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DVD-Besprechung - Tsotsi (Special Edition)
Story:
In einem Ghetto am Rande Johannesburgs lebt der 19-jährige "Tsotsi" (Presley Chweneyagae). Er ist der Anführer einer kleinen Gang, mit der er immer wieder Raubzüge in die Metropole oder reichere Vororte unternimmt. Eines Tages überfällt er eine Frau direkt vor ihrem Haus und klaut ihr das Auto. Als sie ihn aufhalten will, schießt er sie über den Haufen. Auf der Flucht mit dem Auto hört er Babygeschrei und baut vor Schreck einen Unfall. Er findet auf dem Rücksitz ihr Kind. Statt sich einfach davon zu machen, nimmt er das Baby mit in seine Wohnung. Während die Polizei bereits nach ihm fahndet, baut er eine Beziehung zu dem Baby auf und sein Wesen beginnt sich positiv zu verändern.
Meinung zum Film:
Gavin Hood gibt mit "Tsotsi" sein Spielfilmdebüt als Regisseur und Drehbuchautor in der ersten Liga. Seine bisherigen Werke, z.B. der Spielfilm "A Reasonable Man" von 1999 sind in Deutschland vollkommen unbekannt und werden nicht mal innerhalb der OFDB aufgeführt. Mit "Tsotsi" gelang ihm jedoch ein Riesenerfolg, denn der Film bekam im Jahr 2005 den Oscar für den besten ausländischen Film. Das Drehbuch basiert dabei auf dem gleichnamigen Roman des südafrikanischen Schriftstellers Athol Fugard, der jedoch keineswegs autobiographisch ist.
"Tsotsi" ist Slangsprache und bedeutet schlichtweg soviel wie "Gangster". Es handelt sich hier jedoch weder um einen nach Südafrika verlegten Ghetto- und Gangsterfilm, noch um ein südafrikanisches Gegenstück zu "City of God". Im Mittelpunkt der Geschichte steht besagter "Tsotsi", über dessen Biographie man im Verlauf des Films nur sehr wenig erfährt. Etwa die ersten 20 Minuten des Films spricht "Tsotsi" außerdem so gut wie kein Wort. Er wird zunächst als emotional abgestumpfter Kleinkrimineller eingeführt, der niemanden an sich heranlässt und für den Gewalt die einzige Kommunikationsform ist. Als er jedoch nach dem missglückten Autodiebstahl beschließt, das Baby bei sich zu behalten, beginnt er eine Metamorphose vom Saulus zum Paulus zu durchlaufen. Er fängt an, sich für das Baby verantwortlich zu fühlen und versucht es mehr schlecht als recht zu versorgen, während er sich von seiner Bande immer stärker absondert. Das Baby scheint ihn an seine eigene Kindheit zu erinnern, die lediglich in einer kurzen, aber sehr einschneidenden Rückblende beleuchtet wird. Sein Vater war ein gewalttätiger Säufer und seine Mutter ging an Aids zugrunde. Den Tod seiner Mutter hat der damals 10-jährige nie verwunden. Diese Gefühle versteckt er jedoch hinter einer Maske. In seinem Innersten ist er aber das verstörte Kind von damals geblieben. In gewisser Weise scheint das Baby für "Tsotsi" eine Möglichkeit darzustellen, die eigene Katharsis zu induzieren. "Tsotsi" beginnt seine eigene Menschlichkeit zu entdecken, entdeckt die Tragweite seiner bisherigen Taten und entwickelt ein für ihn bisher völlig untypisches Verantwortungsgefühl.
Auch wenn seine Sicht der Dinge sich ändert, bleiben die Methoden auch weiterhin gewalttätig. So zwingt er eine in der Nachbarschaft wohnende Frau mit vorgehaltener Waffe, dem Kind die Brust zu geben. Mit der Zeit entwickeln jedoch beide eine Beziehung zueinander, wobei "Tsotsi" sie eher als Mutterfigur zu betrachten scheint und sich bei ihr an eine glückliche Kindheit erinnert fühlt, die er selbst nie genossen hat. Die Botschaft des Films ist so eindeutig wie oberflächlich. Menschen werden zwar in bestimmte Verhältnisse oder Lebensumstände hineingeboren, letztendlich treffen sie aber eigene Entscheidungen und sind in der Lage, sich zu ändern. Die ersten 50 Minuten kann der Film trotz einiger Ungereimtheiten und fragwürdiger Entscheidungen von "Tsotsi", halbwegs überzeugen. In dieser Phase kann er auch durchaus eindrucksvolle Szenen, wie z.B. die Rückblende in Tsotsis Kindheit, oder die Konfrontation mit einem verkrüppelten Bettler, der "Tsotsi" damit verunsichert, dass er trotzdem allem noch Lebensfreude empfindet, aufbieten. Leider driftet der Film danach immer stärker ins melodramatische ab und wirkt immer weniger plausibel. Vor allem die Szenen mit den verzweifelten Eltern und den ermittelnden Polizisten wirken äußerst holprig integriert und fehl am Platz. Der Versuch, durch die Ermittlungen der Polizei Spannung und eine Bedrohung für "Tsotsi" aufzubauen, wird nämlich nie konsequent verfolgt. Schließlich kommt es zu einem recht unspektakulären Ende, das aber in einer vollkommen überzogenen Art und Weise dramatisiert wird. Man merkt dem Film immer wieder an, dass er eine geradezu idealistische Stimmung erzeugen möchte, dabei kommt es aber zu handwerklichen Holprigkeiten, einer vernachlässigten Charakterzeichnung und einer in die Länge gezogenen Erzählweise. Außerdem bringt die Veränderung von "Tsotsi" zum Sympathieträger die Gefahr der Marginalisierung seiner Taten mit sich.
Digitale Aufarbeitung:
Bild und Ton sind auf dem Niveau, das man sich von einer aktuellen Kinoproduktion erwartet und haben kaum Schwächen, lediglich ein ganz leichtes Bildrauschen ist auszumachen. Neben den beiden deutschen Tonspuren in Dolby Digital 5.1 und DTS, gibt es auch eine O-Ton-Spur in "Tsotsi-Taal" mit zuschaltbaren, deutschen Untertiteln.
Die Special Edition ist mit einer Fülle von Bonusmaterial ausgestattet. Auf der Film-DVD befinden sich ein Trailer zum Film (Deutsch und Englisch), drei Deleted Scenes und zwei alternative Endsequenzen, jeweils mit optionalen Audiokommentaren und wahlweise mit deutschen Untertiteln. Außerdem findet sich hier das Highlight der Special Edition, der ausführliche Audiokommentar zum Film von Regisseur und Drehbuchautor Gavin Hood. Auch hier liegen deutsche Untertitel vor. Der Regisseur liefert einen äußerst engagierten Vortrag über den Film und die Lebensverhältnisse in Südafrika ab. Allerdings gerät das ganze ab und an doch etwas überschwänglich und er versteigt sich in eine Flut von Superlativen. Die Bonus-DVD enthält das Making Of mit fast 14 Minuten Laufzeit, drei Musikvideos zum Film mit mehr als 10 Minuten Laufzeit, die Dokumentation "The Day In The Life Of Josias" über das harte Schicksal von in die Armut hineingeborenen südafrikanischen Kindern, die rund 13 Minuten dauert und eine Fotogalerie zum Film. Außerdem befindet sich auf der Bonus-DVD noch der rund 22 Minuten lange Kurzfilm "The Storekeeper", ebenfalls von Gavin Hood, und auch hier ist sein Audiokommentar zuschaltbar.
Fazit:
"Tsotsi" ist ein Film, der eine gute Absicht verfolgt und in einigen Szenen durchaus eine gewisse Tiefgründigkeit besitzt. Leider wird das Potential dieser Szenen von der simplen Geschichte und der teils doch recht oberflächlich manipulativen Darstellung nicht ausgeschöpft. Unter dem Strich ist "Tsotsi" zwar nicht der ganz große Wurf geworden, besitzt aber durchaus seine ganz eigenen Qualitäten, die jedoch mit zunehmender Spieldauer immer stärker in den Hintergrund treten.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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90:17 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch DTS 5.1 | Tsotsi-Taal Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Audiokommentar von Regisseur und Drehbuchautor Gavin Hood
- Trailer (Deutsch/Englisch)
- 3 Deleted Scenes (mit optionalem Audiokommentar)
- 2 Alternative Endsequenzen (mit optionalem Audiokommentar)
- Making Of
- Dokumentarfilm: "The Day In The Life Of Josias"
- 3 Musikvideos
- Fotogalerie
- Kurzfilm von Gavin Hood: "The Storekeeper" (mit optionalem Audiokommentar)
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Tsotsi
Tsotsi
Ein modernes Märchen mitten im Elend eines südafrikanischen Ghettos
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien/Südafrika, 2005 Regie: Gavin Hood Drehbuch: Gavin Hood, Athol Fugard Darsteller: Presley Chweneyagae, Terry Pheto, Kenneth Nkosi, Mothusi Magano, Zenzo Ngqobe, Ian Roberts
Label :
Arthaus
Verkaufsstart : 15.12.2006
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