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DVD-Besprechung - Die Schlangengrube und das Pendel

Story:
Noch bevor Graf Regula (Christopher Lee) wegen der Ermordung von zwölf Frauen viergeteilt wird, schwört er blutige Rache. Viele Jahre später kommen der Advokat Roger Mont-Elise (Lex Barker) und die Baronesse Lilian (Karin Dor) nach dem Erhalt einer Einladung mit verschiedenen Versprechen auf das ehemalige Schloss des Grafen. Dort angekommen wird die Baronesse unter eine Droge gesetzt, die sie für die Wirkungsdauer in den Glauben versetzt, die Herrin des Schlosses zu sein. Mindestens genauso besorgniserregend erscheint es Roger, dass der Diener Anathol (Carl Lange) davon spricht, dass Graf Regula sich bald zu ihnen gesellen wird.

Meinung zum Film:
Dr. Harald Reinl hat das deutsche Kino der 50er- und 60er-Jahren maßgeblich mitgeprägt. Mit seinem "Der Frosch mit der Maske" legte er den Grundstein zu der in den folgenden Jahren äußerst erfolgreichen "Edgar Wallace"-Reihe von Rialto und mit "Der Schatz im Silbersee" tat er selbiges für die nicht minder beliebten "Karl May"-Verfilmungen. 1967 wurde Harald Reinl dazu auserkoren, dem vor allem durch die britischen Hammer-Studios und den amerikanischen Roger-Corman-Produktionen dominierten Horror-Film einen Qualitäts-Stempel "Made in Germany" zu geben. Ein Versuch, der schlussendlich scheiterte und einen Film zur Folge hatte, den sowohl Film-Kritiker als auch Kinogänger wenig Anerkennung zukommen ließen. Er blieb ein Einzelwerk, da es keine weiteren Versuche gab, eine deutsche Gothic-Horror-Reihe in den Kinos zu etablieren.

Grund für dieses Scheitern waren sicherlich nicht die Rahmenbedingungen, die in allen Belangen stimmten. Als Hauptdarsteller wurde der in Europa sehr beliebte Amerikaner Lex Barker ("Der Schatz im Silbersee") verpflichtet, der nicht zuletzt durch sein Äußeres vor allem die Frauenherzen höher schlagen ließ. Als Gegenstück für die männlichen Zuschauer besetzte Reinl die weibliche Hauptrolle mit seiner jungen Gattin Karin Dor ("Der unheimliche Mönch"), die zu den beliebtesten deutschen Darstellerinnen der Zeit gehörte. Als unheimlicher Diener Anathol glänzt Carl Lange ("Der Hexer") mit seinem herrlich düsteren Spiel. Gleiches gilt für Vladimir Medar ("Der Rattengott"), der als Mönch mit Geheimnis zwar stellenweise ein wenig überdreht wirkt, was dem Film insgesamt aber recht gut tut. Abgerundet wird die Besetzung durch den horrorfilm-erprobten Christopher Lee ("Dracula"), der mit seinem angsteinflößenden Auftritten den perfekten Ober-Bösewicht darstellt.

Auch beim Soundtrack verließ man sich auf eine gewohnte Größe und so wurde mit Peter Thomas, der einige Edgar-Wallace-Filme mit Musik unterlegte, für den rechten Ton engagiert. Prinzipiell kein schlechter Gedanke, doch der Soundtrack ist oftmals ein Grund dafür, dass der Film das Zielpublikum nicht so recht erreichen wollte. Die Musikstücke klingen oftmals zu sehr nach dem von Thomas bevorzugten Krimi-Kino und sorgen dadurch nicht für die notwendige gruselige Atmosphäre. Dies wird spätestens bei der Fahrt durch das eigentlich als unheimlicher Wald gedachte Set klar, das mehr wie eine lauschige Ausflugsfahrt statt einer Bedrohung wirkt. Erst bei Nacht, wenn Leichen an den Bäumen hängen, mag die recht Stimmung eintreten. Neben dem Komponisten hat es auch Harald Reinl nicht so recht verstanden, echte Gruselstimmung aufkommen zu lassen. Insgesamt wirkt "Die Schlangengrube und das Pendel" wie eine Mischung aus Grusel- und Abenteuermotiven, die man am trefflichsten sicherlich als viktorianischen Abenteuerfilm umschreiben kann, das wesentlich mehr an Indiana-Jones-Filme als an das atmosphärische Gothic-Kino erinnert.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist außerordentlich gut aufgearbeitet worden. Von Verschmutzungen oder sonstigen Zeitzeichen ist nur wenig zu erkennen, lediglich gelegentlich leichte Überstrahlungen bei hellweißen Flächen und teilweise Unschärfen sind kleinere Makel. Als Ausgleich dafür erstrahlen die Farben in ihrer vollen Pracht. Der deutsche Ton in Dolby-Digital-2.0-Mono ist klar verständlich und hat ebenfalls eine gute Aufbereitung erlebt.

Das Bonusmaterial fällt äußerst ausführlich aus. Zwei Fernseh-Beiträge über den Film aus dem Jahre 1967 sind genauso interessant wie das Audio-Interview mit Hauptdarstellerin Karin Dor. Eine nette Beigabe sind die beiden grundverschiedenen Super-8-Filmfassungen, die unter den Titeln "Die Schlangengrube des Grafen Dracula" und "Die Burg des Grauens" veröffentlicht wurden. Es folgen der deutsche Trailer, eine Bildergalerie und Filmo- und Biografien. Am interessantesten fällt jedoch das beiliegende Booklet aus, das auf 8 Seiten ausführliche Hintergründe über den Film zu bieten hat. Ausgeliefert wird die DVD wie schon die Filme der "The Films of Mario Bava"-Reihe mit einem Keepcase im Schuber, wobei beide unterschiedliche Plakatmotive zeigen.

Fazit:
Eigentlich als deutsche Antwort auf das britische und amerikanische Gruselkino gedacht, wurde "Die Schlangegrube und das Pendel" mehr zu einem viktorianischen Abenteuerfilm mit leichten Gruselmotiven, das als solches jedoch bestens zu unterhalten weiß. Die DVD-Umsetzung und das Bonusmaterial sind äußerst gut gelungen und stellen einen klaren Kaufanreiz dar.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,66:1
1,66:1
79:53 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • "Ein Grusical wird gedreht" - Fernsehbericht, WDR 1967
  • "Neues vom Film" - Fernsehbericht, ZDF 1967
  • Super 8-Fassung
  • Interview mit Karin Dor
  • Bildergalerie
  • Kinotrailer
  • Bio- und Filmografien
Die Schlangengrube und das Pendel - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Schlangengrube und das Pendel
Die Schlangengrube und das Pendel

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Von einem Krimi-Regisseur, der auszog, einen Gruselfilm zu machen


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1967
Regie:
Harald Reinl
Drehbuch:
Manfred R. Köhler
Darsteller:
Lex Barker, Karin Dor, Christopher Lee, Carl Lange, Dieter Eppler, Vladimir Medar

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
24.11.2005