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DVD-Besprechung - Unruhige Nacht

Story:
Zur Zeit des Russlandfeldzuges wird der junge deutsche Soldat Fedor Baranowski (Hansjörg Felmy) wegen Fahnenflucht angeklagt und zum Tode verurteilt. Nach der Ablehnung seines Gnadengesuchs wird der Militärpfarrer Brunner (Bernhard Wicki) mit der Seelsorge des Delinquenten betraut. In der Nacht vor der Hinrichtung arbeitet sich Brunner durch Baranowskis Personalakte und erfährt, dass Baranowski nicht aus Feigheit oder anderen niederen Motiven, sondern aus Liebe zu einer Frau desertiert ist. Sowohl Baranowski als auch Brunner verleben eine unruhige und aufwühlende Nacht.

Meinung zum Film:
"Unruhige Nacht" basiert auf der gleichnamigen Novelle des deutschen Schriftstellers und protestantischen Theologen Albrecht Goes aus dem Jahr 1950. Im Jahre 1953 wurde er mit dem Lessing-Preis ausgezeichnet. Neben "Unruhige Nacht" zählt "Das Brandopfer", das die Judenverfolgung im 3. Reich thematisiert, als sein bedeutendstes Werk. Die Filme von Regisser Falk Harnack ("Der 20. Juli") beruhen oft auf literarischen Vorlagen und das Thema Vergangenheitsbewältigung steht wiederholt im Mittelpunkt seiner frühen Filme. Harnack gilt deshalb im Deutschland der Nachkriegszeit als einer der wenigen Regisseure, die auch international Anerkennung finden. Im Jahr 1983 wurde Harnack mit dem Filmband in Gold für sein "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" ausgezeichnet.

"Unruhige Nacht" ist weniger eine Abrechnung mit dem Nationalsozialismus oder der Rolle der Deutschen Wehrmacht als vielmehr ein menschliches Drama vor dem Hintergrund des Russlandfeldzuges, beziehungsweise eine konsequente Absage an Krieg und dem damit verbundenen Militarismus. Baranowskis Geschichte ist das Schicksal eines Menschen, der nie genug geliebt worden ist und der, als er endlich die Liebe fand, den Preis dafür mit seinem Leben begleichen musste. Der Film stellt einen Appell für Menschlichkeit und gegen Ordnung und blinden Gehorsam dar. Bereits als Brunner mit Baranowskis Vorgesetzten in Kontakt kommt, wird ihm bewusst, dass er für sie nicht länger als Mensch existiert, sondern vielmehr als ein defektes Teil innerhalb des Militärapparates, das entsorgt werden muss. Major Kartuschke, gespielt von Werner Peters ("Der Untertan"), fungiert hier als Prototyp des Karrieremilitärs, der über Leichen geht, ohne Befehle zu hinterfragen. Seine Meinung äußert er gegenüber Brunner ganz offen, "Wenn es um das große Ganze geht, brauchen wir keine Schlappschwänze!". Er selbst ist jedoch ein "Zivilversager", an der Ausbildung zum Lehrer ist er gescheitert, und in der "Stunde der zu kurz Gekommenen", so Brunner, war die Wehrmacht seine Chance, sich an denen zu rächen, die ihn als Verlierer wahrgenommen haben. Das bekommt vor allem der Pfarrer und Oberleutnant Ernst, gespielt von Werner Hinz ("Die Buddenbrooks"), zu spüren, dem er die Leitung über das Exekutionskommando überträgt. Dieser geht an der Schuld, die er dadurch seiner Meinung nach auf sich lädt, beinahe zugrunde. Kartuschke wischt seine moralischen Bedenken aber durch ein "Mit Haltung geht alles!" vom Tisch.

Auch Brunner fällt es zunehmend schwerer, den Fall Baranowski unwidersprochen hinzunehmen. Er wirft sich selbst jedoch vor, dass man für seine Freiheit bereits hätte kämpfen müssen, bevor dieser Widerstand als Landesverrat wahrgenommen würde. Brunner versieht deshalb bis zum Schluss ohne aktiven Widerstand und ohnmächtig seinen Dienst für die Wehrmacht und das Seelenheil des Verurteilten. Er ist sich aber bewusst, dass ihn sein Gewissen nicht lossprechen wird und er sich nach dem Ende des Krieges seinem eigenen Gewissen stellen muss. Der Krieg ist für ihn ein schmutziges Geschäft ohne Heldentum, jede friedliche Arbeit wäre um ein vielfaches produktiver als das Kriegshandwerk. Baranowski ist verzweifelt, er ist sich keiner Schuld bewusst und meint nichts Schlimmes getan zu haben, so äußert er sich dann auch anklagend zu seinem Schicksal mit den Worten "Nur weil man ein paar Wochen auch mal ein Mensch sein wollte". Letztendlich ist der Krieg zwar längst verloren, die Disziplin geht aber über alles. Als der Kriegsgerichtsrat gegenüber Brunner das Militär als "korrekte Organisation" bezeichnet erwidert Brunner nur verbittert "Korrekt bis zum Erschießen". Das Totschlagargument "Befehl ist Befehl" kontert Brunner mit der Ansicht, dass blinder Gehorsam niemals die Weltordnung darstellen dürfe. Die Uniform, die Baranowski als Ausdruck seiner wiedererlangten Menschlichkeit abgeworfen hat, wirft ihn am Ende doch selbst wieder nieder.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild weist vor allem ein starkes Bildrauschen auf, ferner finden sich kleinere Defekte, Verschmutzungen und auch Laufstreifen. Insgesamt geht es in Anbetracht des Alters des Films jedoch in Ordnung. Die deutsche Tonspur ist größtenteils gut verständlich.

Auf der DVD befinden sich ein Trailer, eine Fotogalerie, sowie Biographien zu Falk Harnack, Bernhard Wicki und Hansjörg Felmy. Im DVD-ROM-Bereich finden sich ferner das Original-Presseheft (35 Seiten) und ein Flyer (2 Seiten) im PDF-Format.

Fazit:
"Unruhige Nacht" ist ein Antikriegsfilm, der nicht mit verstörenden Bildern arbeitet, sondern vielmehr die Menschlichkeit der Akteure und ihr trauriges Schicksal akzentuiert, um die Unmenschlichkeit des Krieges zu unterstreichen. Der Film überzeugt mit hervorragenden Darstellern, allen voran Bernhard Wicki und Hansjörg Felmy, und sehr ausgefeilten Dialogen, die so manche tiefere Wahrheit enthalten, ohne sich dabei auf religiöse Motive zu stützen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
94:49 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Biographien von Falk Harnack, Bernhard Wicki und Hansjörg Felmy
  • Fotogalerie
  • Original-Presseheft und Flyer
Unruhige Nacht - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Unruhige Nacht
Unruhige Nacht

Dieser Film wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet


Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Die Bestrafung eines Soldaten, der ein Mensch sein wollte


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1958
Regie:
Falk Harnack
Drehbuch:
Horst Budjuhn, Albrecht Goes
Darsteller:
Bernhard Wicki, Hansjörg Felmy, Ulla Jacobsson, Anneli Sauli, Erik Schumann, Werner Hinz

Label Deutschland :
Kinowelt Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
16.02.2007