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DVD-Besprechung - Und Jimmy ging zum Regenbogen

Story:
Ein bekannter Chemiker mit Kontakten zum amerikanischen und russischen Geheimdienst wird in Wien von einer Frau, die scheinbar in keinerlei Beziehung zu ihm steht, vergiftet. Die Umstände des Mordes sind völlig unklar. Sein Sohn, Manuel Aranda (Alain Noury), reist nun von Argentinien nach Wien, um die Leiche seines Vaters zu überführen. Nachdem er die Habseligkeiten seines Vaters an sich genommen hat, unterrichtet ihn die österreichische Polizei davon, dass sie keine weiteren Ermittlungen in diesem Fall zu unternehmen gedenkt, da sich die Mörderin, Valerie Steinfeld (Ruth Leuwerik), nach der Tat selbst gerichtet hat. Manuel Aranda sieht sich nun gezwungen, die Hintergründe des Mordes selbst aufzudecken.

Meinung zum Film:
"Und Jimmy ging zum Regenbogen" entstand im Jahr 1971 unter der Regie von Alfred Vohrer, der zu diesem Zeitpunkt vor allem durch seine Filme für die Edgar-Wallace-Reihe bekannt war. Der Film stellt die Adaption eines Romans von Johannes Mario Simmel dar und ist zugleich der Auftakt zu einer Simmel-Reihe von Kinowelt. Die Geschichte lässt zunächst einen Spionagefilm erwarten, das Geheimdienstelement wird vom Drehbuch jedoch nur wenig genutzt. Der Film bietet dafür eine völlig unmotivierte Liebesgeschichte zwischen Manuel Aranda und Irene Waldegg (Doris Kunstmann). Diese wird dabei eher durch vereinzelte, extrem kitschige Szenen, beispielsweise eine Kutschfahrt mit entsprechender Musikuntermalung, transportiert, denn durch eine nachvollziehbare und beobachtbare Entstehung einer gegenseitigen Anziehungskraft. Die Geschichte tritt insgesamt von Anfang an ziemlich auf der Stelle, wobei der ausgiebige Gebrauch von Rückblenden erschwerend hinzukommt. Diese werden meist dergestalt in den Film eingebaut, dass Aranda Personen, die mit dem Fall seines Vaters in Verbindung stehen, befragt und ihre Antworten direkt in Rückblenden überführt werden. Diese Rückblenden erscheinen über den Großteil der nicht unerheblichen Spielzeit von über zwei Stunden zunächst relativ belanglos für den Fortgang der Geschichte und es stellt sich die Frage nach ihrer Relevanz. Somit deutet sich eine große Auflösung für das Finale des Films an. Eine Auflösung gibt es zwar, sie ist aber weder sonderlich fantasievoll, noch wirklich überraschend. Das Ende kommt dann auch ziemlich abrupt und ist wenig überzeugend. Im Nachhinein stellt sich die Frage, ob das wirklich schon alles gewesen sein soll.

Ein weiterer Minuspunkt ist die Vernachlässigung des großen geschichtlichen Rahmens. Nach Informationen aus der Simmel-Biographie auf der DVD sind diese Verfilmung und die weiteren Simmel-Adaptionen "allerdings an den politisch-zeitgeschichtlichen Aspekten der Vorlagen nur mäßig interessiert". Den historischen Rahmen des Films bildet eine Zeit der Entspannungspolitik zwischen den Großmächten, die u.a. in mehreren Abrüstungsgesprächen mündete. Hier wurde die Möglichkeit vertan, die Geschichte stärker zu fundieren und in größere geopolitische Zusammenhänge einzubetten, um eine zeitgenössische Atmosphäre zu erzeugen. Stattdessen ergeht sich der Film in teilweise spektakulären Aufnahmen Wiens, sowie endlosen Dialogen und Rückblenden. Selbst Regisseur Alfred Vohrer scheint vom Drehbuch äußerst gelangweilt gewesen zu sein, das würde die häufigen "Kameraspielereien", die für das Geschehen nicht wirklich notwendig erscheinen, erklären. So wechselt die Kamera im Szenenverlauf hinter Charaktere, schwenkt häufiger mal in die Diagonale oder kreiselt im Gespräch um die Protagonisten herum. Auch der mehrmalige Einsatz einer "Fischaugenoptik" ist zu verzeichnen. Diese dynamische Kameraführung steht im krassen Gegensatz zur eher statischen Erscheinung der gesamten Geschichte.

So enttäuschend, weil abschweifend und ohne Höhepunkte, die Geschichte sich präsentiert, so schwach sind leider auch die gebotenen Leistungen der Darsteller zu beurteilen. Allen voran Hauptdarsteller Alain Noury ("Die Geschichte der O."), der den Begriffen "leblos" und "hölzern" eine völlig neue Bedeutungstiefe gibt. Der "Held" verzieht im Verlauf des gesamten Films kaum eine Miene und manövriert sich mit seinen zweieinhalb Gesichtsausdrücken durch die gesamte Story. Diese emotionslose Darstellung wiegt doppelt schwer, da das Drehbuch nur wenig Informationen über den Hauptcharakter zur Verfügung stellt. Es gelingt hier einfach nicht, den Charakter Manuel Aranda mit Leben zu füllen. Ähnlich emotionslos, wie seine Suche nach den Hintergründen des Mordes verläuft, verfolgt auch der geneigte Zuschauer das Treiben des Hauptdarstellers. Es finden sich aber auch einige vielversprechende Namen auf der Besetzungsliste des Films, z.B. Horst Tappert ("Derrick") und Horst Frank ("Timm Thaler"). Den Film allerdings mit ihren Namen bewerben zu wollen, würde wohl einen ziemlichen Etikettenschwindel darstellen. Den ersten Auftritt von Horst Tappert, hier als Anwalt in einem "Arisierungsprozess", gibt es erst nach etwa einer Stunde zu bestaunen. Seine wenigen Szenen stellen dann auch, ähnlich wie bei Horst Frank in der Rolle des Standartenführers Flemming, lediglich Kurzauftritte dar, in denen sich beide Schauspieler nicht wirklich auszeichnen können. Überzeugen können dagegen einige Nebendarsteller, allen voran Heinz Baumann ("Adelheid und ihre Mörder") in der Rolle des US-Geheimdienstchefs in Wien, sowie Heinz Moog ("Schwarz-Rot-Gold"), als mit allen Wassern gewaschener Kommissar der österreichischen Polizei, der den Geheimdiensten ein ums andere Mal ein Schnippchen schlägt. Ihre lebhafte Darstellung wirkt im Kontrast zur Leistung des Hauptdarstellers regelrecht erfrischend. Leider bleiben sämtliche weiblichen Darstellerinnen, trotz ihres viel zu dick aufgetragenen Make-Ups, äußerst blass.

Digitale Aufarbeitung:
Für einen so alten Film, der wohl auch nicht als der ganz große Verkaufsschlager von Kinowelt konzipiert wurde, macht das Bild einen sehr guten Eindruck. Zwar ist besonders bei helleren Szenen eine deutlich feststellbare Körnigkeit vorhanden, diese ist jedoch nie wirklich störend. Die Bildschärfe ist im Verlauf des gesamten Films als sehr gelungen zu bezeichnen. Der Ton ist zwar nur in Mono vorhanden, kommt jedoch ohne störendes Rauschen daher.

Als Extras gibt es den obligatorischen Trailer zum Film, eine Fotogalerie, weiterhin Tafeln mit Biographien von Horst Frank, Ruth Leuwerk und Johannes Mario Simmel. Die Auswahl der Biographien erscheint völlig zufällig, verwunderlich ist vor allem, dass es keinerlei Infos über Regisseur Alfred Vohrer und Hauptdarsteller Alain Noury zu vermelden gibt. Weiterhin findet man auf der DVD den Punkt "Werbematerial". Dieses jedoch als spärlich zu bezeichnen wäre schon die reine Prahlerei. Hier finden sich insgesamt lediglich zehn Bildschirmseiten, die Hälfte davon stellt jedoch nur identische, herangezoomte Motive dar. Das Werbematerial geht dabei sowohl vom ästhetischen als auch vom informationstechnischen Wert gegen Null.

Fazit:
Insgesamt muss man leider sagen, dass "Und Jimmy ging zum Regebogen" größtenteils relativ uninspiriert vor sich hinplätschert. Es fehlen die Dramaturgie, die Emotionen, aber auch herausragende darstellerische Leistungen und überraschende Wendungen. Die Spielzeit ist mit 127 Minuten deutlich zu lang. Technisch ist die DVD von Kinowelt durchaus empfehlenswert, wenn auch wahrlich kein Ausstattungswunder. Der Film selbst dürfte es in der heutigen Zeit sehr schwer haben, ein interessiertes Publikum zu finden.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
127:25 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Fotogalerie
  • Biographien
  • Werbematerial
Und Jimmy ging zum Regenbogen - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Und Jimmy ging zum Regenbogen
Und Jimmy ging zum Regenbogen

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Alfred Vohrer auf Abwegen


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland/Österreich, 1971
Regie:
Alfred Vohrer
Drehbuch:
Manfred Purzer (nach dem Roman von Johannes Mario Simmel)
Darsteller:
Alain Noury, Judy Winter, Horst Tappert, Horst Frank, Heinz Moog, Heinz Baumann, Doris Kunstmann

Label Deutschland :
Kinowelt Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
07.07.2006