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DVD-Besprechung - Stille Tage in Clichy
Story:
Im Paris der 70er Jahre bilden der amerikanische Autor Joey (Paul Valjean) und Carl (Wayne Rodda) eine Wohngemeinschaft. Ihr Hauptlebensinhalt in dieser Zeit ist Sex mit ständig wechselnden Partnerinnen. Die finanziellen Mittel der beiden sind zwar äußerst knapp bemessen, an willigen Frauen aber mangelt es trotzdem nie.
Meinung zum Film:
"Stille Tage in Clichy" basiert auf dem gleichnamigen Roman des amerikanischen "Skandalautors" Henry Miller. Der Film war in England und den USA lange Zeit verboten, in den USA für 30 Jahre. Er kam erst nach längeren Auseinandersetzungen mit der Filmbewertungsstelle am 27. Februar 1971 mit einer Freigabe ab 18 Jahren in die deutschen Kinos. Der Protagonist im Film namens Joey ist niemand anderes als das Alter Ego von Henry Miller. Das Buch verarbeitet authentische Erfahrungen des Autors im Paris der 30er Jahre, die der Film ins zeitgenössische Paris der 70er Jahre verlegt.
Der Film hat seine Stärken eindeutig in der Form der Darstellung und kann hier durchaus punkten. Der Regisseur benutzt Sprechblasen wie bei einem Comic, um Gedanken, aber auch Laute plastisch darzustellen. Es gibt Texteinblendungen ohne Sprechblasen direkt im Bild, Umgebungsgeräusche werden teilweise komplett ausgeblendet, z.B. bei einem Gespräch von Joey. Eine Reise der beiden Freunde nach Luxemburg wird komplett als musikunterlegte Standbildabfolge erzählt. Das Highlight des Films ist aber sicherlich die absolut passende sexistisch-frivole, aber auch humorvolle Country-Rock-Begleitmusik von Country Joe, die mit ihren Texten immer wieder zum Schmunzeln anregt. Sprachlich bietet der Film diverse "Stilblüten" wie, "Er hat sich in die Patsche gefickt" oder "Ihre Möse dampfte unter dem Kleid wie Dung in der Sonne". Die Sprache erinnert dabei in ihrer Derbheit beinahe an "Der letzte Tango in Paris", allerdings ohne dessen aggressive Ausprägung.
Während der Film technisch und formal überzeugen kann, ist der Inhalt leider eine einzige, gigantische Luftblase. Neben musikunterlegten Impressionen von Paris, sowie diversen sexuellen Akten gibt es wenig zu sehen. Das ganze wird durch pseudo-philosophische Äußerungen Joeys ergänzt. Es gibt auch keinerlei interessante Akteure, die den nicht vorhandenen Plot ausgleichen könnten. Während Joey und Carl lediglich ihrer Leidenschaft frönen, werden die Frauen im Film durchgehend lediglich als Objekte der Lustbefriedigung dargestellt, deren Verstand zwischen den Beinen sitzt. Entweder es handelt sich um Prostituierte oder die Damen bitten erst im Nachhinein um eine "Aufwandsentschädigung". Das führt auch zu immensen finanziellen Engpässen bei Joey, der bei all seinen Ausschweifungen leider auch kaum seiner schriftstellerischen Tätigkeit nachgehen kann. Das führt dann u.a. wiederholt zu einer recht amüsanten "Nahrungssuche" innerhalb des Apartments, wo dann auch gerne mal im Mülleimer nach "Köstlichkeiten" gefahndet wird. Die Freizügigkeiten des Films dürften, zumindest in Europa, heute niemandem mehr kontrovers erscheinen, das zeigt auch die Altersfreigabe ab 16 Jahren, somit hat der Film deutlich an "Sprengkraft" verloren. Die Sexszenen wirken dann auch alles andere als pornographisch, sondern vielmehr ausgelassen und hemmungslos mit beinahe kindlicher Freude der Beteiligten. Die Frage, die der Film allerdings aufwirft, ist, ob nicht grundsätzlich alle Figuren im Film weniger glücklich in den Tag hineinleben, als vielmehr die Einsamkeit zum ständigen Begleiter haben. Die dadurch entstehende Leere wird dann wiederum durch Lustbefriedigung ausgefüllt, die die Einsamkeit jedoch nicht dauerhaft verdrängen kann.
Digitale Aufarbeitung:
Bei der Bewertung des Bildes muss man die deutsche und die englische Kinoversion getrennt betrachten. Die deutsche Fassung auf der ersten DVD weist ein starkes Rauschen, zahlreiche Verschmutzungen, sowie Beschädigungen, beispielsweise Laufstreifen, auf. Die Schärfe ist aber insgesamt ausreichend. Das für die englische Version auf der zweiten DVD verwendete Master wurde hingegen von Blue Underground aufwendig restauriert. Das Rauschen wurde erheblich reduziert und es gibt fast keine Verschmutzungen und Beschädigungen mehr. Die Schärfe und der Kontrast sind ebenfalls sehr gut. Somit besitzt die englische Fassung das wesentlich bessere Bild, die Tonspuren sind hingegen bei beiden Fassungen gleich gut verständlich.
Es wurden die Extras der US-Veröffentlichung von Blue Underground übernommen und deutsch untertitelt. Sie befinden sich auf der ersten DVD. Da wäre zunächst "Dirty Books, Dirty Movies", ein Interview mit Henry Millers Herausgeber Barney Rosset mit einer Laufzeit von rund 17 Minuten. Rosset schildert hier auf interessante Art und Weise seinen Kampf gegen Zensur und die Schlachten vor Gericht, die nötig waren, um seine kontroversen Autoren im prüden und konservativen Amerika verlegen zu können. "Songs of Clichy" ist ein rund 11-minütiges Interview mit Country Joe (Joe McDonald) der für die Musikuntermalung des Filmes verantwortlich war. Wie er in diesem Interview humorvoll darstellt, war seine Arbeit völlig unabhängig von der Arbeit der Filmcrew. Umso erstaunlicher, dass seine Musik als eines der Highlights des Films zu betrachten ist. Weiterhin gibt es eine Bildergalerie und Biographien von Henry Miller (16 Seiten) und Regisseur Jens Jørgen Thorsen (10 Seiten).
Fazit:
"Stille Tage in Clichy ist zwar formal-technisch ansprechend umgesetzt, hat aber massiv an Kontroversität eingebüßt und ist inhaltlich eine Seifenblase. Positiv ist der unterschwellige Humor des Films zu vermerken, der zu großen Teilen auch von der musikalischen Untermalung getragen wird. Die inhaltliche Leere kann durch eine sich stets wiederholende, wenig abwechslungsreiche Rahmenhandlung nicht aufgefangen werden.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,66:1
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91:00 (Deutsche Fassung) - 90:34 (Englische Fassung) Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch (mit Zwangs- untertiteln) Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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- "Dirty Books, Dirty Movies": Interview mit Henry Millers Herausgeber Barney Rosset
- "Songs of Clichy": Interview mit Country Joe McDonald
- Poster & Bildergalerien
- Biographien zu Henry Miller und Jens Jørgen Thorsen
- 12-seitiges Booklet mit Nachdruck des original Filmprogramms von 1971
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Stille Tage in Clichy
Stille dage i Clichy
Paris, die Stadt der freien Liebe
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Dänemark, 1970 Regie: Jens Jørgen Thorsen Drehbuch: Jens Jørgen Thorsen (basierend auf dem Roman von Henry Miller) Darsteller: Paul Valjean, Wayne Rodda, Ulla Koppel, Avi Sagild, Susanne Krage, Louise White
Label :
e-m-s
Verkaufsstart : 07.12.2006
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