 |
DVD-Besprechung - Silver City
Story:
Dickie Pillager (Chris Cooper) kandidiert für den Gouverneursposten von Colorado. Die Umfragen sehen ihn aufgrund der hervorragenden Arbeit seines Wahlkampfmanagers Chuck Raven (Richard Dreyfuss) klar in Führung. Die Situation ändert sich jedoch, als Dickie beim Dreh eines umweltpolitischen Wahlspots eine Leiche an der Angel hat. Raven vermutet eine politische Intrige und will den Vorfall vertuschen. Privatdetektiv Danny O'Brien (Danny Huston) soll für ihn die Herkunft der Leiche herausfinden und drei verdächtige, Pillager nicht wohlgesonnene Personen überprüfen.
Meinung zum Film:
John Sayles ("Lone Star") ist einer der bekanntesten unabhängigen amerikanischen Regisseure und Drehbuchautoren. Zur Finanzierung seiner Independent-Filme übernimmt er regelmäßig Drehbuchaufträge für kommerzielle Hollywoodfilme, momentan arbeitet er an "Jurassic Park 4". Mit "Silver City" präsentiert John Sayles seine eigene Sicht der politischen Arbeit des Lagers von George W. Bush anlässlich des Präsidentschaftswahlkampfes aus dem Jahr 2004. Dickie Pillager ist niemand anderes als das Gegenstück zu George W. Bush und mit "Silver City" erhoffte sich John Sayles, der sowohl das Drehbuch schrieb, als auch Regie führte, ähnlich wie Michael Moore mit "Fahrenheit 9/11", den Wahlkampf zu Ungunsten Bushs zu beeinflussen.
"Silver City" ist keineswegs, wie häufig proklamiert wird, eine Polit-Satire. Vielmehr handelt es sich von der Herangehensweise her um einen Krimi, der sich an den Film Noir und die Chandler-Romane anlehnt. Der Film ist mit Seitenhieben gegen die Bush-Regierung gespickt und steht im Schatten eines fiktiven Gouverneurswahlkampfes im Bundesstaat Colorado. Zu Beginn wird der Kandidat Dickie Pillager als Trottel demaskiert, dessen beschränkte Rhetorik nur noch von seiner mangelnden Auffassungsgabe überboten wird. Es wird deutlich, dass er ohne seinen Wahlkampfmanager Chuck Vance und dessen ausgearbeitete Ansprachen vollkommen hilflos wäre und sein politisches Programm lediglich aus hohlen Phrasen besteht. Leider begibt sich "Silver City" danach sehr schnell auf die Private-Eye-Schiene. Der Ermittler Danny O'Brien soll im Auftrag von Vance die Hintergründe der vermeintlichen Sabotageaktion politischer Gegner aufklären. Der Wahlkampf gerät völlig in den Hintergrund, der Gegner im Wahlkampf wird z.B. an keiner Stelle des Films erwähnt. Weitergehende Kritik an der Politik des Pillager-Clans erschöpft sich dann auch darin, dass der Rückbau des Wohlfahrtsstaates und die Deregulierung ehemals staatlicher Aufgaben und Güter kritisiert werden. Die Figur Dickie Pillager wird im weiteren Verlauf des Films immer wieder auf äußerst platte Weise als Vollidiot und von der Industrie kontrollierte Marionette dargestellt, von der subtilen Herangehensweise einer echten Satire findet sich keine Spur. Chris Cooper ("American Beauty") kann einem in der Rolle des Kandidaten nur leid tun, spielt er doch wie stets äußerst überzeugend, muss sich aber der Eindimensionalität und Banalität seiner Figur geschlagen geben. Danny Huston ("21 Gramm") in der Rolle des Schnüfflers O'Brien ist eine völlige Fehlbesetzung. Neben seinem typischen Verliererhintergrund sticht er vor allem durch seine Tollpatschigkeit und Einfältigkeit hervor, Finesse und Kaltschnäuzigkeit sind für ihn bei seiner Recherche absolute Fremdwörter. Während seiner Ermittlungen verwandelt sich der vom Leben gebeutelte, unkritische Auftragsarbeiter und Erfüllungsgehilfe wieder zurück zu seinem alten Ich, dem investigativen und politisch motivierten Enthüllungsjournalisten, der durch eine Intrige seiner Glaubwürdigkeit und seines Jobs beraubt wurde.
Während der Gouverneurswahlkampf den äußeren Rahmen des Films bildet und der Haupterzählstrang die Ermittlungen von O'Brien umfasst, verfolgt der Film auch zahllose Sub-Plots und baut Dutzende weiterer, illustrer Nebenfiguren in die Handlung ein. Besonders störend für den Erzählfluss des Films, der sich über 2 Stunden ohne wirkliche Höhepunkte dahinschleppt, ist vor allem die Liebesgeschichte zwischen O'Brien und seiner Ex-Freundin Nora Allardyce, gespielt von Maria Bello ("A History of Violence"). Diese ist wiederum mit dem Lobbyisten Chandler Tyson, verkörpert von Billy Zane ("Das Phantom"), liiert. Beide Figuren sind beispielhaft für die Verschwendung zahlreicher, namhafter Darsteller in Nebenrollen, die die eigentliche Geschichte kaum tangieren, deren Persönlichkeiten aber erbarmungswürdig klischeehaft und oberflächlich präsentiert werden. Allardyce ist die einzige im Film anzutreffende kritische Journalistin, wird aber stets von Vance abgewürgt, bevor sie einen wirklichen Stich setzen kann, Tyson hingegen steht stellvertretend für die in den USA immens einflussreiche Berufsgruppe des Lobbyisten, der Nahtstelle zwischen Privatwirtschaft und politischer Elite. Viel mehr als "Macht ist eine Lokomotive, entweder Du fährst mit oder sie überrollt dich" hat Tyson jedoch auch nicht zum Film beizutragen.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild der DVD ist teilweise stark verrauscht. Die deutschen und englischen Tonspuren sind klar verständlich. Die DD 5.1-Tonspuren sind allerdings seltsamerweise ziemlich leise abgemischt.
Die Extras wirken auf den ersten Blick recht vielfältig, enttäuschen aber auf ganzer Linie. Besonders ärgerlich ist der Verzicht auf den Audiokommentar von John Sayles und Produzentin Maggie Renzi, den z.B. die UK-DVD von "Tartan" enthielt. Neben Biographien zu sämtlichen bekannten Darstellern und anderen Crewmitgliedern, einem Trailer und zwei Fotogalerien enthält die DVD auch noch zwei Interviews und ein Making-Of. Das erste Interview mit John Sayles entstand offensichtlich auf einer Pressekonferenz, dauert rund 10 Minuten und bietet bis auf ein paar oberflächliche Zweifel am Gesundheitszustand der amerikanischen Demokratie wenig handfestes. Das zweite Interview mit Nebendarstellerin Alma Delfina besitzt nahezu keinen Informations- oder Unterhaltungswert. Das Making-Of schließlich dauert über 30 Minuten. Es entsteht der Eindruck, jedem Mitglied der Filmcrew sollte an dieser Stelle die Möglichkeit gegeben werden, vor der Kamera zumindest einen mehr oder weniger intelligenten Kommentar zum Film abgeben zu können. Weiterhin wird reichlich Material aus dem Film recycelt und es werden Aussagen getätigt, die bereits aus den Interviews bekannt sind.
Fazit:
"Silver City" ist ein langatmiger Krimi, der ausgerechnet in der Hauptrolle immens schwach besetzt ist, den Zuschauer ansonsten aber mit hochkarätigen Nebendarstellern überrollt, die jedoch größtenteils als klischeehafte Menschenattrappen in Nebenrollen verheizt werden. Die Seitenhiebe auf das politische Geschehen in den USA sind äußerst platt und alles andere als satirisch. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Politikinhalten oder politischen Auseinandersetzungen im Wahlkampf findet nicht statt. Hinzu kommt noch, dass die auf der DVD befindlichen Extras nicht überzeugen können.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,85:1
|
122:47 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
Englisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch, Englisch |
|
Bonusmaterial:
|
- Trailer
- Interview mit Regisseur John Sayles
- Interview mit Alma Delfina
- Making Of
- Fotogalerien - "Hinter den Kulissen" + "Silver City"
- Biographien von John Sayles, Maggie Renzi, Chris Cooper, Daryl Hannah, Danny Huston, Haskell Wexler, Richard Dreyfuss, Tim Roth und weiteren Darstellern
|
|  |
Silver City
Silver City
Ein "Chinatown" für Arme verbunden mit leidlich witzigen und platten Seitenhieben gegen die Bush-Regierung
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2004 Regie: John Sayles Drehbuch: John Sayles Darsteller: Danny Huston, Daryl Hannah, Chris Cooper, Richard Dreyfuss, Kris Kristofferson, Maria Bello
Label :
Epix
Verkaufsstart : 15.02.2007
|