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DVD-Besprechung - Reborn - The new Jekyll & Hyde

Story:
Der Medizinstudent Jay Jekyll (Bryan Fisher) experimentiert in seiner Freizeit mit bewusstseinserweiternden Drogen, um die eigenen Anlagen zu verbessern und sich zu einem Genie weiterzuentwickeln. Seine Freundin Mary wird jedoch von dem entwickelten Serum bei einem Praxistest getötet. Jekyll beschließt, trotzdem weiterzuforschen und erhöht stetig die Dosierung seines Selbstversuchs. Spätestens als er mit verseuchten Drogen in Kontakt kommt, gerät das Experiment vollkommen außer Kontrolle und Jekyll hat sich nicht länger in der Gewalt. Sein zweites Ich, Hyde, beginnt das mittlerweile stark erhöhte Gewaltpotential in Form von Morden auszuleben.

Meinung zum Film:
Der schottische Autor Robert Louis Stevenson veröffentlichte im Jahre 1886 den Roman "Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr Hyde" und schuf damit einen der ganz großen Klassiker des Horrorgenres. Das Buch handelt von einem Wissenschaftler, Dr. Henry Jekyll, der im Verlauf seiner Experimente die böse Seite seines Ich, Mr. Hyde, freisetzen kann. Nach anfänglicher Begeisterung über die Tatsache, die dunkle Seite seines Charakters ohne Imageverlust ausleben zu können, verliert Dr. Jekyll nach und nach die Kontrolle über seine eigene Person, Mr. Hyde wird zum Dauerzustand. Die Geschichte endet tragisch. In der Folgezeit gab es etliche mehr oder weniger gelungene Verfilmungen oder Variationen der Thematik. Zu den gelungensten Verfilmungen zählen sicherlich "Arzt und Dämon" von Victor Fleming aus dem Jahre 1940 mit Spencer Tracy in der Hauptrolle, oder auch "Jekyll und Hyde" mit Michael Caine aus dem Jahre 1990. Es gab jedoch auch immer wieder Filme, die sich sehr frei des Themas bedienten und den Stoff beispielsweise zu einer Komödie verarbeiteten ("Jekyll und Hyde - Die schärfste Verwandlung aller Zeiten"). Und selbst im Erotikbereich durfte Jekyll seinen dunklen Leidenschaften frönen ("The Adult Version of Jekyll and Hide").

"Reborn" bedient sich der literarischen Vorlage nur sehr oberflächlich und wohl vor allem deshalb, um, trotz nicht vorhandener Qualitäten, doch ein wenig Aufmerksamkeit mit der bekannten Geschichte in den Verkaufsregalen zu erheischen. "Reborn" gehört dabei zu der Kategorie von Horrorfilmen, die gern den Anschein erwecken wollen, einen Klassiker "entstaubt" und diesen Stoff durch möglichst "hippe" Ideen erfolgreich ins 21. Jahrhundert transferiert zu haben. So bekommt der geneigte Zuschauer zu Beginn direkt das feucht-fröhliche Leben angehender Medizinstudenten um die Ohren gehauen. Deren Alltag wird durch Sex, selbstgemachte Drogen, denn zu irgendetwas müssen die erworbenen Kenntnisse ja gut sein, und massiven Alkoholkonsum bestimmt. Jekyll wird gespielt von Bryan Fisher ("Surviving Christmas") und ist der verweichlichte Prototyp eines angehenden Akademikers und natürlich Brillenträgers. Trotz eines großen Freundeskreises ist Jekyll längst die Trostlosigkeit und Beschränktheit seiner physischen Hülle und seiner geistigen Fähigkeiten klar geworden, was liegt also näher, als das hauseigene Drogenlabor zur Überwindung der eigenen Beschränktheit zu instrumentalisieren? Gesagt, getan, schnell werden die ersten Drogen konsumiert und, wer hätte es gedacht, Klein-Jekyll mutiert vom verklemmten kleinen Spießer zum Partyhengst mit Sex-Appeal. Auch die Sehkraft wird scheinbar massiv verbessert, denn das uncoole Kassengestell ist offensichtlich irgendwo im Nirvana des Filmstudios verschwunden, Fielmann wird der junge Mann so sicherlich nicht als Sponsor für seine Forschungen gewinnen können. Und genau da liegt auch der Hund begraben, denn ein solch exzessiver Drogenkonsum, natürlich nur im Dienste der Wissenschaft, muss ja auch irgendwie finanziert werden, es sei denn, man sitzt im Betriebsrat von VW. Die zuständige Dozentin Poole (Maria del Mar) zeigt sich jedoch wenig begeistert von Jekylls Forschungen und versagt ihm die Förderung. Fortan muss deshalb einer seiner Kommilitonen für ihn Drogen ergaunern, wie er das genau macht, bleibt wie vieles in diesem Film, ein Geheimnis.

Sollte "Reborn" irgendwelche Stärken besitzen, so gelingt es dem Film über 85 Minuten hervorragend, diese zu verbergen. Die Story ist altbekannt und wird hier auch noch äußerst simpel, geradezu kinderprogrammgerecht, präsentiert. Trotzdem gelingt es dem Film, weder Spannung aufzubauen, noch die Ereignisse in einer halbwegs sinnigen Erzählstruktur zu präsentieren. Der Film beginnt mit dem Ende der Geschichte, streut lustig Rückblenden ein, bewegt sich in der Gegenwart, schneidet Aufzeichnungen von Jekylls Videotagebuch dazwischen und so geht es stetig hin und her. Letztendlich entsteht immer mehr der Eindruck, der Film wäre in großer Eile, und selbst unter massivem Drogeneinfluss, zusammengezimmert worden. Die Taten des Mr. Hyde gibt es lediglich in superkurzen Filmschnipseln zu sehen, Mr. Hyde selber gibt es nicht, es ist lediglich Jekyll ohne Brille mit Kurzhaarfrisur und einem bösen Blick, für den er bestenfalls Mitleid ernten würde. Die Altersfreigabe ist dann auch ein schlechter Witz, Effekte und Härtegrad bewegen sich in einem Bereich, der schon eine Freigabe ab 16 Jahren hart erscheinen ließe. Slasherfans werden aufgrund der Präsentation und Einfallslosigkeit der Morde ebenfalls nicht angesprochen. Die Schauspieler agieren allesamt äußerst blass und ausdruckslos, in etwa auf dem Niveau einer brasilianischen Telenovela. Die Szenen sind kurz, absolut seelenlos und beinahe willkürlich aneinandergereiht. Die musikalische Begleitung ist emotional vollkommen überladen und passt so gar nicht zum vorliegenden Film. Der Tiefpunkt neben den 2-3 Schockmomenten, die nicht zünden, ist das Finale. Dieses spielt sich dankenswerter Weise in beinahe völliger Dunkelheit ab, so dass einem das größte Elend erspart bleibt. Allerdings ist das Ende so durchsichtig und vorhersehbar wie der gesamte Film.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist, bis auf ein deutlich wahrnehmbares Bildrauschen, als relativ gelungen zu bezeichnen. Auch die drei Tonspuren haben keine besonderen Schwächen.

Auf der DVD befinden sich lediglich zwei Trailer zum Film, sowie "Minimal"-Filmographien von Bryan Fisher, Bree Turner, Zachary Bennett und Maria del Mar in Textform.

Fazit:
"Reborn" ist ein Film, den absolut niemand braucht und den man sich sparen sollte, wenn man nicht gerade masochistisch veranlagt ist. "Reborn" verfügt über keinerlei Spannungsaufbau, keine strukturierte Geschichte, keine glaubwürdigen Charaktere, keine gelungenen blutigen Effekte und auch über keinen Humor, nicht mal unfreiwilligen, dafür ist die ganze Angelegenheit einfach zu traurig.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,85:1
1,85:1
85:28 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Deutscher + Original-Trailer
  • Filmographien zu Bryan Fischer, Bree Turner, Zachary Bennett, Maria del Mar
Reborn - The new Jekyll & Hyde - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Reborn - The new Jekyll & Hyde
Jekyll + Hyde

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Mr. Hyde hat diesen Film persönlich gedreht, um die Menschheit zu quälen!


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2006
Regie:
Nick Stillwell
Drehbuch:
David T. Reilly, Nick Stillwell
Darsteller:
Bryan Fisher, Bree Turner, Maria del Mar, Zachary Bennett, Jeff Roop, Kate Kelton

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
18.01.2007