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DVD-Besprechung - Shaun of the Dead

Story:
Shaun (Simon Pegg) ist wirklich nicht zu beneiden. Sein Mitbewohner, mit dem er sich die Miete für das typisch britische Reihenhäuschen teilt, hängt ihm ständig in den Ohren, endlich den nichtsnutzigen, ununterbrochen in ihrem Heim abhängenden Kumpel Ed (Nick Frost) aus der Wohnung zu schmeißen. In seinem Job als Fachverkäufer für Elektrogeräte ist Shaun zwar Stellvertreter des stellvertretenden Leiters, wird aber von niemandem richtig ernst genommen. Last but not least kriselt es gewaltig in seiner Beziehung mit Liz (Kate Ashfield), die er auf gar keinen Fall verlieren möchte. Wie klein sind da doch die Sorgen, die ein paar plötzlich wiederauferstandene Tote mit sich bringen. Erst als die Zombies die Stadt kontrollieren, nehmen Shaun und Ed die Rettung ihrer Liebsten in die Hand und stellen sich einem Heer Untoter, die nur das Eine wollen - Fressen!

Meinung zum Film:
Aus britischen Studios ist man als Zuschauer so einiges gewohnt. Spricht man von britischem Humor, meint man damit u.a. Scherze der derberen Art, die einem auch schon einmal als dicker Kloß im Halse stecken bleiben. Wenn man von "Shaun of the Dead" spricht, sollte man sich auf "very, very british humor" gefasst machen. Basierend auf dem Untergangsszenario, das George A. Romero 1978 in seinem Kultfilm "Dawn of the dead" aufzeigte, der in Europa in einer actionreicheren Schnittfassung von Giallo-Meister Dario Argento unter dem Titel "Zombie" in die Lichtspielhäuser kam, hat die britische Horror-Komödie auch einige derbere Szenen zu bieten. Die Huldigung des großen Vorbildes rückt Regisseur Edgar Wright direkt ins Licht, indem er den Soundtracktitel "Zombi" von Goblin im Film einsetzt. Diese Anspielungen werden aber wahrscheinlich nur europäische Filmliebhaber verstehen können, da "Dawn of the Dead" in den USA mit copyright-freier Musik unterlegt wurde und erst Argento die Synthi-Klänge für den sogenannten Euro-Cut produzieren ließ.

"Shaun of the Dead" hat zwar einiges von der düsteren und depressiven Stimmung von "Zombie" übernommen, allerdings überwiegen eindeutig die humoristischen Momente. Shaun ist zu Beginn der Loser, mit dem man als Zuschauer einfach Mitleid hat. Im Grunde ein lieber Kerl, gerät er erst durch seinen Versuch, es allen recht machen zu wollen, immer tiefer von einem Schlamassel in das nächste. Sein bester Kumpel Ed hilft ihm zwar immer kurzzeitig moralisch weiter, doch das führt im Endeffekt meist nur zu weiteren chaotischen Situationen. Rührend ist auch, wie Shaun um seine Liz kämpft und sie einfach nicht aufgeben kann, obwohl sein gesamtes Umfeld ihm dazu rät. Doch um dieses Schicksal einfach so hinnehmen zu können, ist er viel zu sehr verliebt in sie. Sein Kummer und sein Brummschädel vom Frustsaufen am Abend zuvor lassen ihn anfangs die ganzen unheimlichen Vorkommnisse um ihn herum übersehen. Es ist Comedy pur, wenn Shaun mit gesenktem Kopf durch die Nachbarschaft streift und kein bisschen davon mitbekommt, wie sich das gewohnte Umfeld zu einem bizarren Schauplatz grausam entstellter Kreaturen gewandelt hat.

Ein ganz großes Kompliment muss man dem Filmteam machen, denn der gewagte und nicht ganz einfache Drahtseilakt zwischen düsterem Horrorfilm und losgelassenem Slapstick-Humor ist perfekt gelungen. Auf der einen Seite gibt es Momente, in denen Spannung und Gänsehautatmosphäre angesagt sind, inklusive ein paar netter Gore-Effekte, die erstaunlicherweise mit einer FSK ab 16 freigegeben wurden. Auf der anderen Seite finden sich aber umso mehr gelungene Gags und einfallsreiche Persiflagen auf die bekannten Zombiefilme, bei denen einem durch plötzliche Schockeffekte aber voller Schrecken die Frage durch den Kopf schießt, ob man da überhaupt noch drüber lachen darf, ohne seine political correctness zu verlieren. Und auch für romantische Seelen gibt es einiges zu erleben, wenn der Protagonist seine intensiven Liebesmühen, die Beziehung mit Liz gegen jeden Widerstand doch noch zu retten, mit treuem Dackelblick und aus ehrlichem Gefühl heraus unternimmt.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen guten Eindruck, lediglich der etwas steile Kontrast und die etwas blassen Farben könnten als kleines Problem angesehen werden. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist gut abgemischt und kann bei entsprechenden Szenen auch mit Tönen aus dem hinteren Bereich aufwarten.

Bonusmaterial ist quantitativ auf den ersten Blick reichlich vorhanden. Allerdings handelt es sich bei den meisten Beiträgen um eher kurze Stücke. Ein echtes Making Of sucht man vergebens, aber einzelne Make-Up-Proben, der gleichermaßen informative und witzige Audiokommentar mit Wright und Pegg, so wie ein Beitrag über das erste Brainstorming zum Film mittels einem Flip Chart bilden einen guten und unterhaltsamen Rahmen. Es gibt noch reichlich Teaser, Trailer und TV-Spots, zwei Bildergalerien, einen Comic zu "Shaun of the dead" aus der britischen Kultreihe "2000 AD", eine Menge verlängerter und Extra-Szenen, so wie 10 vergnügliche Minuten Outtakes. Insgesamt eine runde Mischung, die auf den ersten Blick zwar nach mehr aussieht, aber auch in ihrer Kürze überzeugen kann.

Fazit:
"Shaun of the Dead" ist das Überraschungsei unter den Kinofilmen. Durch die Mischung von Genre-Elementen aus spannenden Horrorfilmen, lachsalvenfördernden Komödien und romantischen Liebesfilmen bietet er gleich drei Sachen auf einmal. Wer britischen Humor der etwas derberen Sorte ertragen kann, muss den Film einfach gesehen haben. Anhänger von "Dawn of the dead" sowieso! Die digitale Umsetzung ist ebenfalls gut gelungen und vor allem das witzige, wenn auch etwas kurz geratene Bonusmaterial sorgt für einigen Spaß nach dem eigentlichen Filmgenuss.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
95:15 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Türkisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Simon Pegg und Edgar Wright
  • Edgar und Simons Flipchart
  • Spezial Effekte Vergleich
  • Make-Up Proben
  • EPK Featurette
  • Fotogalerie
  • 2000AD-Comic
  • Poster
  • Fright Fest 2003 Teaser
  • Teaser, Trailer, TV Spor
  • Fehlende und erweiterte Szenen
  • Outtakes
Shaun of the Dead - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Shaun of the Dead
Shaun of the Dead

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
No dead please, I'm British!


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
UK, 2004
Regie:
Edgar Wright
Drehbuch:
Edgar Wright, Simon Pegg
Darsteller:
Simon Pegg, Kate Ashfield, Nick Frost, Lucy Davis, Dylan Moran, Nicola Cunningham, Keir Mills, Matt Jaynes, Gavin Ferguson

Label Deutschland :
Universal Pictures Germany
Verkaufsstart Deutschland :
07.04.2005