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DVD-Besprechung - Snow Cake

Story:
Der introvertierte Engländer Alex (Alan Rickman) wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen. Auf seiner Reise innerhalb Kanadas stößt er in einem Diner auf die jugendliche Anhalterin Vivienne (Emily Hampshire). Diese ist ihm zunächst eher lästig, scheint aber mit ihrer Lebenslust und Neugier irgendwie zu ihm durchzudringen. Er beschließt sie mitzunehmen, doch bei einer Verwicklung in einen Autounfall wird Vivienne getötet. Voller Gram beschließt Alex, die Mutter von Vivienne, Linda (Sigourney Weaver), aufzusuchen und ihr sein Beileid auszusprechen. Linda ist jedoch Autistin, womit Alex zunächst große Probleme hat, da sie nicht um ihre Tochter trauern kann. Er beschließt bei ihr zu bleiben, um ihr bei der Beerdigung zu helfen und entdeckt ganz neue Seiten an Linda und auch sich selbst.

Meinung zum Film:
"Snow Cake" war der Eröffnungsfilm der Berlinale 2006. Nachdem Drehbuchautorin und Debütantin Angela Pell sich zuvor vor allem im Comedybereich versucht hatte, beschloss sie für "Snow Cake" eigene Erfahrungen mit ihrem siebenjährigen, autistischen Sohn zu verarbeiten, übertrug die autistischen Verhaltensmuster jedoch auf eine Erwachsene. Alan Rickman ("Stirb Langsam") war von Anfang an ihre Wunschbesetzung für die männliche Hauptrolle. Aufgrund der Qualität des Drehbuchs gab dieser gerne seine Zusage und konnte außerdem Sigourney Weaver ("Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt") für das Projekt begeistern, die schließlich die weibliche Hauptrolle übernahm. Sie bereitete sich beinahe ein Jahr lang gewissenhaft auf diese Rolle vor und lebte sogar eine Weile mit einer autistischen Frau zusammen, um vergleichbare Verhaltensweisen zu verinnerlichen. Somit waren bereits zwei sehr prominente Hauptdarsteller gefunden, bevor überhaupt die Finanzierung des Projekts gesichert war.

"Snow Cake" ist ein Drama, eine Charakterstudie über drei sehr unterschiedliche Menschen. Der Film verkörpert jedoch auch eine gewisse Leichtigkeit und Lebensfreude. Besonders bei der ersten Begegnung mit Linda wird der trauernde Alex aus allen Wolken gerissen. Das letzte, was er erwartet hatte, war eine Frau, die nicht offen um ihre Tochter trauert, sondern nur überlegt, wer denn jetzt, statt ihrer Tochter, den Müll an die Strasse stellen soll. Aus den völlig verschiedenen Lebenswelten der beiden Charaktere, auf der einen Seite die unbeschwerte, lebenslustige und offene Linda, auf der anderen Seite der verschlossene, vom Leben gezeichnete Alex, ergibt sich durchaus so manche amüsante Szene zwischen den beiden. Vor allem entwickelt sich aber eine Beziehung zwischen ihnen, die in Alex eine Veränderung hervorruft. Es geht in "Snow Cake" vor allem um den Umgang mit Schuld, Verzweiflung, Einsamkeit, Verlust und Trauer. Die zunächst nur angedeutete Hintergrundgeschichte von Alex, und die Last, die er mit sich herumträgt, wird im Verlauf des Films zunehmend thematisiert und in Gesprächen mit Linda, vor allem aber mit ihrer Nachbarin Maggie (Carrie-Anne Moss), mit der Alex eine Affäre beginnt, offenbart.

Alex gelingt es über den Schatten seiner eigenen Vergangenheit zu springen, obwohl der Verlust von Vivienne, die aus dem Leben gerissen wurde, bevor er sie richtig kennen lernen konnte, ein persönliches Déjà-vu-Erlebnis für ihn darstellt. Es gelingt ihm jedoch nicht nur, sich von den Geistern der Vergangenheit zu lösen und einen Neuanfang zu starten, sondern auch Vergebung zu gewähren, in diesem Fall in Bezug auf den Verursacher des Autounfalls, einen Trucker, der durch das Erlebnis und seine Schuld ebenfalls schwer gezeichnet ist. Trotz zahlreicher Schicksalsschläge, dunkler Geheimnisse und Momenten der Hoffnungslosigkeit drückt der Film niemals plakativ auf die Tränendrüse, sondern lässt die Ereignisse und Stimmungen für sich sprechen. Linda und Maggie lösen in Alex einen Prozess aus, dessen Ende, trotz eines unberechenbaren Verlaufs, Hoffnung und Erlösung verspricht. Durch Linda erlangt Alex eine ganz neue Perspektive, sein eigenes Leben zu betrachten und zu hinterfragen. Obwohl es ihm anfangs unmöglich erscheint, mit Linda über seine Probleme zu kommunizieren, hilft sie ihm letztendlich doch darüber hinweg.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild weist leider ein sehr starkes Rauschen auf und wirkt dadurch extrem grobkörnig. Für einen Film aus dem Jahr 2006 ist die Bildqualität äußerst enttäuschend. Die beiden Tonspuren hingegen überzeugen mit guter Verständlichkeit, deutsche Untertitel sind zuschaltbar.

Die DVD beinhaltet den Trailer zum Film in deutscher und englischer Sprache, weiterhin Produktionsnotizen im Umfang von sieben Bildschirmseiten, fünf Bildschirmseiten mit Informationen "Zum Autismus", sowie eine Fotogalerie. Zusätzlich gibt es Deleted Scenes mit einer Laufzeit von rund 16 Minuten, sowie einige interessante Interviews, u.a. über das Drehbuch, die Charaktere und die Besetzung, mit einer Laufzeit von beinahe 25 Minuten, die sich inhaltlich jedoch leider stark mit den Produktionsnotizen überschneiden. Im DVD-ROM-Bereich befindet sich das Presseheft zum Film im PDF-Format, mit einem Umfang von 20 Seiten.

Fazit:
"Snow Cake" ist ein gefühlvolles Drama mit vielschichtigen Charakteren, verkörpert von exzellenten Darstellern, allen voran Alan Rickman und Sigourney Weaver, dem es gelingt, auch humorvolle Untertöne einzubinden, ohne dadurch den Ernst des Films zu verwässern oder dem Thema nicht gerecht zu werden. Während man mit den Extras noch leben kann, ohne dass man von ihrem Informationsgehalt erschlagen würde, ist die Bildqualität der DVD ziemlich enttäuschend geraten.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,85:1
1,85:1
107:26 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer (Deutsch/Englisch)
  • Deleted Scenes
  • Interviews
  • Zum Autismus
  • Produktionsnotizen
  • Fotogalerie
  • Presseheft zum Film (DVD-ROM)
Snow Cake - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Snow Cake
Snow Cake

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Vielschichtiges Drama über Verlust und Trauer, aber auch über Hoffnung, Selbstfindung und die Chance zum Neuanfang


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien/Kanada, 2006
Regie:
Marc Evans
Drehbuch:
Angela Pell
Darsteller:
Alan Rickman, Sigourney Weaver, Carrie-Anne Moss, Emily Hampshire, James Allodi, David Fox

Label Deutschland :
Arthaus
Verkaufsstart Deutschland :
22.06.2007