Pretty Baby" beim Cannes Festival mit dem "Grand Prix de la Commission Supérieure Technique du cinéma français" ausgezeichnet und außerdem für die Goldene Palme nominiert. Der Film war aber aufgrund seiner neutralen Darstellung der heiklen Thematik Kinderprostitution, sowie der erst 13-jährigen Hauptdarstellerin, nicht unumstritten. Finanziell wurde der Film jedoch ein Erfolg und war gleichzeitig das Startsignal für die Karriere von Brooke Shields ("Die Blaue Lagune").
Louis Malle erzählt mit "Pretty Baby" die Geschichte eines Kindes, das von der besonderen Umgebung, in der es lebt, geprägt und sozialisiert wird. Obwohl Violet erst 12 Jahre alt ist, weiß sie bereits beinahe alles über das älteste Gewerbe der Welt. Freier und Prostituierte sind ihre natürliche Umgebung. Die Kamera folgt Violet stets zurückhaltend, beinahe distanziert, jedoch nie explorativ, in sehr authentisch und glaubwürdig wirkenden Bildern auf ihrem weiteren Lebensweg, der nichts anderes als die logische Konsequenz ihres Umfeldes ist. Die Darstellung der Erlebnisse Violets ist vollkommen unparteiisch, es gibt keine Helden in dieser Geschichte und es gibt keine Verbrecher. Die Kamera ist nichts anderes als ein unbeteiligter Beobachter, auf eine Wertung oder Anklage verzichtet Malle, um den vorgezeichneten Lebensweg in aller Konsequenz glaubwürdig darstellen zu können. Bellocqs Auftauchen im Bordell, sein Interesse an und seine Fotos von Hattie schmeicheln dieser. Violet wird in ihrer kindlichen Neugier und naiven Eitelkeit von dem undurchsichtigen Fotografen und seiner geheimnisvollen, aber umso faszinierenderen Kunst angezogen. Sie bewegt sich in ihrer eigenen Realität, die zwischen der Welt der Kinder und der Welt der Erwachsenen liegt. Körperlich ist sie ein Kind und weist auch noch deren Unreife auf. Andererseits bekommt sie jedoch von dem Treiben im Bordell, ihrer Spielwiese, alles mit. Sie kennt bereits alle Kniffe und Tricks der Huren und, das wird beim Auftauchen von Belocq deutlich, sie sieht sich auch in Konkurrenz zu den Prostituierten. Als Belocq ihre Mutter umschwärmt, wird sie eifersüchtig und versucht mit allen Mitteln, seine Aufmerksamkeit zu erregen. Belocq, der sie zunächst nur wie ein ungezogenes Kind behandelt, wird schließlich von ihrer besonderen Mischung aus Unreife und Erfahrung eingefangen.
"Pretty Baby" ist als Film schwer einzuordnen. Aufgrund der Beschränkung auf die reine Darstellung der Geschehnisse entsteht durchaus häufiger der Eindruck, lediglich einem historischen Kostümfilm zu folgen. Für ein Drama fehlen dem Film einfach die ganz großen Höhen und Tiefen, sowie ein tieferer Einblick in das Seelenleben der Hauptcharaktere. Belocq ist von den Prostituierten und dem Bordell fasziniert, ihre Dienste nimmt er jedoch nie in Anspruch, sein innerer Antrieb bleibt im verborgenen. Keith Carradine ("Die Duellisten") wirkt in der Rolle des kultivierten, bodenständigen und doch undurchschaubaren Fotografen seltsam leblos. Selbst in seiner späteren Beziehung zu Violet geht er kaum einmal aus sich heraus. Hattie, gespielt von einer erstaunlich freizügigen und sehr gut aufgelegten Susan Sarandon ("Dead Men Walking"), hingegen ist eine sehr lebenslustige, aber auch launische Person. Sie weiß, dass ihr Körper ihr Kapital darstellt und sie nicht ewig jung bleiben wird und auch die Gefahr von Geschlechtskrankheiten ist ihr ein immer bewusstes Gräuel. Brooke Shields in der Rolle der Violet eifert, aus Mangel an anderen Vorbildern, ihrer Mutter nach und versucht sie zu übertreffen. Mit einer Mischung aus kindlicher Unschuld, antrainierter Verdorbenheit und Berechnung erregt sie schnell die Aufmerksamkeit der Freier. Die Versteigerung ihrer Jungfräulichkeit und der frühe Einstieg in ihre Karriere als Prostituierte sind die Folge. Die Beziehung zu Belocq, der hin- und hergerissen ist zwischen einer Rolle als Vaterersatz und als Ehemann, kann hingegen nur scheitern, bzw. tragisch enden.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild weist einige kleinere Verschmutzungen und Defekte auf. Es liegt außerdem ein leichtes Rauschen vor. Auch die Schärfe ist in einigen Szenen nicht optimal. Der Ton hat hingegen keine besonderen Schwächen.
Es gibt leider keinerlei Extras auf der DVD.
Fazit:
Louis Malle malt in schönen, authentisch wirkenden Bildern die Geschichte einer verlorenen Kindheit. Dem Film mangelt es jedoch an einer mitreißenden Dramaturgie, einer Spannungskurve mit echten Höhen und Tiefen. Der Zuschauer fühlt sich letztendlich, trotz starker Leistungen der Darsteller, ähnlich distanziert und unbeteiligt wie die Kamera.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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105:00 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 1.0 | Englisch Dolby Digital 1.0 | Französisch Dolby Digital 1.0 |
Italienisch Dolby Digital 1.0 | Spanisch Dolby Digital 1.0 |
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Untertitel:
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Dänisch, Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Finnisch, Französisch, Holländisch, Italienisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch |
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Bonusmaterial:
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Pretty Baby
Pretty Baby
Die Geschichte einer Kindheit im Bordell
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1978 Regie: Louis Malle Drehbuch: Polly Platt, Louis Malle Darsteller: Brooke Shields, Keith Carradine, Susan Sarandon, Frances Faye, Mae Mercer, Barbara Steele
Label :
Paramount Home Entertainment
Verkaufsstart : 04.01.2007
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