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DVD-Besprechung - State of Violence

Story:
Im Rahmen der Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 1988 in Seoul will die südkoreanische Regierung mehrere Armensiedlungen räumen und niederreißen lassen, um bei den ausländischen Besuchern keinen schlechten Eindruck zu hinterlassen. Bei den Aktionen, die äußerst gewalttätig verlaufen, wird der junge Ju-Hwan, der Bruder von Ji Kang-Heon (Lee Seong-Jae), durch den brutalen Polizisten Kim An-Seok (Choi Min-Su) erschossen. Ji selber kommt wegen Behinderung der Staatsgewalt für 7 Jahre in Haft und bekommt obendrein 10 Jahre Sicherheitsverwahrung. Als Kim wegen seiner Erfolge bei der Räumung ausgerechnet zum Gefängnisdirektor ernannt wird, gibt es für Ji nur noch zwei Gedanken, erstens Kim umzubringen und zweitens die Flucht.

Meinung zum Film:
Regisseur Yang Yun-Ho ("White Valentine") feierte seinen bisher größten Erfolg mit "Fighter in the Wind" aus dem Jahr 2004, einer Mischung aus Martial-Arts und Drama. "State of Violence" basiert was den Rahmen, also die Räumungsaktionen am Rande der Olympischen Spiele und den Gefangenenausbruch angeht, auf realen Ereignissen. Der Film möchte dabei den Eindruck erwecken, sich ernsthaft mit der jüngeren südkoreanischen Vergangenheit auseinander zusetzen und diese Ereignisse kritisch aufzuarbeiten. Hauptdarsteller Lee Seong-Jae ("Attack the Gas Station") ist in Deutschland vor allem durch seine Hauptrolle in "Public Enemy" aus dem Jahre 2002 bekannt geworden und ansonsten wohl eher Insidern durch seine Rolle in der durchgeknallten südkoreanischen Komödie "Attack the Gas Station" ein Begriff.

Der Einstieg in "State of Violence" kann als relativ gelungen bezeichnet werden. In hektischen Bildern und in aufgeheizter Atmosphäre kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen von der Regierung mit der Räumung betrauten Sträflingen und den ansässigen, verarmten Bewohnern. Schließlich kommt es zur Eskalation und Ji verliert durch Kim An-Seok seinen Bruder, aber auch seine eigene Freiheit. Mit diesem Übergang lässt der Film allerdings bereits jegliche politischen Ambitionen oder das Interesse an den historischen Rahmenbedingungen komplett fallen. Was nun folgt ist zunächst ein typischer Gefängnisfilm und beinahe die überzogene südkoreanische Antwort auf "Lock Up - Überleben ist alles" mit Sylvester Stallone. Der frisch zum Gefängnisdirektor beförderte Kim erkennt Ji auf Anhieb wieder und aufgrund seiner sadistischen Anwandlungen wird Ji schnell sein neuer Liebling. Der typische Knastalltag besteht dann auch aus ständigen Erniedrigungen für Ji, beispielsweise besucht Kim ihn in seiner Einzelzelle und uriniert auf den hilflosen Häftling. Ji verschärft jedoch den Konflikt mit Kim auch noch durch seine ständigen Attentatsversuche, die allerdings alle scheitern. Ji klügelt daraufhin mit einigen Mitgefangenen einen Fluchtplan aus, der zum einen gelingt und zum anderen auch Kim in ihre Gewalt bringt.

Leider entwickelt sich im weiteren Verlauf des Films ein Flucht-/Geiseldrama der übelsten Sorte und ohne jeden Anspruch. Kim entkommt verletzt den Gefangenen und startet eine erbarmungslose Hetzjagd. Unter den eindimensionalen Charakteren übernimmt er den Part des vollkommen amoralischen, psychopathischen und gnadenlosen Finsterlings. Die schauspielerischen Leistungen, die Choi Min-Su ("Sword in the Moon") dabei zum besten gibt, spotten jeder Beschreibung und definieren den Begriff Overacting beinahe neu. Bei den andauernden finsteren Grimassen vermeint man beinahe das Knirschen seiner Zähne zu vernehmen, unfreiwilliger Humor ist aber auch aufgrund der deutschen Synchronisation reichlich gegeben. Zunächst ist die Auswahl der Stimmen teilweise extrem misslungen und auch die Intonation, bzw. die Tonhöhe, sind oft völlig daneben. Inhaltlich kommt es immer wieder zu Peinlichkeiten wie "Pennersau", "Scheiß-Schwein" oder "Saudumme Sau". Action gibt es beinahe keine, jegliche Sympathie für die Entführer wird schon allein durch die Auswahl und Behandlung der Geiseln im Keim erstickt, die die Aussage des Films nebenbei auch direkt noch ad absurdum führt, da es sich hier eben auch um arme Schlucker handelt, die dann im Nachhinein auch noch durch Geld als Entschädigung abgespeist werden. Was eigentlich filmisch angeprangert werden soll, nämlich sich sein Recht zu kaufen, wird also von den Häftlingen selbst praktiziert.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität kann bis auf ein leichtes Bildrauschen voll überzeugen. Auch die beiden Tonspuren sind technisch gut gelungen. Die Sprach- und Untertitelauswahl funktioniert, unverständlicherweise, wieder mal nur über das entsprechende Menü.

Die vorliegende Verleih-DVD beinhaltet, obwohl dies nirgends vermerkt ist, einen Audiokommentar, sonst allerdings keinerlei weitere Extras. Der Audiokommentar ist von den Schauspielern Dong Hyun, Lee Eol, Lee Seong-Jae und dem Regisseur Yang Yun-Ho. Angesichts der Qualität dieses Extras ist es allerdings verständlich, dass es nirgends aufgeführt wird. Es entsteht der Eindruck, die Herrschaften hätten sich eher zum gemütlichen Kaffeklatsch versammelt als zu dem Zweck, etwas Wissenswertes über den Film zu erzählen. Einen oberflächlicheren und unprofessionelleren Audiokommentar dürfte man wohl schwerlich finden.

Fazit:
"State of Violence" verfügt über ein viel zu langsames Erzähltempo, ein plattes, mit Widersprüchlichkeiten angereichertes Drehbuch und keinerlei Spannung. Die Synchronisation ist teilweise wirklich mies, die Dialoge sind extrem platt, mit übertriebenem Pathos durchtränkt und schauspielerisch fällt vor allem extremes Overacting negativ auf. Einige drastischere Gewalteinlagen erklären die fehlende Jugendfreigabe, sind aber spärlich gesät und lediglich reiner Selbstzweck.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,85:1
1,85:1
116:53 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Koreanisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar von den Schauspielern Dong Hyun, Lee Eol, Lee Seong-Jae und dem Regisseur Yang Yun-Ho
State of Violence - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
State of Violence
Holli-dei

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein miserables Drehbuch, viel Pathos und etliche Plattheiten zerstören eine interessante Grundidee


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Südkorea, 2006
Regie:
Yang Yun-Ho
Drehbuch:
Yang Yun-Ho
Darsteller:
Choi Min-Su, Jang Se-Jin, Lee Seong-Jae, Lee Eol, Jo An, Kim Jin-Hyuk

Label Deutschland :
Splendid Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
25.05.2007